Technische Bürsten

„Viel Reserve für Wachstum eingebaut“

Mink Bürsten ist ein überaus erfolgreiches Unternehmen. Weltmarktführer auf dem Gebiet der Bündelbeborstung, stetes Umsatzwachstum, gefragt auf dem ganzen Erdball und A-Lieferant für viele Kunden. Was will man mehr? Darüber sprach SCOPE-Redakteur Michael Stöcker mit Peter Zimmermann, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens.

SCOPE: Herr Zimmermann, wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Zimmermann: Kein Grund zur Klage, wir bleiben auf Wachstumskurs. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen 350 Menschen und ich bin guter Dinge, dass wir unser angestrebtes Ziel für 2013 von plus sieben Prozent beim Umsatz realisieren werden. Wir haben viel erreicht in den letzten Jahren.

SCOPE: An was denken Sie dabei konkret?

Zimmermann: Nun, wir haben unsere Position als Weltmarktführer auf dem Gebiet der Bündelbeborstung ausgebaut. Derzeit fertigen wir 250.000 Bürstentypen und bedienen etwa 15.000 Kunden rund um den Globus. Dabei sind 80 Prozent unserer Bürsten- und Fasertechnik-Lösungen kundenspezifische Sonderanfertigungen. Vor allem aber - und das ist mir das eigentlich Wichtige - beobachten wir seit geraumer Zeit eine neue Qualität in unseren Kundenbeziehungen.

SCOPE: Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Zimmermann: Wir spüren deutlich, dass die Kunden Mink Bürsten nicht mehr nur als profanen Lieferanten wahrnehmen, sondern als kompetenten und vertrauenswürdigen Knowhow-Partner. Viele Kunden haben uns als kreativen Systemzulieferer erlebt, der weit über die übliche Beratung hinaus zielorientiert die Entwicklung innovativer Lösungen vorantreibt. Von vielen Einkäufern und Konstrukteuren erfahren wir daher Anerkennung für die hohe Qualität unserer Leistung über den gesamten Prozess von den Erstgesprächen über die Angebots- und Auftragsabwicklung bis hin zu Logistik und After-Sales-Bereich. Das war nicht immer so, sondern ist das Ergebnis der konsequenten Weiterentwicklung des Unternehmens.

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SCOPE: Welche Ereignisse sehen Sie als richtungsweisend?

Zimmermann: Vor etwa acht Jahren haben wir einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess gestartet. Das geschah ohne Druck von außen, einfach aus dem Wunsch heraus, besser zu werden. Die Geschäfte liefen prima, der Betrieb hat funktioniert, eigentlich gab es keinen offensichtlichen Grund für strukturelle Maßnahmen. Und doch habe ich damals gespürt, dass es noch besser geht. Also haben wir uns dafür entschieden ins KVP einzusteigen.

SCOPE: Und wie haben Sie das angefangen?

Zimmermann: Die ersten Impulse erhielten wir von externen Beratern. Die besichtigten unser Werk, unterhielten sich mit den Mitarbeitern und begannen damit, unsere bestehenden Abläufe und Strukturen zu hinterfragen...

SCOPE: ...und alles auf den Kopf zu stellen...

Zimmermann: ¿das haben wir anschließend selbst erledigt. Die Berater haben uns vor allem gezeigt, dass man die Menschen im Kopf abholen und auf den Verbesserungspfad mitnehmen muss! Sie haben unsere Freude zu konstruktiver Selbstkritik geweckt, neue Denkprozesse angestoßen und unseren Mut für Veränderungen gestärkt. Damit wurde erreicht, dass der KVP keine theoretische Absichtserklärung bleibt, sondern von den Menschen im Unternehmen aufgegriffen und gelebt wird. Heute nehme ich Mink Bürsten viel intensiver als handelnden Organismus wahr als früher.

SCOPE: Welche praktischen Maßnahmen wurden denn umgesetzt?

Zimmermann: Im einzelnen wurden viele Prozesse in Produktion und Verwaltung optimiert und verschlankt. An vielen Stellen im Unternehmen wurde die Verschwendung von Zeit und Material auf ein Minimum reduziert. Das Thema Technische Sauberkeit wurde als neues Aufgabengebiet definiert und die interne Weiterbildung intensiviert. Der gesamte Wertschöpfungsprozess wurde verbessert; Effizienz und Produktivität haben sich seitdem deutlich erhöht. Im Laufe der letzten Jahre wurden drei KVP-Manager installiert, deren Arbeit heute integrierter Bestandteil des Qualitätsmanagements ist. Seit 2009 gibt es die Mink Akademie, an der jeder Mitarbeiter des Unternehmens mindestens zwei Seminare pro Jahr besucht. Zudem haben wir ein Bewertungssystem für unsere Lieferanten eingeführt und uns von einigen unzuverlässigen Zulieferern getrennt. Seit 2010 haben wir die wichtigsten unserer 350 Lieferanten aktiv in unser KVP eingebunden. Das hat dazu geführt, dass einige von ihnen die Ideen von Mink für ihre eigenen Prozesse übernommen haben.

SCOPE: Und was hat sich in den Köpfen verändert?

Zimmermann: Zum einen ist der KVP heute fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Zum zweiten versteht sich Mink heute nicht mehr primär als Bürsten-Hersteller, sondern vielmehr als Spezialist für innovative Systemlösungen auf der Basis der Faserbündel-Technik. Die Stärkung unserer Kritikfähigkeit, die Bereitschaft zu ständigen Veränderungen und die Einführung eines offenen Denkens haben bewirkt, dass wir nicht mehr nur Bürsten im Kopf haben, sondern uns ständig mit der Frage beschäftigen, welche Anwendungen wir mit unserer Kompetenz auf dem Gebiet der Fasertechnik optimieren können - fernab traditioneller Bürsten-Anwendungen.

SCOPE: Das sind die Geister, die sie riefen...

Zimmermann: ...ja, aber es sind gute Geister! Denn sie erschließen uns neue Märkte und Millionenumsätze. Mink kann heute eben - im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern - mehr als Bürsten. Wir sind Lösungsanbieter für Oberflächentechnik, Fördertechnik, Gebäudetechnik, Möbelbau, Installationstechnik, Kunststofftechnik, Fertigungstechnik, Dichtungstechnik, Reinigungstechnik, Holzbearbeitung, Montagetechnik, Etikettiertechnik und zahlreiche andere Bereiche, in denen viele Anwender gar nicht primär an Bürsten denken. Wir aber schon! In einigen Fällen - etwa bei der Realisierung neuer Ladungsträger - konnten wir auf der Basis der Fasertechnik sogar völlig neue Systemlösungen für ganze Branchen umsetzen. Und ich darf sagen: Wir sehen uns hier erst am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung.

SCOPE: Und wie geht es jetzt weiter?

Zimmermann: Für viele Kunden sind wir heute A-Lieferant. Wir erkennen darin die Verpflichtung, unsere Verbesserungsprozesse fortzusetzen. Auf der Basis des bisher Erreichten sehe ich das Unternehmen außerdem bestens vorbereitet für das Wachstum in den bestehenden und weiteren neuen Märkten. Wir haben uns deshalb im vergangenen Jahr dafür entschieden, unser Werk 3 um 3.500 Quadratmeter auf dann 10.000 Quadratmeter zu erweitern. Die Bauarbeiten haben vor zwei Monaten begonnen. Für ein Investitionssumme von etwa 9 Millionen Euro werden wir eine neue Produktions- und Logistikhalle, ein neues Verwaltungsgebäude mit Entwicklungszentrum sowie ein Parkhaus und ein Casino für die Mitarbeiter errichten.

SCOPE: Welche Zielsetzungen verbinden Sie damit?

Zimmermann: Das Neubau-Gelände - wir haben es Mink Campus getauft - wird einen weiteren Modernisierungsschub bringen. Alle Unternehmensbereiche erhalten mehr Raum zur Entfaltung und Weiterentwicklung. Die innerbetriebliche Logistik wird sich verbessern und die Produktion wird durch neue Maschinen erweitert. Es bleibt dabei, dass wir 98 Prozent unserer Produkte selbst herstellen. Von zentraler Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens ist, dass wir die Entwicklungskapazitäten um 50 Prozent hochfahren! Darüber hinaus erhält die Weiterbildung zusätzliche Räumlichkeiten und die Ausstellungsfläche wird vergrößert. Und - ich sagte es schon - wir sind A-Lieferant für viele Kunden; da muss man auch ein wenig repräsentieren.

SCOPE: Hat es Sie angesichts der "Wankelmütigkeit" der internationalen Märkte viel Mut gekostet, dieses Projekt aus der Taufe zu heben?

Zimmermann: Nein, mein unternehmerisches Denken ist grundsätzlich mittelfristig ausgerichtet - also mit dem Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre. Außerdem entwickelt sich die große Nachfrage-Kurve trotz aller kurzfristigen Schwankungen unserer Beobachtung nach weiter aufwärts. Aber wissen Sie, was das Schönste ist am neuen Mink Campus?

SCOPE: Darf ich fragen?

Zimmermann: Wir haben viel Reserve für weiteres Wachstum eingebaut.

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