Interview mit Dieter Kress

„Nun auch spiralige Nuten“

Im Interview mit SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz spricht Mapal-Geschäftsführer Dieter Kress über seine Erwartungen an die additive Fertigung, neue PKD-Werkzeuge und die jüngsten Investitionspläne seines Unternehmens.

SCOPE: Herr Dr. Kress, Sie zeigen sich von den Möglichkeiten der additiven Fertigung regelrecht begeistert. Warum?

Mapal-Geschäftsführer Dr. Dieter Kress

Kress: In der Tat ist dieses an sich schon länger bekannte Verfahren für uns außerordentlich vielversprechend. Es gibt ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung der Werkzeuge. Wir freuen uns auch darüber, dass aus dem Maschinenbau ganz neue Möglichkeiten kommen. Heute und auch in der Vergangenheit hat ja die Werkzeugindustrie die Werkzeugmaschinen wesentlich unterstützt. Ich denke an HSK, an die neuen Schneidstoffe und Beschichtungen. Ich denke an Werkzeuge speziell für die flexible Fertigung und vieles mehr, was die Entwicklung der Maschinen weitergebracht hat. Ich muss auch zugeben, ich hätte nie gedacht, dass zum Beispiel der Laser in unsere Fertigung so schnell und stark Eintritt finden kann. Das ist eine hochinteressante Technologie, und da sind wir erst am Anfang. Zum Beispiel bearbeitet Mapal Diamantschneiden mit dem Laser, die Ergebnisse sind hervorragend, werden aber natürlich noch nicht in vollem Umfang in der Fertigung eingesetzt.

SCOPE: Wie zufrieden waren Sie mit dem letzten Geschäftsjahr, wie schätzen Sie die Entwicklung in 2014 ein?

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Kress: 2013 war für die ganze Branche ein Jahr des Innehaltens. Mapal hat dennoch vom Umsatz her mit sieben Prozent deutlich zugelegt. Von 440 Mio. konnte der Gruppenumsatz auf 470 Mio. Euro gesteigert werden. Der Auftragseingang entsprach der Entwicklung der Branche, er stagnierte ungefähr bei plus-minus Null. Wir haben aber bei den Investitionen dennoch ganz bewusst Gas gegeben. In diesem Jahr erwarten wir etwa 500 Mio. Euro konsolidierten Umsatz, das ergibt eine sehr erfreuliche Steigerung in den letzten vier Jahren. Der Auftragseingang war dieses Jahr bisher sehr erfreulich.

SCOPE: Und wie ist der Ertrag?

Kress: Nicht unerfreulich für uns, Mapal hat eine gute finanzielle Basis.

SCOPE: Bei den Märkten fällt auf, dass Sie in den USA offenbar wieder kräftig zulegen können. Gibt es dafür Gründe?

Kress: Der amerikanische Markt wird durch die offensichtliche Re-Industrialisierung immer interessanter für uns. Die Automobilfirmen investieren in neue Motoren, neue Getriebe, da tut sich eine Menge. Und da sind wir erfreulicherweise dabei. Wir machen inzwischen in den USA rund zwölf Prozent unseres Umsatzes. Da hatten wir in den vergangenen Jahren bereits eine sehr gute Entwicklung, und der Trend zeigt weiter nach oben.

SCOPE: Bei Qualität und Innovationen hat Mapal einen hervorragenden Ruf. Weniger bekannt ist Mapal beim Thema „pünktliche Lieferungen“. Haben Sie daran auch gearbeitet?

Kress: An dem Thema arbeiten wir ständig. Noch sind wir nicht so weit, dass wir die Lieferzeiten eines Standardherstellers erreichen, der nur ins Lager gehen muss, um seine Produkte zu liefern. Aber wir haben uns seit letztem Jahr durch vielfältige Maßnahmen, unter anderem durch Einstellung weiterer Mitarbeiter und Kapazitätserweiterung durch neue Maschinen, bei der Lieferfähigkeit erheblich verbessern können.

SCOPE: Mapal fertigt vor allem Sonderwerkzeuge?

Kress: Der Anteil an Sonderwerkzeugen beträgt bei uns 95 Prozent. Mapal ist ein großer Sonderwerkzeughersteller, ich würde sogar behaupten, sicherlich einer der größten auf dem Weltmarkt.

SCOPE: Trotz verhaltenem Auftragseingang haben Sie 2013 rund 200 Mitarbeiter eingestellt – wie passt das zusammen?

Kress: Das ist auch mit vorausschauender Strategie zu erklären. Auf Grund der demographischen Entwicklung ist kalkulierbar, dass es in fünf Jahren weniger junges Personal geben wird als heute. Wir sorgen da vor. Und wir können sagen, dass die Ausbildung bei Mapal außerordentlich geschätzt wird, weil sie eben hochqualifiziert ist. Das ist, denke ich, eine Philosophie von Mapal, dass wir Dinge etwas früher tun als andere. Deshalb investieren wir auch stark in unsere Auszubildenden. Wir haben in den letzten beiden Jahren die Zahl der Auszubildenden um jeweils 30 Prozent aufgestockt. Hier in Aalen haben wir damit rund 130 Azubis. Zudem haben wir ein neues Ausbildungszentrum gebaut.

SCOPE: Sie investieren dieses Jahr stark in Baumaßnahmen?

Kress: Ja, dieses Jahr bauen wir an etlichen Standorten. So haben wir unter anderem in Aalen das Vertriebsgebäude um zwei Stockwerke erhöht. In Sinsheim haben wir einen Betrieb für Aussteuerwerkzeuge und Plandrehköpfe, die sehr gut laufen, vor allem im Projektbereich. Dort wollten wir eigentlich erweitern, es hat sich aber herausgestellt, dass das auf dem Gelände nicht nach unseren Vorstellungen möglich ist. Deshalb werden wir in Eppingen ein komplettes, neues Werk errichten. Und wir investieren z.B. auch in Pforzheim, wo wir PKD-Werkzeuge herstellen. Wir sind heute bereits der größte Hersteller von PKD-Werkzeugen; durch neue technische Entwicklungen werden wir auch in diesem Bereich weiter wachsen.

SCOPE: Was sind das für Entwicklungen?

Kress: Bei den PKD-Werkzeugen gibt es formenseitig sehr interessante Fortschritte. Bisher war es so, dass man beim Vollhartmetall spiralige Nuten herstellen konnte, bei PKD-Werkzeugen konnte man nur gerade Nuten herstellen. Nun können wir auch PKD-Werkzeuge mit spiraligen Nuten herstellen. Das bietet etliche Vorteile. Zum einen lassen sich die Späne viel besser abführen, das ist auch speziell interessant für die Minimalmengenschmierung. Und ein Bohrer mit dieser Struktur hat eine höhere Leistung.

SCOPE: Das wird durch die Laserbearbeitung möglich?

Kress: Ja, der Laser findet wie gesagt mehr und mehr Eingang in die Fertigung. Wir arbeiten unter anderem intensiv an weiteren Entwicklungen für die PKD-Werkzeug-Herstellung. Mapal hat sich deshalb auch maßgeblich an der Firma LaserPluss beteiligt, die sich mit dem Thema beschäftigt.

SCOPE: Das führt uns zurück zur additiven Fertigung. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier?

Kress: Von vielen wird das Thema additive Fertigung heute noch als Spielerei, vielleicht geeignet für Versuche oder Prototypen, abgetan. Doch inzwischen gibt es 3D-Drucker, mit denen können tragende, metallische Teile hergestellt werden. Das war vor wenigen Jahren noch nicht möglich. Wir sind deshalb sehr stolz darauf, dass wir auf unserer 3D-Maschine ein serientaugliches Werkzeug gebaut haben.

SCOPE: Wie kam es dazu, dass Sie sich mit der 3D-Laser beschäftigt haben?

Kress: Die ersten Anstöße kamen von unserer R & D Abteilung. Ich habe mir das dann näher angeschaut. Damit wir da nicht auf Dritte angewiesen sind, haben wir uns entschieden, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wir haben deshalb in einen 3D-Drucker investiert, um mittels Lasersintern neue Wege bei der Herstellung von Werkzeugen zu beschreiten. Ein erstes Projekt wurde nun zur Serienreife gebracht: der zum Patent angemeldete Schneidplattenbohrer QTD für den Durchmesserbereich kleiner 13 mm. Das Werkzeug werden wir auf der AMB vorstellen.

SCOPE: Was kann die additive Fertigung besser als die herkömmliche Produktion?

Kress: Der Einsatz des Lasersinterns zur Herstellung des Grundkörpers eröffnet neue geometrische Freiheiten. So werden aktuell Grundkörper im Durchmesserbereich 9 bis 12 mm mit gewendelten Kühlkanälen auf dem 3D-Drucker hergestellt. Diese Auslegung ermöglicht im Vergleich zur zentralen Kühlmittelführung mit Umlenkungen einen um bis zu 100 % gesteigerten Kühlmitteldurchfluss, speziell durch von der Kreisform abweichende Kühlkanalprofile. Möglich sind darüber hinaus Hybridmodelle, bei denen die konventionelle und die additive Sinterfertigung kombiniert werden, um die Wirtschaftlichkeit im Herstellprozess weiter

zu verbessern.

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