Märkte + Unternehmen

PLM-Netzwerk

Eine „Star Alliance“ für die Produktentwicklung
Mit den Genius Tools verbessert und vereinheitlicht Inneo vor allem die Benutzerführung – beispielsweise über ein intuitives Bibliotheksmanagement mittels der Cover-Flow-Technologie oder dem Ringmenü, mit dem der Anwender alle wichtigen Befehle immer im direkten Zugriff hat. (Bilder: Inneo)
Der PLM-Dienstleister Inneo Solutions unterstützt über seine Beteiligung am PLM-Elite-Netzwerk seine Kunden bei der Internationalisierung. Darüber hinaus werden die Zusatztools des Unternehmens für die PTC-Produktentwicklungssuite Creo und das PLM/PDM-System Windchill künftig Genius Tools genannt. Über beide Themen sprach der eDM-REPORT mit Inneo-Geschäftsführer Helmut Haas.

eDM: Herr Haas, im Vorfeld der Hannover Messe haben Sie das von Ihnen mitgegründete Netzwerk PLM Elite vorgestellt. Wie kann ihr Kunde davon profitieren?

Haas: PLM Elite liefert PLM/PDM-Lösungs-Know-how und trägt dem Trend Rechnung, dass nicht nur Großunternehmen, sondern zunehmend auch der deutsche Mittelstand internationaler werden und sich global aufstellen. Unabhängig davon, ob das über eigene Niederlassungen oder Kooperationen erfolgt – dabei wird es notwendig sein, die Produktentwicklung auf eine gemeinsame Basis zu stellen. Gefordert ist also die Umsetzung eines PLM-Konzeptes, von der Prozessberatung über die Einführung der entsprechenden Systeme bis zu deren Betreuung – und zwar jeweils vor Ort. Vergleichen lässt sich das sehr schön mit der Star Alliance im Luftverkehr. Für mich als Kunden bietet die den Vorteil, dass ich viele Destinationen mit einem Ticket erreichen kann, das von mehreren Airlines akzeptiert wird. Zudem kann ich mich auf eine bestimmte Qualität des Angebots verlassen. Dahinter stehen jedoch nach wie vor die Airlines mit ihrer eigenen Identität.

Anzeige


eDM: Was heißt das übertragen auf PLM Elite?

Haas: Nehmen wir als Beispiel einen deutschen Mittelständler, der in Schweden eine Niederlassung eröffnen und in seinen Produktentwicklungsprozess einbinden will. Ihm genügt es jetzt, sich mit diesem Anliegen an uns zu wenden – er hat also einen definierten Ansprechpartner. Wir binden dann unseren Netzwerkpartner Econocap in Schweden mit ein, der beispielsweise vor Ort die Systeme betreut und Schulungen in Schwedisch anbietet. Der Vorteil des Netzwerkes für den Kunden ist, dass er sich darauf verlassen kann, dass Econocap mit der gleichen Methodik wie Inneo arbeitet und den gleichen Qualitätsstandard bietet. Verantwortlich bleibt für ihn aber Inneo. In ähnlicher Weise können wir das in Belgien über Savaco und in Österreich über Techsoft garantieren. Zusammen mit den Inneo-Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich, sind das europaweit schon 23 Niederlassungen.

eDM: Wird das Netzwerk weiter ausgebaut?

Haas: Ja – aber mit Bedacht. Denn wir wollen natürlich den Anspruch hinsichtlich gleicher Methodik und gleicher Qualität halten. Erfreulicherweise gibt es inzwischen sogar schon Bewerbungen für eine Teilnahme. Details kann ich noch keine nennen, aber die Gespräche laufen. Noch in diesem Jahr werden wir voraussichtlich die Betreuung auch über Europa hinaus anbieten können, etwa in Nordamerika und Asien. PLM Elite als Allianz wird damit immer leistungsfähiger, denn ein Partner vor Ort ist in vielen Fällen sehr hilfreich, auch wenn man mit der englischen Sprache schon sehr weit kommt. Denn für ein erfolgreich umgesetztes PLM-Projekt sind drei Faktoren verantwortlich: Technologie, Prozesse und Methodik sowie vor allem die Mitarbeiter. Die Technologie ist der einfache Teil, die beziehen wir alle von PTC – ergänzt um unsere eigenen Tools. Bezüglich der Prozesse und Methodiken gibt es die bewährten Best Practices – bis hin zum Standard für die Schulungen. Auch dieser Punkt lässt sich also gut beherrschen und zudem aus der Gemeinschaft heraus weiterentwickeln. An die Grenzen stoßen wir beim Faktor Mensch – und hier spielt die Allianz ihren Vorteil aus, weil der Partner vor Ort die gleiche Mentalität besitzt, was die Verständigung enorm erleichtert. Insbesondere dann, wenn beispielsweise Unternehmen mit unterschiedlicher Historie zukünftig zusammenarbeiten wollen. Kommen hier verschiedene Mentalitäten zusammen, kann das sehr spannend und herausfordernd werden. Wir glauben, dass wir uns an dieser Stelle mit dem Netzwerk PLM Elite von anderen Marktteilnehmern deutlich absetzen können – insbesondere bezüglich der Betreuung des Mittelstandes. Zumal im Markt deutlich zu erkennen ist, dass gerade rund um das Thema PDM/PLM investiert wird – und insbesondere die Offenheit hinsichtlich einer Prozessberatung hat deutlich zugenommen.

Für erfolgreiche PLM-Projekt sind drei Faktoren verantwortlich …


eDM: Sie sprachen gerade Ihre eigenen Tools an. Was ändert sich an Ihrem Angebot mit der Einführung der Produktentwicklungssuite Creo durch PTC?

Haas: Sie bieten weiterhin einen signifikanten Mehrwert und sie werden auch weiterhin funktionieren – die Lauffähigkeit auf Creo ist abgeklärt und gesichert! Und wie in der Vergangenheit wird es jeweils synchron zu einer neuen Creo-Version auch jeweils eine neue Version unserer Tools geben. Gleichzeitig haben wir aber Creo und die Verbindung von parametrischem und direktem Modellieren als Anlass genommen, unsere Startup Tools für Pro/Engineer mit den Power Extensions für Cocreate Modeling zu verbinden – unter der Dachmarke Genius Tools sowohl für Creo Elements/Pro als auch Creo Elements/Direct sowie optional Windchill als PDM/PLM-System. Dabei geht es nicht nur darum, Funktionalitäten schnell zu implementieren um schnell zu starten, sondern es werden auch weiterhin zusätzliche Werkzeuge bereitgestellt. Wir werden das – analog dem App-Konzept von PTC (Creo Anyrole Apps) – modularisieren. Soll heißen: Standen bislang die Startup Tools anwenderseitig für Benutzerumgebung und Automation und seitens des Systembetreuers für die Konfiguration der Software, entstehen daraus nun zwei voneinander unabhängig nutzbare Apps: Genius Tools Cadbox und Genius Tools Configurator.

… Technologie, Prozesse und Methodik.

eDM: Macht Creo nicht ihre Tools teilweise ‚überflüssig’?

Haas: Nein. Nehmen Sie beispielsweise unseren Parameter-Manager, der einen einfachen Einstieg in die Konstruktionsautomation ermöglicht. Denn parallel zu einer ausgefeilten Konfigurationslösung aus dem Hause PTC mit Creo Anybom Assembly – die funktional weit darüber hinaus geht – wird es immer auch den Bedarf für einfache und sehr effiziente Lösungen geben. Insbesondere als Einstiegslösung hat also der Parameter-Manager auch weiterhin seine Berechtigung und bietet den Konstrukteuren entsprechenden Nutzen. Zudem: Fährt man dann doch den ‚großen’ Ansatz, hat man bereits durch die Strukturierung einen Teil der Vorarbeit geleistet – die natürlich weiterhin voll nutzbar bleibt, weil wir uns an die Standards und Datenformate von Creo gehalten haben.


eDM: Planen Sie seitens Inneo, neue Funktionalitäten bereitzustellen?

Haas: Unsere Liste ist lang – allein die Umsetzung wird durch die zur Verfügung stehenden Ressourcen limitiert. Ein ganz entscheidender Punkt ist aber auch hier die Anpassung der Benutzerführung entsprechend dem Creo-Konzept, die muss stimmig sein. Etwa durch am Mauszeiger unmittelbar verfügbare, zur jeweiligen Aufgabe passende Kommandos, das sorgt für Anwenderfreundlichkeit und damit Effizienz. Zudem gibt es eine Reihe interessanter Quereffekte – beispielsweise weil ich mich bislang voll auf das parametrische Modellieren konzentriert habe und nun einige direkte Funktionalitäten gut einbinden kann. Daran arbeiten wir zurzeit, ebenso wie an weiteren Ansätzen zur Automation. Daneben kommen zukünftig auch andere Lizenz- und Nutzungsmodelle – basierend auf dem App-Ansatz – zum Tragen.


eDM: Können Sie das etwas näher erläutern?

Haas: Denkbar ist, dass wir beispielsweise bestimmte Funktionalitäten temporär bereitstellen, das Stichwort lautet in diesem Zusammenhang Cloud Computing. Entweder von uns oder aber auch in einem Großkundenumfeld intern gehostet, beispielsweise als Plattform für Erweiterungen. Das hat enorme Auswirkungen auf die Software-Administration, insbesondere bezüglich der Releasewechsel. Denn gegenüber normalen Releasezyklen können wir damit neue und auch gegebenenfalls erforderliche Funktionalitäten über die Cloud viel schneller zur Verfügung stellen. Als Web-Applikation kann der Anwender umgehend damit arbeiten, selbst wenn der normale Releasezyklus diese Funktion erst in einem Jahr vorsieht. Wichtig dabei ist, dass die Entwicklungsdaten beim Anwender bleiben – er holt sich nur ein Zusatztool aus der Cloud. Wir haben das bereits in ein paar Vorabprojekten getestet, um die technische Machbarkeit zu klären. Durchgängig sind wir dabei auf Begeisterung gestoßen. -co -

Inneo Solutions GmbH, Ellwangen Tel. 07961/890-0, http://www.inneo.com

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Embedded Vision

Basler kauft Silicon Software

Basler übernimmt mit Silicon Software einen Hersteller von Bildeinzugskarten und Software für die grafische Programmierung von Vision-Prozessoren. Damit ergänzt der Industriekamerahersteller sein Produktportfolio in Richtung des Computer Vision...

mehr...

Trumpf

Umsatz steigt auf 3,6 Milliarden Euro

Die Trumpf Gruppe verbucht zum Abschluss des Geschäftsjahrs 2017/18 am 30. Juni 2018 eine deutliche Steigerung von rund 15 Prozent beim Umsatz. Der Wert beläuft sich nach vorläufigen Berechnungen auf 3,6 Mrd. Euro.

mehr...
Anzeige