Produktionslösungen

Die Ruhe davor

Durch Standort-Schließungen, Verlagerungen, Übernahmen und Führungswechsel ist MAG in den ersten Jahren seit seiner Gründung 2005 in den Medien aufgefallen. Seit 2008 ist Markus Grob Vorsitzender der Geschäftsführung der MAG Europe. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz erfuhr von ihm, ob im Unternehmen seither Ruhe eingekehrt ist.

SCOPE: MAG hat gerade den Auftrag für eine komplette Fertigungsanlage für Photovoltaik aus Polen erhalten. Was war ausschlaggebend, dass MAG als Werkzeugmaschinenbauer diesen Auftrag erhalten hat?

Grob: MAG hat in den letzten Jahren nicht nur die Automatisierung für über 30 Solar-Fertigungsanlagen auf der ganzen Welt geliefert hat, wir verfügen auch über substanzielles Prozess-Know-How, unter anderem in den Bereichen Laser Scribing und Edge Deletion. Diese Kompetenzen basieren auf jahrelanger Erfahrung unseres US-Schwesterunternehmen in Hebron, wo schon seit vielen Jahren, ursprünglich unter dem Markennamen Cincinnati Automation, Fertigungslösungen für Photovoltaik-Module entwickelt wurden. Gemeinsam entstanden nun neue Technologiestationen zur Anwendung in der c-Si Modulfertigung.

SCOPE: 2006 stellten Sie eine eigene CNC-Steuerung auf B&R-Basis vor - um Sie scheint es aber auch recht ruhig geworden zu sein?

Grob: Bei der Steuerung handelte es sich um eine Einstiegsvariante, die in den USA für kleine Standardmaschinen entwickelt wurde. Diese waren hauptsächlich für den dortigen Markt relevant und sind inzwischen nicht mehr im MAG Portfolio. Daher wird auch die Steuerung nicht weiter entwickelt. Wir profitieren jedoch von dem dabei erarbeiteten Know-How in vielen Bereichen, insbesondere bei unseren Softwareprodukten für mehr Transparenz und Effizienz in der Fertigung. Die intelligente Vernetzung von Maschinen und Anlagen gehört zur Strategie, unsere Kunden über die Maschinenlösung hinaus an unserer gesamten Fertigungskompetenz teilhaben zu lassen.

SCOPE: Mit der Übernahme des Samputensili-Wälzfräswerkes in Chemnitz sind Sie auch in die Verzahnungstechnologie eingestiegen - sehen Sie das als Wachstumsmarkt?

Grob: Mit dem Know-How und der Technologie des traditionsreichen Standorts in Chemnitz schließen wir eine Lücke in unserem Technologieportfolio und sind nun auch im Bereich der Verzahnung Komplettanbieter. Dabei decken wir die komplette Weichbearbeitung inklusive Drehen, Fräsen und Wälzfräsen und unser Partner Samputensili in Italien die Hartbearbeitung ab. Wir sehen die Verzahntechnik eindeutig als Wachstumsmarkt, ob in der Großteilebearbeitung für Energieerzeuger oder in der Automobilproduktion, wo wir einen Trend zu Mehrganggetrieben sehen. Auch mit Blick auf die Elektromobilität wird im Bezug auf die Zerspanung die Zahnradfertigung einen Schwerpunkt darstellen.

SCOPE: Wo sehen Sie weitere Wachstumsmärkte? In der Verbundwerkstoff-Verarbeitung?

Grob: Die Fertigungstechnik rund um Composites-Anwendungen ist schon jetzt ein wichtiger Bestandteil unseres Portfolios und gleichzeitig ein Bereich, in dem wir strategisch wachsen wollen. Bei Aerospace-Anwendungen ist MAG Marktführer, wir haben mehr Maschinen im Feld als alle unsere Mitbewerber zusammen. Unser tiefes Anwendungswissen aus dieser Branche übertragen wir auf den Bereich erneuerbare Energien, wo wir erfolgreich erste Projekte zur maschinellen Fertigung von Windkraftflügeln gestartet haben. 2011 folgen weitere Highlights für unterschiedliche Anwendungen. In unserem Göppinger Technologiezentrum für Composites verfügen wir über Kapazitäten zur Anwendungsentwicklung und Lohnfertigung auf einer Tapelege-Maschine und entwickeln neue Lösungen in den Bereichen agile Roboterzellen, Faserschneideanlagen für Pressmassen-Verfahren und mehr.

SCOPE: Im Januar hat MAG Anleihen in Höhe von 50 Mio. Euro an der Stuttgarter Börse notiert. Sind das Mittel für weitere Übernahmen?

Grob: Wir wollen den Emissionserlös zur Finanzierung unseres Wachstums nutzen. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung neuer Technologien, der Ausbau des Service-Angebots, die Erschließung der asiatischen Märkte und das Wachstum der Geschäftsbereiche Luftfahrt und erneuerbare Energien.

SCOPE: MAG verzeichnete 2009 einen Umsatzrückgang von 39% auf 727 Mio. Euro - verglichen mit dem Einbruch der Gesamtbranche kamen Sie da noch mit einem blauen Auge davon. Wie lief denn 2010 und welche Erwartungen haben Sie an die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr?

Grob: Wir haben in der Krise von unseren flexiblen Strukturen, den Möglichkeiten zur Kurzarbeit und den gemeinsamen Anstrengungen aller MAG-Mitarbeiter profitiert. Zudem konnten wir die Zeit nutzen, um Entwicklungsprojekte voranzutreiben, deren Ergebnisse wir dieses Jahr präsentieren werden, wie etwa die Zerspanung mit Stickstoff. Derzeit verzeichnen wir eine sehr erfreuliche Entwicklung der Auftragseingänge, die guten Grund zu der Annahme gibt, dass wir 2012 wieder das Niveau von vor der Krise erreichen werden. Wir suchen derzeit Fachkräfte in allen Bereichen. Dieser positive Trend bestätigte sich auch bei unserer Hausmesse Anfang April in Mosbach, wo wir unter dem Motto "Fertigungslösungen von 20 Gramm bis 20 Tonnen" unsere ganze Bandbreite an Zerspanlösungen vorstellten. Mit einem guten Auftragseingang und vielversprechenden Anfragen und Gesprächen war diese Veranstaltung ein voller Erfolg.

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Automationslösungen von item

Erweitern Sie Ihr Wissen innerhalb der Automation und erfahren Sie alles rund um Motoren, Getriebe und Steuerungen im Leitfaden von item Industrietechnik.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Interessenten können ab sofort auf der Homepage der ACE Stoßdämpfer GmbH die für Ihre Anwendung maßgeschneiderte Gasfeder berechnen und auslegen. Unter ‚Berechnungen' ist das Gasfeder-Berechnungstool auf der Website ace-ace.de zu finden.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

MES macht Schluss mit Stillstand
Die MES-Software von PROXIA unterstützt die Kieselmann GmbH bei der Herstellung von umfangreichen Leitungs- und Ventilsystemen, den Überblick über eine äußerst komplexe Produktion zu behalten. Das MES ermöglicht, die Fertigung wirtschaftlich zu planen und zu organisieren sowie mit sicheren Kennzahlen Effizienzpotentiale aufzudecken und zu nutzen.
Bericht lesen

Zum Highlight der Woche...