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Siemens verspürt Investitionszurückhaltung

Siemens hat im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2012 das weltweit schwierigere Marktumfeld zu spüren bekommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs der Umsatz dank des guten Auftragsbestands und positiver Währungsumrechnungseffekte um zehn Prozent. Der Auftragseingang hingegen ging wegen eines erheblich geringeren Volumens aus Großaufträgen, wie dem ICx-Auftrag der Deutschen Bahn im Vorjahr, um 23 Prozent zurück.

"Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr zu erreichen," sagt Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG.

Das Ergebnis lag deutlich über dem Vorjahreswert, der von negativen Ergebniseffekten im Zusammenhang mit einem Schiedsgerichtsspruch und dem Partikeltherapie-Geschäft belastet worden war. "Die Abwärtsbewegung der Weltwirtschaft hat in den vergangenen Monaten zugenommen. Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, vor allem in den industriellen kurzzyklischen Geschäften", sagt Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender von Siemens. "Deshalb liegt unser Augenmerk vor allem darauf, unsere Produktivität und Effizienz zu steigern. Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr zu erreichen."

Angesichts des schwierigeren Kapitalmarktumfeldes soll die geplante Börsennotierung von Osram nun über eine Abspaltung an die Siemens-Aktionäre erfolgen. Siemens strebt weiterhin eine Minderheitsbeteiligung an Osram an und will langfristig Ankeraktionär bleiben. Mit dem Spin-off, so heißt es, lasse sich das Ziel der Börsennotierung von Osram unabhängiger vom Kapitalmarktumfeld erreichen. Osram gewinne so die nötige Eigenständigkeit und flexiblere Finanzierungsmöglichkeiten.

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Im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2012, das am 30. Juni 2012 endete, stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang sank um 23 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Der Rückgang ergab sich vor allem durch ein deutlich geringeres Volumen aus Großaufträgen als im Vorjahreszeitraum, in dem Siemens unter anderem den ICx-Auftrag der Deutschen Bahn gebucht hatte - den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte. In den Schwellenländern kletterte der Auftragseingang um fünfProzent auf 6,7 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill) lag im dritten Quartal bei 0,91, der Auftragsbestand lag begünstigt durch positive Währungsumrechnungseffekte insgesamt weiterhin bei 100 Milliarden Euro.

Im Sektor Energy sank der Auftragseingang um 28 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, während der Umsatz dank des großen Auftragsbestands um 14 Prozent auf 7,0 Milliarden Euro stieg. Der niedrigere Wert beim Auftragseingang war unter anderem bedingt durch einen Rückgang um 66 Prozent im Geschäft mit Erneuerbaren Energien wegen eines beträchtlich geringeren Volumens aus Großaufträgen gegenüber dem Vorjahresquartal und eines schwächeren Marktumfeldes im Windgeschäft. Beim Umsatz verzeichnete das Geschäft mit Erneuerbaren Energien mit einem Plus von 48 Prozent hingegen den stärksten Zuwachs.

Der Healthcare-Sektor wies im dritten Quartal zweistellige Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz aus. Hier machten sich unter anderem auch positive Währungsumrechnungseffekte bemerkbar. Während der Auftragseingang um zehn Prozent auf 3,3 Milliarden Euro stieg, erhöhte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.

Begünstigt durch positive Währungsumrechnungseffekte entwickelte sich der Auftragseingang im Sektor Industry mit 5,1 Milliarden Euro stabil und der Umsatz kletterte um drei Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Im Sektor Infrastructure & Cities stieg der Umsatz um sechs Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Der Auftragseingang lag wegen des genannten ICx-Rekordauftrages im Vorjahr mit 4,2 Milliarden Euro um 45 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Auf der Ergebnisseite wirkten sich unter anderem gestiegene Kosten im Zusammenhang mit Innovations- und Wachstumsinitiativen sowie ein niedrigeres Ergebnis in den kurzzyklischen Industriegeschäften aus. Dennoch stieg das Ergebnis der Sektoren im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreswert von 1,1 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro, da im Vorjahreszeitraum deutliche Ergebnisbelastungen im Zusammenhang mit dem Schiedsgerichtsspruch zu Areva in Höhe von 682 Millionen Euro und mit dem Partikeltherapie-Geschäft in Höhe von 381 Millionen Euro angefallen waren. Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten von Siemens kletterte im dritten Quartal von 763 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,2 Milliarden Euro.

Im Sektor Energy lag das Ergebnis im dritten Quartal bei 683 Millionen Euro nach 214 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Hier leistete die Division Fossil Power Generation mit einem Ergebnis von 475 Millionen Euro den größten Beitrag. Der Sektor Healthcare kam auf ein Ergebnis von 396 Millionen Euro nach acht Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Im Sektor Industry entwickelte sich das Marktumfeld im dritten Quartal zunehmend schwieriger, besonders in den kurzzyklischen Geschäften. Das Ergebnis des Sektors ging um 26 Prozent auf 523 Millionen Euro zurück. Der Sektor Infrastructure & Cities wies im dritten Quartal mit 215 Millionen Euro ein stabiles Ergebnis aus.

Für das Geschäftsjahr 2012 erwartet Siemens ein moderates organisches Umsatzwachstum gegenüber dem Geschäftsjahr 2011 und ein Book-to-Bill-Verhältnis von rund eins. Aufgrund der Ergebnisse in den ersten neun Monaten, mit erheblich niedrigeren Erträgen in den kurzzyklischen Industriegeschäften als vom Unternehmen erwartet, ist es deutlich ehrgeiziger geworden, die Bandbreite des zum Halbjahr gegebenen Ausblicks von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro für den Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten zu erreichen. Von dieser Prognose sind wesentliche Auswirkungen aus Portfoliomaßnahmen sowie aus rechtlichen und regulatorischen Themen im vierten Quartal ausgenommen. kf

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