ERP oder Cloud Computing und Saas? Oder doch lieber „emergente Software“? Und was steckt eigentlich hinter den Begriffen? Leo Ernst, Vorstand der Proalpha Software, bringt mit Chefredakteur Hajo Stotz Licht ins Dunkel der Begriffe zugunsten eines „Innovationssprungs in der Wertschöpfung“. " />

ERP-Lösung

Zur Sicherheit der Daten

SCOPE: Cloud Computing und Saas lösen das klassische ERP ab - solche und ähnliche Schlagzeilen sind immer häufiger zu lesen. Sehen Sie das auch so?

Ernst: Bisher konnten wir diesen sogenannten Trend noch nicht spüren. Gleichwohl entwickeln wir unsere Software technologisch so weiter, dass man die einzelnen Geschäftsprozesse sowohl intern, als auch extern als "Services" betreiben kann. Primäres Ziel dabei ist es aber, den Unternehmen damit die Möglichkeiten zu bieten, ihre Geschäftsprozesse schnell und flexibel anpassen zu können und dabei die volle Kontrolle über Daten und Prozesse zu behalten. Es gibt Teilbereiche wie z. B.: CRM-Lösungen, die bereits heute schon erfolgreich als Service angeboten werden. So gibt es eine Reihe von Anwendungsszenarien, die für Cloud Computing und Saas gut geeignet sind. Ein komplexes ERP-System als "Komplettlösung" in einer Cloud abzubilden, kommt derzeit aus unserer Sicht immer noch nicht in Betracht, insbesondere da das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit ihrer Daten und unternehmenskritischen Prozesse nicht gegeben ist.

SCOPE: Registrieren Sie Interesse Ihrer Anwender an dem Thema?

Ernst: Das Interesse der Anwender zu diesen Themen ist immer noch gleichbleibend gering.

SCOPE: Welche ERP-Themen sind aus Ihrer Sicht für Fertigungsunternehmen derzeit vor allem interessant?

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Ernst: Die Nachfrage nach Lösungen im Servicebereich hat stark zugenommen. Dieses ist auch zu einem gewissen Teil der Krise geschuldet, da sich die Unternehmen durch eine gute Serviceleistung abgrenzen können. So kann z. B. durch die Aufarbeitung im Einsatz befindlicher Produkte die Kundenbindung erhöht und zusätzliche Dienstleistungen geschaffen werden.

SCOPE: Internationalisierung wird auch für kleinere Fertigungsbetriebe zu einem immer wichtigeren Thema. Wie ist Proalpha international aufgestellt?

Ernst: Wir haben schon früh begonnen, internationale Strukturen aufzubauen. Vor zwölf Jahren haben wir unsere erste Tochtergesellschaft im nicht-deutschsprachigen Raum gegründet. Heute sind wir in allen relevanten Ländern mit eigenen Gesellschaften oder qualifizierten Partner vertreten. Diese Unternehmen verkaufen nicht nur eine in die jeweilige Sprache übersetzte Softwarelösung, sondern sind in der Lage, ihre Kunden auf der Basis von Landesversionen umfassend und auf technisch hohem Niveau zu betreuen. Landesversionen unterscheiden sich von Software, die einfach in andere Sprachen übersetzt wurde, dadurch, dass hier auch die rechtlichen Anforderungen und die spezifischen Usancen berücksichtigt sind. Die Ausdehnung unserer Geschäftstätigkeiten in weitere Länder hängt primär von dem Interesse unserer Kunden ab. Unserem Prinzip "Following the Clients" bleiben wir treu.

SCOPE: Nach der Investitionszurückhaltung der Betriebe im letzten Jahr - welche Erwartungen haben Sie in wirtschaftlicher Hinsicht an 2010?

Ernst: Das vergangene Wirtschaftsjahr hat sich besser dargestellt, als wir es ursprünglich erwartet hatten. Auch die Entwicklungen des laufenden Wirtschaftsjahres lassen sich nur sehr schwer voraussagen. Dennoch gibt es klarer werdende Indizien, dass unsere Kunden und potentielle Kunden wieder den Mut gefasst haben, in IT-Technologie und Beratung zu investieren. Derzeit verspüren wir einen starken Nachfrageschub nach qualifizierten Dienstleistungen. Wir müssen davon ausgehen, dass sich das verstärken wird und sind dabei, unsere Mitarbeiterzahl deutlich zu erhöhen.

SCOPE: Proalpha gehört mit dem Softwarecluster "Softwareinnovationen für das digitale Unternehmen", dem auch die IDS Scheer AG, SAP AG und Software AG angehören, zu den Gewinnern des Spitzenclusterwettbewerbs der Bundesregierung. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Forschungsarbeit steht das Thema "emergente Software". Was ist darunter zu verstehen?

Ernst: Emergente Software kombiniert dynamisch und flexibel eine Vielzahl von Komponenten unterschiedlicher Hersteller, um die hochkomplexen Anforderungen digitaler Unternehmen zu erfüllen. Emergente Software passt sich dynamisch an die Anforderungen aus dem Markt und im Geschäftsumfeld an (Adaptivität), unterstützt komplexe und dynamische Unternehmensnetzwerke (Agilität), und ermöglicht innovative Dienstleistungen im zukünftigen Internet. Emergente Software führt zu einem Innovationssprung in der Wertschöpfung; sowohl für Software-Anbieter als auch für die Nutzer der Software, die digitalen Unternehmen.

SCOPE: Ist es denkbar, dass die Zusammenarbeit mit den am Cluster beteiligten Anbietern auch über die Kooperation an der gemeinsamen Forschungsarbeit hinausgeht?

Ernst: Das Cluster besteht ja nicht erst seit der Fördermaßnahme der Bundesregierung. Somit gibt es bereits jetzt schon Kooperationen mit beteiligten Unternehmen und auch eine langjährige Zusammenarbeit mit beteiligten Forschungsinstituten. Die Zusammenarbeit und Kooperation wird dann sicherlich noch durch diese Maßnahme intensiviert werden und natürlich über den Förderzeitraum hinaus bestehen.

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