Interview mit Werner Strub

„Zum Schritt beglückwünscht“

Der Vorstandsvorsitzende der Abas Software AG, Werner Strub, unterhält sich mit Chefredakteur Hajo Stotz über die Hintergründe der Fusion mit der Abas Projektierung Holding GmbH. Die neue Abas Software AG wird 2014 bei einem Umsatz von 35 Mio. Euro rund 370 Mitarbeiter beschäftigen.

Abas Software AG-Chef Werner Strub: "Mit der Fusion findet eine Verjüngung im Management statt."

SCOPE: Herr Strub, die Zahlen sprechen gegen Sie. Denn statistisch gesehen scheitert die Mehrzahl der Fusionen - meist, weil die "weichen" Faktoren nicht passen. Was macht Sie sicher, dass die Fusion zwischen der Abas Software AG und der Abas Projektierung Holding gelingt?

Strub: Gerade die "weichen" Faktoren machen uns sicher, sie spielen für uns eine enorm große Rolle. Wie Sie wissen haben wir ja eine Wertevorstellung, die wir unserem Tun zugrunde legen, und die wir an unsere Kunden, Partner und Mitarbeiter kommunizieren und einfordern. Dazu gehört das verlässliche Miteinander, die gegenseitige Wertschätzung, ebenso aber auch höchste Ansprüche an Qualität und Innovation. Und diese Wertevorstellung teilen die Abas Projektierung und die Abas Software AG zu 100 Prozent. Interessanterweise haben wir uns da gegenseitig angeglichen - wobei ich nicht sagen kann, wer Henne und wer Ei ist. Die Abas Projektierung hat immer wieder werthaltige Entwicklungen im Abas Netzwerk angestoßen, die wir übernommen haben, und ich weiß, umgekehrt ist es genauso. Insofern ist dieses Zusammengehen nicht nur eine Fusion zweier starker Partner auf Augenhöhe, sondern auch eine Fusion zweier zueinander passender, sich bestens ergänzender Partner. Damit ist ein großer Risikofaktor minimiert.

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SCOPE: Aber warum fusionieren Sie überhaupt?

Strub: Die qualitativ besten nationalen und internationalen ERP-Mittelstandsprojekte zu bieten, also die Qualitätsmarktführerschaft, das ist unser erklärtes Ziel. Das ist ein sehr hoher Anspruch, die anspruchsvollste Disziplin überhaupt. Wir wissen, wie viel harte Arbeit von uns zu bewältigen ist, aber wir wissen auch, diese Zielsetzung ist hoch attraktiv für alle Beteiligten: für die Kunden, für die Partner, für die Abas Software AG selbst. Für diese Zielsetzung ist die wirtschaftliche Stabilität eine wichtige Grundlage. Die ist gegeben. Die Qualität der Software ist der zweite entscheidende Punkt. Die Abas Software AG liefert diese und wird diese auch in Zukunft liefern, dieser Anspruch ist seit Bestehen bei uns fest verankert. Und mit den Investitionen in den letzten Jahren haben wir diesen Anspruch noch zusätzlich unterstrichen. Ein weiterer wesentlicher Erfolgsbaustein ist die hohe Qualität unserer Vertriebspartner. Die Software kann noch so gut sein - beim Kunden kommt diese Qualität nur dann an, wenn die Partner auch in der Lage sind, sie zu transportieren.

SCOPE: Und was hat das mit der Fusion zu tun?

Strub: Alles. Mit der Abas Projektierung fusionieren wir mit einem Partner, der in den letzten zwanzig Jahren a) stetig gewachsen ist, b) das eigene Wachstum geplant hat, c) hohe Qualität bei den Kunden abgeliefert hat. Der Abas Projektierung ist es gelungen, mit einem guten Planungsansatz, mit guten Ideen, mit guten Methoden diese Qualität stetig auszubauen und damit nachhaltig zu arbeiten. Das war ein ganz starker Treiber hin zur Fusion, denn die Projektierung wird ihr Know-How nun dem gesamten Abas Umfeld zur Verfügung stellen. Für unser Netzwerk ist das ein enormer Benefit.

SCOPE: Verändert sich durch die Fusion auch die Struktur des Unternehmens?

Strub: Es wird nach der Fusion eine größere Klarheit geben, insbesondere für die Kunden. Bisher hat die Abas Software AG auch eigene Projekte abgewickelt und eigene Kunden betreut, neben der Softwareentwicklung. Wir konzentrieren uns nach der Fusion auf die Softwareentwicklung. Eng verbunden mit der Entwicklung ist die Wissensvermittlung, d.h. die Akademie verbleibt in der AG. Die Kundenbetreuung jedoch wird ausschließlich durch ausgebildete Softwarepartner erfolgen. Deshalb wird bei der Fusion der kundenbetreuende Teil der Abas-Projektierung nicht mit der AG verschmolzen, sondern bleibt, wie jeder Softwarepartner, eigenständig erhalten.

SCOPE: Kundenbetreuung heißt Vertrieb und After-Sales-Services?

Strub: Genau das heißt es. Den Vertrieb bauen wir mit der Fusion aus. Anfangs haben wir uns immer wieder die Frage gestellt, ob wir den Vertrieb nicht ausschließlich den Partnern überlassen. Heute wissen wir, wie wichtig es ist, die Vertriebserfahrung in eigenen Händen zu halten, selbst weiter zu entwickeln, Methoden im eigenen Unternehmen zu erproben, um sie dann weltweit auszurollen. Alternativ zur Fusion haben wir überlegt, einen eigenen Vertrieb und eine eigene Projektmannschaft aufzubauen. Das ist auch eine interessante Option, jedoch mit dem Nachteil, dass wir mindestens zwei Jahre zum Aufbau eines schlagkräftigen Team in der gewünschten Größe benötigt hätten. Ein weiterer Nachteil wäre gewesen, dass wir dann in Konkurrenz zur Abas-Projektierung getreten wären.

SCOPE: Muss ein Unternehmen also immer weiter wachsen, um erfolgreich im Markt zu sein?

Strub: Das verneine ich klipp und klar. Ich erinnere mich noch an eine Podiumsdiskussion vor 15 Jahren mit SAP, IFS und anderen Größen, auf der sich die größeren Konzernanbieter überzeugt gezeigt haben, dass in den folgenden fünf Jahren eine Konsolidierung im Markt stattfinden wird, bei der die kleineren ERP-Anbieter auf der Strecke bleiben. Das ist nicht eingetreten und steht auch in Zukunft nicht an. Wir waren und sind erfolgreich, weil wir Qualität geliefert haben und liefern, die der Kunde von uns benötigt. Dies war unsere Grundlage als wir klein waren und das ist sie heute noch. Qualität hat Bestand, egal wie groß ein Unternehmen ist. Und die Firmen, die unsere Zielgruppe bilden, sind Firmen mit hohen Ansprüchen an die eigene Unternehmensorganisation. Unternehmen, die diese lang anhaltend absichern wollen, die wissen, dass sie sich stets weiterentwickeln und dass die ERP-Software diese Weiterentwicklung unterstützen muss. Diese Unternehmen benötigen für die nächsten 10, 20 Jahre eine geeignete ERP-Software. Wenn ein Unternehmen wie Abas diese Ansprüche nachhaltig erfüllt und die gewünschte technische und wirtschaftliche Qualität und Leistung bietet, dann ist es im Markt präsent - egal in welcher Größe. Die Unternehmensgröße ist keine Motivation für die Fusion.

SCOPE: Ist das eine Fusion unter gleichstarken Partnern?

Strub: Mit Sicherheit. Die Abas-Projektierung ist 160 Mitarbeiter stark, wir 140. Wir kommen dieses Jahr auf rund 14 Mio. Euro Umsatz, die Projektierung auf 21 Mio. Euro. Im Gegensatz zu uns hat die ABAS-Projektierung einen Anteil an Wareneinkauf. Damit hebt sich der Unterschied auf.

SCOPE: Ist trotz der Fusion auch die Kontinuität gesichert?

Strub: Ganz klares "Ja". Unsere Kunden, Partner und Mitarbeiter verlassen sich seit vielen Jahren auf unsere Kontinuität. Aufgrund der Fusion ist sie nun weit in die Zukunft hinein gesichert.

SCOPE: Gehört dazu nicht auch eine klare Planung im Generationswechsel?

Strub: Das ist der Punkt. Entscheidend ist ein verlässliches Management über lange Zeiträume hinweg. Mit der Fusion findet eine Verjüngung im Management statt, mit Personen, die sich in der Vergangenheit verdient gemacht haben. Unsere Zukunftsplanung erfolgt proaktiv und selbstbestimmt.

SCOPE: Und wie sieht Ihre Planung dann aus?

Strub: Bis 2016 bin ich als Mitgründer CEO der Abas Software AG. Danach übergebe ich meinen Geschäftsbereich an Ursula Bracke, jetzige Geschäftsführerin der Abas Projektierung Holding GmbH. Der Vorstand wird von einem Managementboard unterstützt, das sind erfahrene Mitarbeiter der fusionierenden Unternehmen, die Entscheidungen und Strategien mitbestimmen. Ziel ist es, dass die Kunden von dem Generationswechsel und der Fusion möglichst nichts spüren, außer nachhaltiger Qualität.

SCOPE: Und wie waren die ersten Reaktionen der Kunden?

Strub: Da waren wir auch sehr gespannt. Von vielen Kunden erhielten wir das Feedback, dass sie den von uns gewählten Weg als richtig und schlüssig ansehen. Und etliche, darunter unsere größten Kunden, haben uns zu diesem Schritt beglückwünscht.

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