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Nachfrage nach Gebrauchtmaschinen nimmt wieder zu

Die Weltwirtschaft erholt sich und in diesem Sog profitiert der Gebrauchtmaschinenmarkt. Das war der Tenor von 470 Ausstellern und 6.223 Besuchern auf der 16. Gebrauchtmaschinenmesse Resale in Karlsruhe. "Schneller als gedacht könnte die Finanz- und Wirtschaftskrise überwunden werden", sagt Jens Nagel. "Seit Jahresbeginn geht es wieder deutlich aufwärts", beobachtet der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Exporthandels (BDEx), Berlin. Er verweist auf die zunehmenden Auftragseingänge der Industrie - aus dem Ausland. Diese legten im Januar und Februar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahres 2009 um 30 Prozent zu. "Für den Handel dürften ähnliche Wachstumsraten angenommen werden", schätzt Nagel. "Die Suche nach gebrauchten Maschinen wird zum Spiegelbild der Nachfrage nach Neumaschinen."

Aufhellung der wirtschaftlichen Situation
Der Fachverband des Maschinen- und Werkzeuggroßhandels (FDM), Bonn, sieht ebenfalls positive Signale. "Wir glauben an eine mittelfristige Aufhellung der wirtschaftlichen Situation", blickt Kurt Radermacher voraus. "In der letzten Zeit wurden wieder vermehrt Geschäfte angeschoben", sieht der FDM-Geschäftsführer einen Aufwärtstrend. "Auch während der Messe in Karlsruhe haben sich qualitativ hochwertige Kunden an den Ständen eingefunden." FDM-Präsident Willi Schneegaß ergänzt, dass FDM-Aussteller diverse Verkäufe direkt auf der Messe getätigt haben. Abschlüsse meldet ebenso die European Association of Machine Tool Merchants (EAMTM), Brüssel. Sie präsentierte sich mit 65 Ausstellern aus zwölf Ländern. "Die Besucherqualität war sehr gut", hebt Jan-Reint Voortman hervor. "Unsere Mitglieder haben ihre Geschäfte gemacht", resümiert der EAMTM-Präsident.

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Auf seinem eigenen Stand konnte der niederländische Maschinenhändler Voortman einen ganz besonderen Handel verzeichnen. "Ich habe eine Hydraulikpresse verkauft - ausgerechnet nach Holland." Der Landsmann war ihm vorher nicht bekannt: "Das Geschäft kam spontan zustande." Ein anderer niederländischer Aussteller, das Industrieauktionshaus Troostwijk, sieht genauso eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. "Schwierig gestaltet sich nach wie vor der Automotive-Bereich", weiß Tjade S. Dieker. "Konstant gut laufen dagegen die Geschäfte in den Ernährungsbranchen", so der Vice President von Troostwijk Auctions & Valuations in Amsterdam. "Nahrungsmittel werden schließlich immer benötigt." Gegenüber 2009 nimmt die Zahl der Versteigerungen wieder zu. "Allein am zweiten Messetag führten wir fünf Online-Auktionen durch."

Vulkanasche verhindert Messebesuche
Ein wenig getrübt wurde die Stimmung auf der Resale durch die Vulkan-bedingten Turbulenzen im internationalen Flugverkehr. So konnten einige ausstellende Firmen aus Übersee und deren Mitarbeiter nicht mehr rechtzeitig anreisen. Mitunter halfen ihnen die Kollegen von anderen Ständen - so wie im Falle der Amerikaner von Adams Machinery. Die Firma Hego Blechverarbeitungsmaschinen sagte spontan zu, sich um Anfragen zu kümmern, die den Stand des benachbarten US-Ausstellers betrafen. Beide Firmen kennen sich aus den voran gegangenen Messeauflagen. Glück im Unglück hatte Aussteller Hans-Jürgen Geiger, der zuvor auf einer Messe in Korea weilte. "Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort", lautet das Fazit des Maschinenhändlers. "Von Seoul flog ich erst nach Istanbul, dann weiter nach Paris und von dort per TGV nach Straßburg." Am Vorabend des ersten Messetages traf Geiger endlich daheim in Metzingen ein, um in den nächsten Tagen angenehm überrascht zu werden: "Trotz der nicht ganz einfachen Verkehrs- und Wirtschaftssituation hatten wir viele Besucher am Stand." Schlechter erging es so manchem Einkäufer aus dem Ausland. Wie auf den zeitgleich stattfinden Veranstaltungen Hannover Messe und Bauma konnten zahlreiche Besucher aus entfernteren Ländern nicht kommen.

Zufriedenheit trotz weniger Besucher
Das Flugverbot machte sich besonders am ersten Tag bemerkbar, so dass der Anteil von deutschen Einkäufern recht hoch war. Aus diesem Grund spielten sich Geschäfte und Geschäftsanbahnungen stärker als sonst auf nationaler Ebene ab. "Bereits früh am ersten Messetag haben wir fünf Maschinen im Gesamtwert von 25.000 Euro innerhalb Deutschlands verkauft", freut sich Manfred Stein. "Drei Hubsteiger, einen Schwerlastwagen und einen Kompressor", zählt der Geschäftsführer von WST Stein Werkzeugmaschinen, St. Ingbert, auf.

Auch die BIS Industrieservice Mitte, Frankfurt am Main, bestätigte, dass am ersten Messetag weniger ausländische Besucher da gewesen seien. "Dennoch hatten wir sehr gute Gespräche", vermeldet Günther Körber vom Stand der Bilfinger-Tochter BIS. Vor allem deutsche Mittelständler hätten sich über verfahrenstechnische Lösungen und chemisch-pharmazeutische Geräte erkundigt. "Sie haben mit uns über Erweiterungsmöglichkeiten ihrer Anlagen diskutiert", erzählt Körber. "Wenn sich aus diesen qualitativ hochwertigen Gesprächen hinterher Aufträge entwickeln, wären wir sehr zufrieden."

Zurückgestellte Projekte werden angegangen
Ohnehin scheinen die Vorzeichen für künftige Geschäfte gut, wie Aussteller Carl Zeiss Industrielle Messtechnik berichtet. Der Präzisionsgerätehersteller aus Oberkochen bildete in Karlsruhe mit Chiron, SHW und Siemens wieder einen Herstellerstand - und spricht von einer verbesserten Stimmung in der Weltwirtschaft. "Nachdem im vergangenen Jahr spürbar Zurückhaltung angesagt war, hat sich der Markt in der Zwischenzeit wieder erholt", zieht Michael Lücke, Leiter Messen und Ausstellungen, einen Vergleich. "Bislang aufgrund der Krise zurückgestellte Projekte werden jetzt vermehrt in Angriff genommen.""Carl Zeiss spricht von zahlreichen Anfragen aus der jüngeren Vergangenheit, aus denen sich nach und nach konkrete Geschäfte entwickeln. "Zunächst sorgten Geschäftsleute aus dem aufstrebenden Indien für Belebung", so Lücke beim Blick auf die Weltkarte. "Mittlerweile haben andere Einkäufer rund um den Globus nachgezogen."

Erneuerungen fördern Gebrauchtgeschäft
Neben Herstellern und Händlern waren Aussteller mit eigenen, nicht mehr benötigten Maschinen auf der Resale vertreten. So erhält der Gebrauchtmaschinenmarkt stetig Nachschub, manchmal auch im großen Stil. "Wir sind Vermieter von fahrbaren Arbeitsbühnen", beschreibt Gregor Klopf. "Rund 1.400 verschiedene Bühnen befinden sich bei uns im Einsatz", erläutert der Geschäftsführer der maltech GmbH aus Salzburg. "Um den Kunden ein ansprechendes modernes Angebot unterbreiten zu können, müssen wir unseren Fuhrpark stetig erneuern." Das bedeutet, dass ältere Arbeitsbühnen abgegeben werden. Die Messebeteiligung im Freigelände diente Klopf daher dazu, möglichst viele Kontakte zu potenziellen Käufern zu knüpfen.

 

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