Werkzeugbau

China im Visier

OPS-Ingersoll ist in den wichtigsten Märkten des Werkzeug- und Formenbaus gut aufgestellt. Das trifft auch auf China zu. Geschäftsführer Rainer Jung beschreibt SCOPE seine Sicht des chinesischen Marktes.

SCOPE: Herr Jung, Sie haben erst kürzlich die weltweit größte voll automatisierte Fertigungsanlage im chinesischen Shenzhen im Bereich Werkzeug- und Formenbau installiert. Deshalb zunächst eine generelle Frage: Was unterscheidet den chinesischen Werkzeug- und Formenbau vom westeuropäischen bzw. dem deutschen Formenbau?

Jung: Zunächst ist es in unserem konkreten Fall so, dass in China eine Vielzahl von gleichen Werkzeugen hergestellt wird. Denken Sie nur an Smartphones, iPads oder auch an weiße Ware. Das wird heute alles in China produziert. Das heißt, im chinesischen Werkzeug- und Formenbau ist alles größer und man denkt in anderen Stückzahlen. Ausnahme ist aber sicher der Bereich Automotive. Da ist OPS-Ingersoll noch nicht so gut vertreten. Ein gravierender Unterschied zu Deutschland ist aber noch sicher der, dass in China in den letzten zwei Jahren die Lohnkosten nahezu dramatisch gestiegen sind. Gute Mitarbeiter haben da Lohnzuwächse von 10 bis 15 Prozent. Das wird nach meiner Meinung dazu führen, dass in zirka sechs Jahren das Lohnniveau ähnlich dem unseren sein wird. Hinzu kommen die etwa 50.000 Formenbauer in China. Davon sind aber nur zwei bis drei Prozent auf deutschem Niveau. Und genau das sind unsere Kunden. Diese Formenbaubetriebe machen Vielfachformen, legen großen Wert auf Prozesssicherheit und interessieren sich deshalb für Automation.

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SCOPE: Ihr Unternehmen gilt auch in China als Technologieführer in den Bereichen HSC Fräsen und Erodieren. So macht es bereits 40 Prozent des Umsatzes mit Aufträgen aus China. Tendenz weiter steigend. Dieser Umsatz soll in 2011 auf zirka 60 Prozent steigen. Wie kann OPS-Ingersoll dann künftig noch den deutschen bzw. den europäischen Markt bedienen?

Jung: Der deutsche Markt ist uns nach wie vor sehr wichtig, denn wir hier in Deutschland sind weltweit die Know-how-Träger. Unser Formenbau hat gegenüber dem chinesischen über 30 Jahre Erfahrung. Diese Erfahrung hat dazu geführt, Formen komplexer zu gestalten, kontinuierlich zu verbessern und auch die Schussgrößen zu steigern. Das ist unsere Stärke. Deshalb müssen wir diese zirka 5.000 Unternehmen in Deutschland entsprechend bedienen, damit diese Technologieführerschaft weiter ausgebaut werden kann. Aufgrund dieser Entwicklung sehe ich also keine Konfliktsituation sondern eher Chancen für uns und den Formenbau. Unabhängig davon planen wir im Gegensatz zu anderen Anbietern von Werkzeugmaschinen keine Produktion in China.

SCOPE: Leider ist es aber auch so, dass in Asien - speziell in China - vom Verlust des Know-hows, von Plagiaten oder auch Rechtsunsicherheit gesprochen wird. Gleichzeitig ist für den chinesischen Werkzeug- und Formenbau Deutschland bereits der drittgrößte Markt. Belastet Sie das nicht?

Jung: Man muss hier sicher differenzieren. Uhren beispielsweise werden kopiert, was das Zeug hält. Da sind die Chinesen sicher Meister im Kopieren. Bezogen auf unsere Maschinen glaube ich aber, dass sie nicht kopierbar sind. Zum einen stecken da Jahrzehnte Know-how drin, zum anderen gibt es keinen Zugang zu unserer „Blackbox“. Die Chinesen sind außerdem noch nicht so weit, diese Qualität in die Maschinen zu bringen. Was den chinesischen Werkzeug- und Formenbau als Wettbewerb zu Deutschland angeht, das wird sich ändern. Wie bereits erwähnt, steigen die Löhne enorm. Früher wurde unendlich gearbeitet, heute sind das nur noch 40 Stunden die Woche und Sozialbeiträge werden auch bezahlt. Und zu guter letzt kommen auf die Preise der Werkzeuge auch noch die Frachtkosten. Deshalb wird es schon bald keinen Sinn mehr machen, für den deutschen Markt, Werkzeuge in China herzustellen.

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