Datenaustausch-Plattform, Pressenanlagen

„Einfach wie ein Fax“

SCOPE: Ihr Unternehmen setzt seit Jahren das ERP-System Psipenta ein und nutzt nun auch MyOpenFactory. Mit wie vielen Unternehmen und Zulieferern kommuniziert Wemhöner it-technisch und welchen Daten werden ausgetauscht?

Wagner: Als Anlagenbauer mit einer hohen Teilevarianz bestellen wir den größten Anteil unserer Fremdteile klassisch über Fax. Zeichnungen und technische Unterlagen werden dem Lieferanten per E-Mail zur Verfügung gestellt. In Rahmen unseres MyOpenFactory-Projekts haben wir Bosch Rexroth, Siemens und Festo an unsere Bestellprozesskette gekoppelt. Hier werden Bestellungen und Auftragsbestätigungen übertragen, im weiteren Projektverlauf wird die Eingangsrechnungserstellung folgen. Weitere bestellrelevante Daten wie Zeichnungen und technische Unterlagen haben hier keine Bedeutung, da wir bei diesen Lieferanten nur Katalogware bestellen.

SCOPE: Sie binden über Open Factory also Lieferanten an, die unterschiedliche ERP-Lösungen einsetzen. Wie funktioniert das?

Wagner: Unserer ERP-Anbieter Psipenta stellte uns einen Adapter zur Verfügung, der die ERP spezifischen Informationen in den MyOpenFactory-Standard übersetzt und auf den MyOpenFactory-Server stellt. Wir haben dann mit unseren Lieferanten ein kurzes Abstimmungsgespräch geführt, bei denen die Lieferantenspezifika erörtert wurden. Die umfangreichste Arbeit für uns bestand in der Pflege unserer Artikellieferantenbeziehungen, bei der die Ident-Nr-Lieferant und die Einkaufskonditionen auf Vollständigkeit und Korrektheit geprüft wurden. Nach einigen Testdurchläufen haben wir den Lieferanten für MyOpenFactory Bestellungen freigegeben. Die eingehenden Auftragsbestätigungen werden direkt vom MyOpenFactory Adapter in unser ERP-System eingepflegt. Sind Differenzen zur Bestellung vorhanden, wird der auslösende Einkäufer per E-Mail benachrichtigt. Er kann dann mit einem speziellen Tool die Differenzen sichten und selektiv ablehnen oder zur Aktualisierung im der ERP-Bestellposition freigeben. Eingehende Rechnungen über MyOpenFactory legen im ERP eine Eingangsrechnung an. Diese wird dann von der Rechnungsprüfung gesichtet, geprüft und zur Fibu-Buchung freigegeben. Das erspart uns die Rechnungserfassung. Die Rechnung wird natürlich noch in Papierform vom Lieferanten an uns geschickt. Bis zur Einführung eines praktikablen Signaturgesetzes wird dies auch noch so sein.

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SCOPE: Zudem integrieren Sie kleine Lieferanten, die kein ERP-System im Einsatz haben. Wie geht das?

Wagner: Hierfür gibt es das MyOpenFactory-Cockpit – eine Webseite, über die unser Lieferant auf unsere bei ihm platzierten Bestellungen zugreift. Hier sieht er was wir bei ihm bestellt haben, die übertragenen Zeichnungen in digitaler Form, die er sofort in seiner NC-Programmierung nutzen kann. Unsere Information wird durch die gesicherte Übertragung via HTTPS-Protokoll geschützt, was bei der Übertragung per E-Mail nicht der Fall ist. Er kann die gesamten Prozesse mit weiteren MyOpenFactory-Teilnehmern nutzen, etwa Bestellungen bei Festo oder Bosch-Rexroth absetzen. Hier sind wir mit zwei Lieferanten in der Pilotphase. Es handelt sich um kleine Betriebe mit weniger als sechs Mitarbeitern, die wir als verlängerte Werkbank nutzen. Da kein ERP-System vorhanden ist und der PC nur für den E-Mailverkehr genutzt wurde, hatten wir einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Unsere Lieferanten erkannten jedoch schnell, das eine Teilnahme am MyOpenFactory-Netzwerk auch für sie Vorteile bietet.

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