Märkte + Unternehmen

Teamwork Forum 2012: Gesund arbeiten

Längere Lebensarbeitszeiten und deutlich weniger Berufseinsteiger stellen Unternehmen vor die Herausforderung mehr junge Fachkräfte zu binden und ältere Arbeitnehmer gesund und leistungsfähig im Betrieb zu halten. Dies hat direkte Konsequenzen auf die Gestaltung der Arbeitsplätze. Genau damit beschäftigte sich am 23. Mai das Teamwork Forum Arbeitsplatzgestaltung - eine Initiative der Marken bimos, Karl und Waldmann.

Dr. med. Stefanie Gurk von Medical Consulting veranschaulichte in ihrem interaktiven Vortrag, welchen spezifischen Anforderungen Gestaltungskonzepte von Arbeitsplätzen für eine älter werdende Arbeitnehmerschaft Rechnung tragen sollten. "Eine Gesellschaft der Langlebigen muss sich mit veränderten Realitäten auseinandersetzen, denen bislang jedoch kaum Rechnung getragen wird." Dies veranschaulichte Gurk, indem zwei Herren aus dem Publikum in spezielle Overalls schlüpften, die verschiedene Alterserscheinungen und -krankheiten simulierten.

Referenten aus Theorie und Praxis vermittelten an diesem Tag anhand von konkreten Beispielen, welche aktuellen Herausforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung gestellt werden und wie ihnen begegnet werden kann.

Altersgerechte Arbeitsplätze

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels werden zukünftig deutlich mehr ältere Menschen länger im Arbeitsprozess verbleiben. Schon in den letzten 10 Jahren ist der Anteil der über 55 Jährigen Arbeitnehmer um 20 Prozent gestiegen. Dr. med. Stefanie Gurk von Medical Consulting veranschaulichte in ihrem interaktiven Vortrag, welchen spezifischen Anforderungen Gestaltungskonzepte von Arbeitsplätzen für eine älter werdende Arbeitnehmerschaft Rechnung tragen sollten. "Eine Gesellschaft der Langlebigen muss sich mit veränderten Realitäten auseinandersetzen, denen bislang jedoch kaum Rechnung getragen wird." Dies veranschaulichte Gurk, indem zwei Herren aus dem Publikum in spezielle Overalls schlüpften, die verschiedene Alterserscheinungen und -krankheiten simulierten. Danach blieb im Publikum kein Zweifel, dass mit den deutlichen Einschränkungen in Bewegung und Sehvermögen selbst gängige Tätigkeiten unter herkömmlichen Bedingungen nicht oder nur erschwert bewältigt werden können. Die Referentin selbst sieht die gesellschaftliche Entwicklung als Chance - getreu dem Motto "wer rastet, der rostet". Prinzipiell könne jeder ein langes Arbeitsleben füllen, wenn die entsprechenden Bedingungen geboten würden. "Eine Arbeitsplatzgestaltung, die diese Erkenntnisse berücksichtigt erhält und fördert die Arbeitseffizienz des Einzelnen."

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Burnout Prävention

Vielfach als Volksleiden betitelt und in der öffentlichen Diskussion längst breitgetreten, ist das Burnout dennoch eine nicht zu vernachlässigende Erscheinung unserer heutigen Arbeitswelt. Nicht mehr von der Arbeit abschalten können, Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen zählen zu den bekannten Symptomen des "Ausgebranntseins". Heinrich Hebling, Koordinator Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg, erläuterte in seinem Vortrag die Datenlage seiner Krankenkasse. Psychische Erkrankungen sind demnach die am stärksten ansteigende Diagnosegruppe. Zu diesen zählt auch die Symptomebene des Burnout-Syndroms. Die Frage danach, ob das Burnout tatsächlich am Zunehmen ist oder Ärzte einfach mehr sensibilisiert sind, sei auf Grund der Ermangelung eines medizinischen Krankheitsbildes schwierig zu beantworten. Unterdessen seien Erkenntnisse zur Prävention der psychischen Erkrankung in der Betriebsorganisation selbst, wie auch privat, von großer Bedeutung. Der Referent stellte entsprechende Grundlinien dar. Dazu zählen etwa wertschätzendes Feedback oder eine Führungskraft, die sich um die Mitarbeiter kümmert - sprich ein gutes Betriebsklima. "Jeder", sagt Hebling "kann zur eigenen Burnout-Prävention beitragen." Dazu gehört regelmäßiger Sport, der Austausch mit Freunden, individuelle Entspannungsmethoden und ein erfolgreiches Zeitmanagement.

Belastungen in der Montage

Als Fachreferent für Ergonomie im Kompetenzzentrum Ergonomie der Berufsgenossenschaft Holz und Metall konnte Daniel Kern über die besonderen Belastungen bei Montagetätigkeiten berichten. Die Muskel-Skelett-Erkrankungen führen die Statistiken der Industriestaaten an und verursachen nahezu ein Viertel der Krankheitstage. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, sodass bei über 55-Jährigen Muskel-Skelett-Erkrankungen für ca. 35 % aller Ausfalltage sorgen. Tätigkeiten mit sehr hohen Wiederholfrequenzen, Bewegungsmangel oder Zwangshaltungen zählen mitunter zu den Ursachen. "Um die Belastungen am Arbeitsplatz festzustellen", so Kern, "bedarf es verlässlicher Bewertungsverfahren." Der Experte erklärte den Anwesenden verschiedene Vorgehensweisen bei der ergonomischen Analyse und Bewertung von Arbeitsplätzen. Außerdem gab er einen Überblick zu aktuellen ergonomischen Analyse- und Bewertungsmethoden, etwa der Checkliste BGI 7011 "Orientierende Beurteilung der Gefährdung bei Belastungen des Muskel- und Skelettsystems", der Leitmerkmal-Methode "Manuelle Arbeitsprozesse" oder den KoBRA Tools. "Diese Methoden helfen nicht nur Risiken zu erkennen und zu bewerten, sondern auch notwendige Präventionsmaßnahmen zu ermitteln." Außerdem könnten im Nachgang mögliche Belastungsreduzierungen durch derartige Verfahren eindeutig belegt werden.

Ergonomie bei BMW

Michael Mohrlang, zuständig für die Ergonomie am Standort München und Schwerbehindertenbeauftragter der BMW AG, berichtete anhand konkreter Umsetzungsbeispiele wie sich der Automobilkonzern aktuellen Herausforderungen stellt. So konnten etwa die Belastungen für Rumpf, Knie und Nacken an den Montagelinien durch ein neues, höhenverstellbares System deutlich reduziert werden. Die Ergonomie habe bei BMW schon seit vielen Jahren maßgebliche Akzente gesetzt und den Menschen in den Fokus gerückt. "Bei BMW hat die Ergonomiestrategie das Ziel die Mitarbeiter im Sinne der Nachhaltigkeit vor arbeitsbedingten Erkrankungen zu schützen und gesundheitlich eingeschränkte bzw. schwerbehinderte Mitarbeiter adäquat in den Arbeitsprozess einzusetzen", so Mohrlang. Um ergonomische Arbeitsbedingungen zu schaffen, basiert das ganzheitliche Ergonomiemanagement des Konzerns auf vier Bereichen. Diese bestehen aus der ergonomischen Gestaltung von Produktionsabläufen, der Büro- und Gebäudeergonomie, sowie dem betrieblichen Eingliederungsmanagement zum Einsatz von gesundheitlich eingeschränkten bzw. schwerbehinderten Mitarbeitern. Besondere Berücksichtigung finden dabei auch auf den Mitarbeiter einwirkende Umfeldfaktoren wie z.B. Klima, Beleuchtung, Lärm und Gefahrstoffe. In allen Feldern der Ergonomie legt BMW in Bezug auf die demografische Entwicklung den Schwerpunkt auf fähigkeitsgerechte Arbeitsbedingungen. kf

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