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Eine Konferenz mit Zwischentönen

Auf der Solidworks World in Kalifornien wurde viel über Wolken gesprochen: Ganz verdrängt werden konnten aber auch im sonnigen Kalifornien die düsteren Konjunkturauswirkungen nicht. Viel lieber sprach man über die goldene Zukunft des Cloud Computings und von Solidworks innerhalb des Dassault Systèmes Konzerns. Aber auch über neue Applikationen und erstaunliche Lösungen auf Basis der 3D-Produkte.
Großes Kino: Rund 5.000 Teilnehmer besuchten die Solidworks World 2010 im kalifornischen Anaheim.

Während heftige Schneestürme über der Ostküste der Vereinigten Staaten tobten und das öffentliche Leben lahm legten, versammelte sich die Solidworks Gemeinde im sonnigen Kalifornien: In Anaheim bei Los Angeles fand die Solidworks World 2010 (SWW) statt. Dass die Veranstalter solcher Mammut-Events – im vergangenen Jahr kamen rund 4.300 Teilnehmer nach Orlando/Florida – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bis zur letzten Minute zittern, machte CEO Jeff Ray in seiner Eröffnungsrede deutlich. »Die Nachrichten melden, dass wir immer noch in einer Rezession stecken und wir brechen hier einen Besucherrekord – über 5.000 Besucher haben sich registriert!«

Enovia wird zum V6-Backbone

Aber das vergangene Jahr sei auch für Solidworks schwierig gewesen; doch anstatt Mitarbeiter zu entlassen hätte man in die Entwicklung der Produkte investiert, um diese weiter zu verbessern, und um bei den Kunden Vertrauen zu schaffen. Gute Nachrichten hatte er auch für die Anwender seiner Software, denn rund 2.200 ausgebildete Solidworks-Konstrukteure hätten aufgrund ihrer Qualifikation neue Jobs gefunden und seien so der Arbeitslosigkeit entkommen. Den Kunden stellte Ray ein regelrechtes Feuerwerk an Neuheiten für die nahe Zukunft in Aussicht: »In den nächsten zweieinhalb Jahren werden wir mehr Neuheiten vorstellen, als in den vergangenen 15 Jahren.« Die Grundlage hierfür soll eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Dassault Systèmes (DS) schaffen. Bereits in 2011 sollen erste Produkte auf Basis der PDM/PLM-Software Enovia auf den Markt kommen. Weitere werden folgen – alle auf Basis der Version 6 (»V6-Backbone«).
Überraschend schnell reichte er am ersten Tag das Mikrofon an »seinen Boss« Bernard Charlès, CEO von Dassault Systèmes, weiter. Auch das ein Novum, denn bislang hatte Solidworks seine Anwendertreffen autark organisiert und durchgeführt. Doch nicht nur bei solchen Veranstaltungen dürfte der Kontakt zwischen Tochter und Mutter zukünftig viel enger sein. Wer genau hinhörte, konnte dem Auftritt von Charlès viele Signale für die weitere Zusammenarbeit entnehmen. Diese basiert auf einer Vision, die er schon auf dem European Customer Forum (ECF) im November 2009 in Paris formuliert hatte: »Wir wollen die 3D-Welt nutzen, um Produkte zu entwickeln, egal welcher Art. Unsere Kunden sollen Simulieren und Validieren – bevor Energie, Material und Ressourcen eingesetzt werden. Das ist unser Ziel. Wir nennen es ‚Lifelike Experience’ mit dem Einsatz von 3D als Medium. Diese Technik wird alle Bereiche abdecken – auch das Web.« Dafür wurde das DS-Portfolio neu geordnet. Es umfasst nun die Lösungen Catia (CAD/CAM), Del- mia (digitale Fertigungslösungen), Enovia (PDM/PLM), 3DVia (Viewer, Collaboration, technische Dokumentation), Simulia (Simulation) und Solidworks (3D CAD). Das zugekaufte amerikanische CAD- System soll zukünftig als Einstiegsprodukt innerhalb dieses Produkt- portfolios dienen.

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Wer hier auf die Zwischentöne achtete, dem wurde einiges deutlich, denn die Rolle des PDM/PLM-Systems Enovia von Dassault wird offenbar neu definiert. Enovia soll zukünftig als »PDM-Backbone« für das komplette DS-Portfolio dienen. Alle Produkte werden auf diese technische Plattform gebracht. Was das für die bisherigen und aktuellen PDM-Produkte von Solidworks bedeutet, wollten auch die beiden Firmenbosse (noch) nicht klar ausdrücken. Wahrscheinlich sollen Kunden nicht verunsichert werden. Dabei macht diese »Road Map« durchaus Sinn, denn im Rahmen der DS-Produktstrategie sollten selbstverständlich alle Produkte zueinander kompatibel sein und auf eine gemeinsame PDM-Basis zugreifen können.

Clouds und Collaboration

Gerade innerhalb von PLM-Szenarien ist das absolut sinnvoll. Wer möchte schon in seinem Unternehmen CAD-Software von Solidworks und DS einsetzen, deren Daten mit unterschiedlichen PDM-Systemen verwaltet wird?

Als zentrale Zukunftstechnologie sieht Jeff Ray das Cloud Computing. Auf dieser Basis soll 3D-Technik an allen Orten und auf allen Computerplattformen per Web verfügbar sein. Ingenieure werden ihre Daten überall und zu jeder Zeit abrufen und bearbeiten können und diese innerhalb von festgelegten Arbeitsgruppen teilen. Das vielgepriesene »Online Collaboration« soll so gelebte Realität werden. Eine neue Offenheit wurde auch im Hinblick auf Betriebssysteme verkündet.

Ein Oscargewinner als Gast

Egal, ob Windows, Mac, Linux, iPad, iPhone oder Netbook – die Cloud Server sollen den Anwender unabhängig und flexibler machen, lautet die Solidworks-Botschaft. Das Cloud Computing sei zudem das erste gemeinsame Projekt der Entwicklungsabteilungen von Solidworks und Dassault Systèmes und daher richtungsweisend.

Bei so viel gewichtigen Meldungen blieb trotzdem Raum für einen Gast der besonderen Art: Der mehrfache Oscargewinner und Regisseur James Cameron gewährte Einblicke in das »Making of« seines neuen Films »Avatar«. Für den 3D-Spielfilm, ein episches Science-Fiction-Abenteuer, waren mehr als zwei Jahre Vorbereitungszeit für die Entwicklung neuer Produktionstechnologien erforderlich. Innovationen, mit denen computergenerierte Darsteller in Live-Action-Szenen eingebunden werden, sind die bildbasierte Gesichts- und Mimik-Modellierung, eine virtuelle Echtzeitkamera für die computergenerierte Produktion sowie das Simulcam-System. Diese Techniken werden mit stereoskopischer Fotografie kombiniert, um Live-Action-Material mit computergenerierten Aufnahmen zu mischen. Wie erfolgreich der Einsatz von 3D-Technik sein kann, vermelden derzeit die Kinobetreiber: Das 3D-Spektakel ist bereits kurz nach seinem Start der erfolgreichste Film aller Zeiten und Cameron toppte damit seinen eigenen »Titanic«-Erfolg. -sg-

Solidworks Deutschland GmbH, Haar Tel. 089/6129560, http://www.solidworks.de

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