Product Lifecycle Management

PLM – Quo vadis?

Es muss inzwischen gute zehn Jahre her sein, dass mir das erste Mal der Begriff Product Lifecycle Management (PLM) begegnete. Damals diskutierte ich mit IBM-Leuten, was das eigentlich sein soll, und auf einer UGS-Pressekonferenz kam es fast zum Eklat, als der damalige Geschäftsführer den Journalisten dieses neue Thema schmackhaft machen wollte. Ich erinnere mich noch genau an das Statement eines Kollegen: „Wenn bei einem mittelständischen Unternehmen einer mit diesem Hype-Thema ankommt, dann schmeißt ihn der Geschäftsführer hochkant raus!“ Ich weiß zwar nicht, wie vielen PLM-Beratern wirklich die Tür gewiesen wurde, aber eines ist sicher: Heute ist PLM auch für mittelständische Unternehmen ein Thema.

Bedeutet dies, dass PLM-Konzepte und entsprechende Applikationen den Unternehmen heute eine reibungslose Produktentwicklung ermöglichen und dass das vielbeschworene Time-to-Market im Handumdrehen vonstatten geht?

Zumindest für die Automobilindustrie, die als technologiegetrieben gilt, zeichnet Prof. Dr.-Ing. Rainer Stark, Fraunhofer IPK in Berlin, ein anderes Bild: „Dort sind bereits viele PLM Werkzeuge und die damit verbundenen unterschiedlichen digitalen Modellierungen zwar angekommen, jedoch wurden die durchgängigen digitalen Prozesse bisher nur in Teilbereichen etabliert.“ Die gesamte Lebenszyklus-Denkweise und das Lernen aus schon abgelegten Modellen, Datenbeständen/-mustern und Informationen sei bisher jedoch kaum etabliert worden, zum Teil werden viele Datenfriedhöfe gepflegt. Die Rückführung der Informationsintelligenz in die Entscheidungsprozesse der nächsten Produkte stecke auch noch in den Kinderschuhen. „PLM Prozesse werden bisher nur bezüglich des Datenaustauschs, der Datenablage und für die Datenfreigabe in stringenter Form gelebt.“ Es gibt offensichtlich bei einigen Unternehmen noch mächtig Nachholbedarf in Sachen PLM. Einen Artikel hierzu beziehungsweise Informationen zur Automotive-Tagung „Driving Innovation: F&E-Produktivität in der Automobilindustrie“ finden Sie ab Seite 12.

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Neben dem aktuellen Stand stellt sich die Frage: Wie geht es überhaupt weiter mit PLM? Damit hat sich der Fachbereich für Virtuelle Produktentwicklung (VPE) der Technischen Universität Kaiserslautern auseinandergesetzt. Die PLM-Spezialisten stellen fest, dass die Virtualisierung, Integration und Interdisziplinarität zwischen den Bereichen Mechanik, Elektrik/Elektronik, Software und Dienstleistung sowie die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Phasen des Produktlebenszyklus immer mehr zur Grundlage eines modernen Produktentwicklungsprozesses werden. Eine derartige multidisziplinäre Produktentwicklung erfordere daher ein Überdenken klassischer Methoden, Prozesse, IT-Lösungen und Organisationsformen, wie sie im Engineering bislang bekannt sind.

Der Lehrstuhl unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Eigner, einem ausgewiesenen Experten für Produktentwicklung und PLM, veranstaltet am 22. Oktober 2014 in Kaiserslautern die „6. PLM Future Tagung“ und diskutiert gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft neueste Trends aus Praxis und Forschung. Den Artikel hierzu finden Sie ab Seite 26. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

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