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Hannover Messe 2011: Surface Technology

Von der Teilereinigung bis zur Nanobeschichtung

Gerade im Bereich der Oberflächentechnik wachsen die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen weltweit. Immer kürzere Innova­tionszyklen sind wichtige Treiber der industriellen Produktion. Altbe­kannte Materialien gewinnen durch eine Funktionalisierung an Gewicht, neue Werkstoffe überzeugen insbesondere durch die Eigenschaften ihrer Oberflächen. "Ob bei der Entwicklung neuer Lacke auf Wasserbasis bzw. Beschichtungssystemen mit hohem Feststoff- und niedrigem Lösungs­mittelanteil oder bei der Herstellung neuartiger photonischer Speicher durch Plasmatechnik - immer ist eine sehr enge Verzahnung zwischen der Oberflächentechnik mit dem Bereich Neue Materialien und Werk­stoffe zu beobachten", erklärt Dr. Uwe König, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik sowie Ge­schäftsführer Technologie des Zentralverbandes Oberflächentechnik (ZVO). Berührungspunkte gibt es unter ande­rem zur Industrial Supply, in­terna­tionale Leitmesse für industrielle Zulie­ferung und Leichtbau. Die Be­schichtung von Leichtbaumaterialien wie Metallen (Magnesium- und Aluminiumlegierungen) und Polymeren, darunter glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK), ist ein Thema mit wachsen­der Bedeutung, weil diese Werkstoffe immer stärker Eingang in den Flug­zeugbau finden. "In der Luft- und Raumfahrt wird auf diesem Gebiet fie­berhaft geforscht, weil der Druck zur Gewichtsreduzierung weiter wächst", berichtet König. Wie im Leichtbau spielt auch in der Prozesskette der Oberflächentechnik der Energieeinsatz eine entscheidende Rolle. Das gilt ganz besonders für Lackieranlagen. Angesichts steigender Energiepreise hat sich die Branche in den vergangenen Jahren intensiv mit Einsparmöglichkeiten auseinan­dergesetzt. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) hat ein Prognosemodell entwickelt, das dem Käufer einer neuen Lackieranlage bzw. einer Umrüstung für eine be­stehende Anlage eine maßgeschneiderte Analyse des Energieverbrauchs der eingehenden An­gebote ermöglicht. "Es besteht kein Zweifel darüber, dass ein Großteil der in Deutschland installierten Lackieranlagen hinsicht­lich ihres Energie­verbrauchs optimiert werden kann", betont Dr. Martin Riester, Leiter des Bereichs Oberflächentechnik im VDMA. Vor diesem Hintergrund richtet der VDMA zur Surface Technology auf seinem Stand ein besonderes Infoboard ein, das über die erheblichen Ener­gieeinspar­potenziale auf diesem Gebiet und die spezifische Kompetenz der ausstellenden Oberflächentechnikanbieter auf der Surface Technology 2011 aufklären soll. Auch der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) ist mit der Sonder­schau "Welt der Oberfläche" auf der Surface Technology vertreten, die die gesamte Prozesskette der Oberflächenbehandlung abbildet. Ohne Zweifel wendet sich die Branche immer stärker umweltfreundlichen Ver­fahren zu, wobei Energiegewinnung oder -einsparung dominieren. Weiterhin geht der Trend zu Verfahren und Pflegemaßnahmen der galva­nischen Bä­der, die über längere Zeit die Abscheidung konstanter Schicht­eigenschaf­ten gestatten und mit möglichst wenig Abfall verbunden sind - auch das unterstützt die Ressourcenschonung.

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Plasma-Vorbehandlung für vielfältigste Materialien

Der Gemeinschaftsstand SurfPlaNet hat die Plasmatechnik im Fokus. Wis­senschaft, Forschung und Industrie präsentieren innovative Produkte und Anwendungen der Plasma-Oberflächentechnik. So zeigt die Firma CemeCon aus Würselen produktionsbereite Beschichtungstech­nologien. "Durch die technische Anpassung von Substrat, Geometrie und Beschich­tung auf die Anwendung entstehen kundenspezifische High­techbeschich­tungen für Präzisionswerkzeuge und Bauteile", erklärt Dr. Beate Hütter­mann, Ver­triebsleiterin bei CemeCon. Der Einsatz der PVD-Sputter­technologie und der Diamanttechnik produziert äußerst harte, glatte und haftfeste Be­schichtungslösungen, die die Leistung von Werk­zeugen erhö­hen und die wirtschaftliche Bearbeitung moderner Materia­lien ermög­lichen. Das gilt auch für Verfahren der Corona- und Atmosphä­rendruck-Plasma-Behand­lung, wie sie die Firma Tigres Dr. Gerstenberg GmbH, Rellingen bei Ham­burg, anbietet und auf der Surface Technology zeigen wird. Die Anlagen werden als Vorbehandlungsstation beim Be­drucken und Verkleben von Kunststoffen, Metallen, Gläsern, Keramiken und Holz eingesetzt. Mit Phänomenen und Strukturen aus dem Reich der Zwerge - der Nano­welt - beschäftigt sich die B2B-Plattform "Schau Platz Nano". Die Son­derschau präsentiert markt­fähige Lösungen und Anwendungen mit ver­besserten Produkteigenschaf­ten. Die Nanotechnologie bietet neue Lösun­gen für eine Viel­zahl von industriellen Anwendungen und Verfahren. In der überwiegen­den Anzahl der konkreten Einsatzfälle ist "nano" heute Oberflächentech­nologie. "Eine umfassende industrielle Nutzung und Kommerzialisierung gelingen, wenn die Informationen zwischen Anbieter und Anwender flie­ßen, Netzwerke aufgebaut werden und Vertrauen in die Nanoindustrie geschaffen wird", betont Ronald Beiersdorff, Geschäfts­führer der Beiers­dorff GmbH und Organisator des "Schau Platz Nano".

Forum diskutiert neuste Entwicklungen in Forschung und Industrie

Das Forum Surface Technology bietet an den ersten vier Tagen technolo­gieorientierte Vorträge von Firmen und Instituten, die sich jeweils einen Tag lang mit den gebräuchlichsten Substraten auseinandersetzen. Auf Metalle folgt Holz, danach Kunststoffe sowie Glas und Keramik. Der fünfte Tag ist der Ausbildung gewidmet und richtet sich vor allem an junge Menschen. "Der wichtigste Trend auch für das Forum ist in der Tat die Energie- und Ressourceneffizienz. Dabei verfolgen wir dieses wichtige Thema in doppelter Weise, einerseits in der Produktion, um unsere Pro­zesse zu optimieren, andererseits werden immer mehr Oberflächen spe­ziell zu diesen Zwecken eingesetzt, zum Beispiel reib­ärmere Oberflächen, die im Antriebsstrang Energie sparen", verdeutlicht Dr. Martin Metzner, Abteilungsleiter Schicht­technik am Fraunho­fer-Institut für Produktionstechnik und Automatisie­rung (IPA) in Stutt­gart. Das Forum wird vom Fraunhofer-Institut organisiert. lg

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