Leichtbau

Katja Preydel,

Die Mobilität von morgen

Längst geht es im Leichtbau nicht mehr allein darum durch ein niedrigeres Fahrzeuggewicht Nutzlasten zu erhöhen und den Kraftstoffverbrauch zu senken. Dank Konzept-Leichtbau eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Ein Paradebeispiel für modernen Konzept-Leichtbau: Der Uccon. Das Leichtbau-Chassis dient als fahrbare Plattform für verschiedene Aufbauten und kann beispielsweise als Bus in der Innenstadt oder Shuttle am Flughafen verwendet werden. © Teamobility

Egal ob "Vision Urbanetic" von Mercedes-Benz, die Studie EZ-PRO von Renault oder der Uccon von Teamobility – im Fokus der IAA standen dieses Jahr neue Mobilitätskonzepte. Ohne Leichtbau sind die in Hannover präsentierten Ideen jedoch nicht umsetzbar.

„Wenn wir weg von einem klassischen Auto mit schwerem Motor und einem großen Kühler vorne und einem Tank hinten im Fahrzeug gehen, dann haben wir dank Konzept-Leichtbau ganz andere Möglichkeiten, ein Auto vollkommen neu zu denken und zu konstruieren“, sagt Dr. Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW. „Ich glaube, die Potentiale des konventionellen Leichtbaus, bei dem man etwa Stahl durch Aluminium oder Carbonfasern ersetzt, sind in der Automobilindustrie weitgehend gehoben“, so Seeliger und fordert deshalb: „Wir müssen Leichtbau anders verstehen – und mit Konzept-Leichtbau haben wir ganz neue Möglichkeiten, ein Fahrzeug zu denken, um so die Nutzlast nicht nur um 50 oder 60 Kilogramm zu erhöhen, sondern um mehrere hundert Kilogramm.“

Beim Konzept-Leichtbau steht am Anfang die Frage, welche Kundenanforderungen und Nutzer-Funktionalitäten das Produkt genau erfüllen muss. „Das Design und die Konstruktion werden dann genau auf die Erfüllung dieser identifizierten Funktionen zugeschnitten“, so Prof. Johann Tomforde von Teamobility. „Ein Fahrzeug, welches im innerstädtischen Verkehr Güter oder Personen über vergleichsweise kurze Distanzen befördert, stellt ganz andere Anforderungen an Fahrwerk, Konstruktion und Design, als etwa ein Fahrzeug, welches über lange Distanzen bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn Güter transportieren soll“, erklärt Tomforde.

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Das Fahrzeuggewicht spielt dabei eine immer größere Rolle. Mit einem niedrigeren Gewicht lässt sich mehr Nutzlast transportieren und der Energieverbrauch sowie Emissionen reduzieren. „Und im Hinblick auf elektrische Antriebe steigt durch ein geringeres Gewicht die Reichweite eines Fahrzeugs – Reichweite in Form von mehr Batterien ist aber sehr schwer und teuer. Mit Leichtbau lässt sich hier also Geld sparen“, fügt Seeliger hinzu. Studien von Renault oder Mercedes-Benz würden zeigen, dass das Thema längst auch bei den großen OEMs angekommen ist. „Ohne Leichtbau keine Mobilität von Morgen“, ist sich Dr. Wolfgang Seeliger sicher.

Ein Paradebeispiel für modernen Konzept-Leichtbau: Der UCCON. Das Leichtbau-Chassis dient als fahrbare Plattform für verschiedene Aufbauten und kann beispielsweise als Bus in der Innenstadt oder Shuttle am Flughafen verwendet werden. © Teamobility

Teamobility aus Böblingen hat während der IAA mit dem Uccon ein Paradebeispiel für Konzept-Leichtbau vorgestellt: Das entwickelte Leichtbau Rolling Chassis kann als universell einsetzbare Plattform für Aufbauten aller Art genutzt werden und zudem je nach Branchenanforderung beziehungsweise Kunden-Bedarf verschiedene nachhaltige Antriebsformen beherbergen.

Verändertes Stadtbild

Wenn sich die Mobilitätskonzepte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wandeln werden, wird sich auch das Bild unserer Städte verändern. „Nicht zuletzt, weil die Herausforderungen und der Druck zu handeln, heute schon da sind – ich denke beispielsweise an die Schlagzeilen zu Anfang des Jahres, dass der Sand knapp und Bauen dadurch teurer wird oder der ungebrochene Run auf die Metropolen. Wir müssen zukünftig mit weniger Material mehr Wohnraum für Menschen schaffen“, sagt Seeliger. Dafür sei es nötig, dass Architektur und Mobilität mehr zusammenwachsen und sich ergänzen. „Wir entwickeln in unserem Netzwerk Ideen und Lösungen, wie die Stadt von Morgen aussehen kann, wie wir etwa zukünftig wohnen oder zur Arbeit kommen werden. Mit unserer Vision von ‚Leichtbau im urbanen System‘ möchten wir dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und unsere gebaute Umwelt für die Menschen lebenswerter zu gestalten“, so Seeliger. Und Prof. Tomforde ergänzt: „Für die Erhaltung und Versorgung der Menschen mit Mobilität brauchen wir emissionsarme und ressourcenschonende Gesamtsysteme. Das setzt zum einen eine enge Verquickung von Politik sowie kommunaler Stadt- und Quartiersentwicklung mit neuartigen Produktentstehungsprozessen voraus – und auf der anderen Seite brauchen wir die konsequente Umsetzung von ressourcenschonendem Leichtbau.“

Gemeinschaftsstand auf der IAA Nutzfahrzeuge

Um die Mobilitätskonzepte von Morgen Realität werden zu lassen, braucht es das Know-how und die Produkte von smarten Zulieferern – so wie sie die sieben Aussteller am Gemeinschaftsstand „Leichtbau aus Baden-Württemberg“ in den vergangenen Tagen in Hannover präsentiert haben. Von leichten Kernmaterialien über ultraleichte Aluminiumräder bis hin zu kostengünstigen Leichtbauteilen aus Faserverbundstoffen für Karosseriestrukturen zeigten die Unternehmen aus Baden-Württemberg ihre Expertise, um Bauteile beziehungsweise Fahrzeuge leichter zu machen.

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