Werkzeugmaschinen

„Die Richtung stimmt wieder“

Seit 1. Januar hat der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken mit Martin Kapp einen neuen Vorsitzenden. Chefredakteur Hajo Stotz sprach mit ihm über seine Erwartungen und die Lehre aus der Krise.

SCOPE: Herr Kapp, Sie haben Ihr Amt in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase für die Branche übernommen. Wie schätzen Sie die Entwicklung für die nächsten Monate ein?

Kapp: Vorhersagen sind nur mit höheren Toleranzen möglich. Ende 2009 lag die Produktion bei 9,9 Milliarden Euro und damit 30 Prozent unter Vorjahr. Doch für das laufende Jahr sind wir wieder zuversichtlicher und erwarten eine Belebung des Geschäfts während der ersten Jahreshälfte. Diese Einschätzung gründet auf der Entwicklung der letzten Monate. Seit September 2009 hat sich der Auftragseingang Monat für Monat verbessert. Im vierten Quartal 2009 haben die Bestellungen um 12 Prozent angezogen, im Dezember konnten wir sogar einen Zuwachs im Auftragseingang von 70 Prozent verbuchen. Gespräche mit unseren Mitgliedern signalisieren, dass dies kein Strohfeuer war, sondern auch der Januar gut gelaufen ist. Das alles spielt sich auf sehr niedrigem Niveau ab, aber die Richtung stimmt wieder.

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SCOPE: Woher kommen die Aufträge hauptsächlich?

Kapp: Getrieben wird die Nachfrageerholung vom Auslands- und Projektgeschäft. Die Schwellenländer, allen voran China und Indien, haben sich rasch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise erholt. Das Wachstum ist hier ungebrochen. Andere wichtige Märkte wie die USA, Russland oder Brasilien kehren auf den Wachstumspfad zurück. Auch Europa, unser traditioneller Markt, zeigt wieder Lebenszeichen. Die inländische Nachfrage stabilisiert sich dagegen wesentlich langsamer. Im Branchendurchschnitt werden Bestellungen erfahrungsgemäss in etwa sechs bis acht Monaten zu Umsatz. Demnach ist im zweiten Halbjahr 2010 mit steigender Produktion zu rechnen.

SCOPE: Hat die Branche aus den vergangenen Monaten Lehren gezogen?

Kapp: Eine Lehre aus der Krise ist sicher, dass wir beim nächsten Aufbau noch stärker die Themen „Stammbelegschaft“ und „Flexibilität“ im Auge behalten werden. Aus den vergangenen Krisen hat die Werkzeugmaschinen-Branche alles gelernt, was es zu lernen gab und hat deshalb heute eine sehr starke Position auf dem Weltmarkt.

SCOPE: Auch wenn nun wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist – erwarten Sie mehr Zusammenschlüsse und Übernahmen in der Branche?

Kapp: Eine Konsolidierungswelle sehe ich nicht auf uns zukommen. Ich glaube eher, dass es zu noch flexibleren Lösungen kommen wird.

SCOPE: Welche Erwartungen haben Sie als Geschäftsführender Gesellschafter der Kapp Gruppe für das laufende Jahr?

Kapp: Trotz der beschriebenen Trendwende bei den Bestellungen gehen wir davon aus, dass 2010 noch einmal ein sehr schwieriges Jahr werden wird. Aufgrund der langen Durchlaufzeiten zwischen sechs und acht Monaten im Schnitt der Branche wird der Anstieg bei den Bestellungen nicht ausreichen, um den Umsatz noch dieses Jahr ins Plus zu ziehen. Deshalb rechnen wir nochmals mit einem Produktionsrückgang von zehn Prozent. Gleichwohl werden die Vorzeichen für die Produktion ausgehend von einem niedrigen Niveau bald wieder positiv.

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