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Nachruf Professor Hans Grabowski

Am 17. November verstarb im 75. Lebensjahr Professor Dr.-Ing. Prof. E.h. Dr. h.c. Hans Grabowski, einer der Pioniere des rechnerunterstützten Konstruierens (CAD/CAM) und darauf aufbauend der rechnerunterstützten Produktentwicklung (CAx).

Nach Abschluss des Studiums der Werkzeugmaschinen in Magdeburg begann Hans Grabowski seine berufliche Laufbahn 1954 als Konstrukteur bei der Firma Gruson in Magdeburg. Nach der Übersiedlung in den Westen arbeitete er bei Flender in Bocholt sowie bei Pohlig-Heckel-Bleichert (PHB) in Köln. 1961 nahm er ein Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen auf. Neben dem Studium war er von 1965 bis 1969 als selbständiger Konstrukteur im Bereich der Papiersortiermaschinen tätig. 1972 promovierte er an der RWTH Aachen, um 1975 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Angewandte Informatik in der Fakultät für Maschinenbau der Universität (TH) Karlsruhe zu folgen. Daraus entstand 1977 das Institut für Rechneranwendung in Planung und Konstruktion (RPK). Von 1975 bis 2002 lehrte er als ordentlicher Professor über die rechnerunterstützte Produktentwicklung. Daneben war Prof. Grabowski Direktor des Forschungszentrums Informatik (FZI) in Karlsruhe sowie Sprecher eines Sonderforschungsbereiches der DFG.

Mit seinen Forschungsarbeiten hat Prof. Grabowski ganz wesentlich die Entwicklung der rechnerunterstützten Konstruktion sowie die ihr benachbarten Gebiete als eigenständige Wissenschaftsdisziplin definiert und maßgeblich beeinflusst. Er war der erste, der das Potential der so genannten »schlüsselfertigen« CAD/CAM-Systeme erkannte und diese sowohl gezielt in Forschung und Lehre einband als auch deren Einsatz in der Industrie förderte. Parallel dazu entwickelte er eigene Software-Lösungen für die vollständige Modellierung von Produkten. Da ihm die enge Zusammenarbeit mit der Industrie immer am Herzen lag, flossen die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten auch in kommerzielle CAD/CAM-Lösungen ein und gaben gleichzeitig Im- pulse für deren Weiterentwicklung.

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Schon frühzeitig entwickelte er für das RPK ein breites Forschungsportfolio, das einerseits die wesentlichen Inhalte und Sichtweisen einer integrierten Entwicklung und Modellierung von Produkten von der ersten Idee bis zur Rückführung/Entsorgung nach der Nutzung umfasst (PLM – Product Lifecycle Management), andererseits die Überführung und Weiterentwicklung der Konstruktionsmethodik in eine rechnerverwertbare Form zum Inhalt hatte, sind doch das durch Rechner bereitgehaltene Konstruktionswissen und der Problemlösungsprozess von entscheidender Bedeutung. In über 400 Veröffentlichungen hat er maßgebende wissenschaftliche Erkenntnisse in hervorragender Weise niedergelegt. Sein breites Wissen vermittelte er als Hochschullehrer vorbehaltlos und praxisnah.

Ein umfangreiches Engagement in den verschiedensten Gremien begleiteten seine Forschungs- und Lehrtätigkeit. Gemeinsam mit Prof. Beitz (1935–1998) von der TU Berlin gründete er 1993 den Berliner Kreis (www.berliner-kreis.de), dessen Vorsitzender er auch war. Ebenfalls 1993 war er Gründungsmitglied des ProSTEP-Vereins. Für seine Arbeiten erhielt Prof. Grabowski hohe Ehrungen und zahlreiche Preise, darunter 1973 die Borchers-Plakette der RWTH Aachen, 1986 vom VDI die Fritz-Kesselring-Ehrenmedaille und 1988 den Maschinenbaupreis des VDMA, 1989 wurden ihm die Ehrendoktorwürde der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest verliehen, 2002 die Ehrenprofessur der Beijing University of Aeronautics and Astronautics.

Prof. Grabowski war immer mit Leib und Seele ein vielseitiger und oft unkonventioneller Erbauer und Gestalter – das sind die eigentlichen Bedeutungen des Begriffs »Konstrukteur« – und begnadeter Entwickler. Dabei war er stets präzise, jedoch immer kompromissbereit, ohne dabei die eigenen Prinzipien aufzugeben. Wir betrauern den unerwarteten Tod eines verehrten Lehrers und geschätzten Kollegen, mit dem wir einen engagierten Forscher mit unermüdlichem Einsatz für die eigenen Gebiete und akademischen Lehrer verloren haben, der die relevanten Themen initiierte, diesen geeignete Lösungen zuführte und der seine Mitarbeiter angemessen forderte und nach Kräften förderte. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, unser herzlicher Dank, dass wir ihn auf seinem Weg ein Stück begleiten durften. -fr-

Edmund E. Dressler Prof. Dr.-Ing. Martin Eigner Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Sándor Vajna

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