Roboter-Schleif- und Polieranlagen

Im Porträt: 25 Jahre SHL

Am Anfang stand eine kühne Idee: Das mühselige, händische Schleifen und Polieren von Metallteilen sollte durch automatisierte Lösungen ersetzt werden. Mit dieser Zielsetzung fanden 1989 die Partner Otmar Seelmann, Winfried Häring und Johannes Lehr zusammen und gründeten ihre Firma SHL GmbH im schwäbischen Böttingen. 25 Jahre später arbeiten über 1.750 Roboter-Schleif- und Polieranlagen von SHL weltweit am Markt.

Im Jahr 2008 entstand am Firmensitz im schwäbischen Böttingen ein neuer, moderner Verwaltungstrakt. Der Empfangs- und Präsentationsbereich für Besucher wurde neu gestaltet.

Damit zählt die SHL Automatisierungstechnik AG zu den größten Roboter-Integratoren und -Systemhäusern Europas. "Das ist ein schöner Erfolg, der ohne das dauerhafte Engagement der SHL-Beschäftigten nicht möglich gewesen wäre. Wir sind alle stolz darauf, was wir in dieser Zeit geleistet haben", sagt Vorstand Gerd Lehr.

Aus den Anfängen des Unternehmens entwickelte sich bis heute ein prozess- und lösungsorientiertes Roboter-Systemhaus, das mit rund 70 hochqualifizierten Fachkräften bei rund 50 Projekten im Jahr und stark abhängig von den Projektgrößen einen Jahresumsatz von etwa zehn Millionen Euro erwirtschaftet. SHL befasst sich am Stammsitz in Böttingen mit Analyse, Beratung, Projektierung, Konstruktion, Herstellung, Programmierung, Inbetriebnahme und After Sales Service von Roboteranlagen und Systemen. Die SHL-Lösungen ermöglichen die wirtschaftliche, prozesssichere sowie vollautomatische Schleif-, Polier-, Entgrat-, Bürst- und Fräsbearbeitung und übernehmen unterschiedliche Handlingsaufgaben in vielen Branchen.

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Rückblende: In der Gründungszeit waren Schleifen und Polieren extrem mühselige, wenig automatisierte Arbeitsgänge. Jedes Unternehmen hatte seine eigenen Rezepturen und dementsprechend unterschiedlich waren die Qualitäten. Darüber hinaus wurden die Prozesse den gesetzlichen Normen und Bestimmungen für Arbeitsplatzbedingungen immer weniger gerecht. Am 1. Juli 1989 machten sich die Partner Seelmann, Häring und Lehr (SHL) schließlich mit dem Ziel selbständig, Schleif- und Polierprozesse robotergestützt zu automatisieren. Erste Wirkungsstätte war die leerstehende Fertigungshalle einer ehemaligen Dreherei, die ideal für den Start zum Bau von Schleif- und Polieranlagen mit integrierten Industrierobotern war.

Das Trio schaffte es, mit einem automatisierten Oberflächenfinish erstmals eine deutlich effizientere Produktion und darüber hinaus gleichbleibende Output-Qualität zu realisieren. Und damit stieß SHL in eine Marktlücke vor. Das junge Unternehmen sicherte sich schnell die Aufmerksamkeit namhafter Unternehmen, die bis heute auf der Kundenliste stehen. Ein italienischer Möbelhersteller war der erste, der bei SHL anklopfte. Das Schleifen und Polieren von Fußgestellen für Bürostühle von Hand gestaltete sich äußerst mühselig und zeitaufwendig. Die Italiener fragten nach einer automatisierten Lösung und wurden "pronto" bedient. "Mit dem automatischen Prozess zum Schleifen und Polieren der Oberflächen mit Industrierobotern und ausgeklügelten Stationen sowie platzsparenden Fahrwegen haben wir die Branche revolutioniert und einen Meilenstein gesetzt", sagt Gerd Lehr.

In den folgenden Jahren ging es Schlag auf Schlag. Die Zahl der Mitarbeiter stieg kontinuierlich und die Aufträge nahmen zu. 1991 wird die erste Doppel-Polieranlage mit integrierten Industrierobotern von Kuka ausgeliefert. Anfang der 90er Jahre trägt ein rasanter Anstieg an komplexen Aufträgen für Maschinen, Anlagen und Robotern rund um die Schleif- und Poliertechnik zur vielseitigen Bearbeitung von Badarmaturen, Türdrückern und Beschlägen zur gesunden Entwicklung des Unternehmens bei. Steigende Losgrößen in der Fertigung und Variantenvielfalt erfordern passende Antworten für die Finish-Bearbeitung metallischer Oberflächen. Und SHL liefert sie in Form von Anlagen, die hinsichtlich Zuführung, Greifersystemen und den Kundenwünschen nach schnellen, automatischen Prozessen zunehmend komplexer werden.

Im Jahr 1993 realisiert SHL ein Highlight: Nach einer Bauzeit von nur acht Monaten zieht das Unternehmen in die "eigenen vier Wände". Die Produktionsfläche im neuen Gebäude am heutigen Firmensitz weist zu diesem Zeitpunkt bereits 1.350 Quadratmeter aus, hinzukommen 430 Quadratmeter für Verwaltungsräume. Die Einweihung wird gebührend gefeiert. Im November des Jahres findet die erste Hausmesse mit Fachvorträgen statt. Geladene Gäste aus Deutschland, England, Italien und Skandinavien zeigen sich von den in modernem Ambiente präsentierten Lösungen rund um den Schleif- und Polierprozess mit integrierten Industrierobotern begeistert.

Erste Entgratmaschine für Aluminiumfelgen

Einer leicht schwächelnden Badarmaturenindustrie Anfang der 90er Jahre kann SHL durch Aufträge aus der räumlich naheliegenden Medizintechnik begegnen. 1996 liefert SHL die bis dato größte Roboter-Schleifanlage mit acht integrierten Industrierobotern und vollautomatischem Zuführprozess an die Firma Friedrich Grohe in Hemer. Zwei Jahre später melden sich die Automobilzulieferer. Die erste Entgratmaschine für Aluminium-Felgen wird innerhalb weniger Monate konzipiert, gefertigt, montiert und in Betrieb genommen. 1999 markiert ein weiterer Meilenstein den Erfolgsweg von SHL: Das Schulungs- und Trainingscenter wird eröffnet. Industrieroboterlösungen machen das Center zu einem "Know-how-Pool". Theoretisches Wissen wird in die Praxis umgesetzt. Mitarbeiter von SHL-Kunden erlernen das spezielle Handling im Aufgabengebiet Schleifen und Polieren sowie die Programmierung im Umgang mit integrierten Industrieroboterlösungen. Bis heute ist das Trainingscenter unverzichtbares Etappenziel bei der Umsetzung von Projekten. Dort werden wichtige Vorversuche unter Realbedingungen durchgeführt, um Machbarkeit und Lösungsvorschläge zu testen. "SHL realisiert Turnkey Solutions. Dabei ist uns Pre-Sales-ervice genauso wichtig wie die qualifizierte Betreuung nach dem Verkauf. Wir bieten einen Rundum-Service, der keine Wünsche offen lässt", betont Lehr.

Kurz nach der Jahrtausendwende kündigt sich ein Generationswechsel bei SHL an. Lehr nimmt 2001 zunächst seine Aufgaben als Prokurist wahr. Gründungsmitglied Otmar Seelmann scheidet aus Altersgründen aus und wechselt wenig später in den Aufsichtsrat. Gerd Lehr und Winfried Häring sind heute Vorstände der SHL Automatisierungstechnik AG. Im Jahr 2008 entsteht in Böttingen ein neuer, moderner Verwaltungstrakt. Im Zuge des Neubaus wurde der Empfangs- und Präsentationsbereich für Besucher neu gestaltet. Eine Gesamtfläche von 5.000 Quadratmeter teilen sich nun Verwaltung, Vertrieb, Produktion, Montage, Inbetriebnahme, Schulung und Versuch. Eine technische Herausforderung steht 2009 an: In enger Zusammenarbeit mit einem Kunden aus Südamerika wird eine Produktionslinie für Wasserarmaturen entwickelt. Dies soll die Grundlage für einen der größten Aufträge der Firmengeschichte im Jahr 2010 sein. Heute ist das südamerikanische Unternehmen größter Kunde von SHL.

Besinnung auf die eigenen Stärken

Projekte werden bei SHL erfolgreich durch die Besinnung auf die eigenen Stärken umgesetzt. Die benötigten Schleif- und Poliermaschinen werden im eigenen Haus entwickelt und gefertigt. "Damit lassen sich nicht nur alle Qualitäts-, Termin- und Flexibilitätsaspekte berücksichtigen, sondern auch die Schnittstellen klar definieren", beschreibt Vorstand Winfried Häring. Die hierfür benötigten, hochqualifizierten Arbeitskräfte werden bei SHL herangebildet und geschult. Im Prinzip beschafft SHL den oder die Roboter, während das gesamte Umfeld an Bearbeitungstechnik, Greifer, Werkzeuge und Materialfluss komplett in Eigenregie entsteht - inklusive mechanischer, elektrischer sowie steuerungs- und softwaretechnischer Ausrüstung.

"Der Lieferant muss zum Markt kommen und nicht umgekehrt." Dieses Prinzip ist einer der Schlüssel zum Erfolg von SHL und wird seit der Unternehmensgründung gelebt. Dadurch wird auch die Time-to-Market verkürzt. Die Internationalisierung der Wirtschaft und damit auch der Produktion erfordert eine Präsenz vor Ort. Dementsprechend ist die Globalisierung für SHL gelebte Realität, zumal ein Anwender oder Zulieferer seine Produktionsbetriebe in andere Länder verlagert und sich somit Kostenvorteile verschafft hat. "Die nationale und internationale Vertriebsstruktur von SHL richtet sich ausschließlich an den aktuellen Bedürfnissen der Märkte aus, die unterschiedlich strukturiert sind", sagt Winfried Häring. Folgerichtig konzentriert sich SHL auf den großen deutschsprachigen Markt (Deutschland, Schweiz, Österreich), Resteuropa, Nord- und Südamerika, Asien und China sowie Russland. Um den nord- und südamerikanischen Markt ausbauen zu können, wird 2005 die SHL Automation Inc. in Atlanta/USA gegründet.

Noch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts musste überwiegend manuell geschliffen und poliert werden. Ein ehrbares Handwerk - und ein mühsames. Inzwischen ist das automatisierte Oberflächen-Finish von SHL Referenz in der Hightech-Industrie geworden. Nur durch die Automatisierung ist diese Wertschöpfungskette für den Kunden in Deutschland haltbar. Und sie hat nach Einschätzung von SHL noch immer eine große Zukunft vor sich. Automatisierung liefert höhere Qualität, präzise Reproduzierbarkeit von Fertigungsprozessen sowie ausgeprägte Flexibilität durch softwareunterstützte Produktion. Im Jubiläumsjahr 2014 sieht sich die SHL Automatisierungstechnik AG als Impulsgeber und strebt die weltweite Technologieführerschaft rund um die Kernkompetenz Schleifen und Polieren an. Auf Basis eines breiten Branchenmix und eines umfassenden Prozessspektrums maximiert das Unternehmen Synergien und reduziert Risiken. Zentrales Ziel von SHL bleibt kundenorientiertes Handeln sowie eine dauerhafte Kundenbeziehung durch intensive und individuelle Betreuung. kf

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