APS-Lösung

"In die Hände gespielt"

Beim ERP-Softwarehersteller AP AG tut sich wieder etwas. Vorstand Reinhard Dilger gibt Chefredakteur Hajo Stotz Auskunft zur Übernahme durch Asseco, der Kooperation mit Ortems und der AP-Strategie.

SCOPE: Herr Dilger, der osteuropäische Softwarekonzern Asseco hat im letzten Jahr AP übernommen. Firmenaufkäufe haben jedoch, zumindest wenn man die stattgefundene Konsolidierungswelle im ERP-Bereich betrachtet, auf die übernommenen Produkte meist keine positiven Auswirkungen. Welche Strategie verfolgt Asseco in Bezug auf die ERP-Lösung AP Plus?

Dilger: Asseco unterstützt die AP bei ihren Wachstumsplänen in Deutschland und im nahen Ausland. Für unsere Kunden bedeutet das Engagement des europaweit achtgrößten Softwarekonzerns mit über 8.500 Mitarbeitern eine hohe Investitionssicherheit. Gleichzeitig bleibt die AP vollkommen eigenständig und behält die volle Kontrolle über die Weiterentwicklung von AP Plus. Zudem können wir das hervorragende Netzwerk von Asseco nutzen, um unsere Kunden beispielsweise beim Aufbau von Kapazitäten in Osteuropa zu begleiten und zu unterstützen.

SCOPE: Der Anspruch der AP war früher, alles selbst zu entwickeln. Sie sind nun seit rund zwei Jahren Vorstand und bereits im letzten Jahr eine Kooperation mit der Unternehmensberatung Ifao eingegangen sowie vor kurzem mit dem APS-Spezialisten Ortems. Hat sich unter Ihnen die AP-Strategie geändert?

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Dilger: Die Marktentwicklung spielt uns hier in die Hände. Inzwischen ist eine zunehmende Anzahl an Lösungen verfügbar, die wie AP Plus auf modernen Technologien basieren und die unsere Funktionalität in Teilbereichen komplettieren. Daher konzentrieren wir uns auf unsere Kernkompetenz bei den betriebswirtschaftlichen Standardprozessen und arbeiten in ausgewählten Bereichen mit leistungsfähigen Partnern wie IMS, Ortems, CSS oder Microsoft zusammen. Diese Partner sind selbst marktführend mit ihren Software-Angeboten und die funktionale Integration der Lösungen verschafft gemeinsamen Anwendern einen echten Mehrwert.

SCOPE: Ortems ist bisher mit seinem Angebot nicht auf dem deutschen Markt präsent gewesen. Hat AP nun den Vertrieb in Deutschland übernommen?

Dilger: Wir sind der einzige ERP-Partner für Ortems APS in Deutschland. Ortems gehört mit weltweit über 6.000 Installationen in mittelständischen Unternehmen, aber auch Konzernen wie Sony und Nestle, zu den führenden Anbietern. Das APS-Modul stößt sowohl bei unseren Bestandskunden als auch auf Messen sowie im Rahmen von aktuellen Projektausschreibungen auf enormes Interesse.

SCOPE: AP Plus basiert auf der Microsoft Dotnet-Technologie und wurde von Microsoft auch ausgezeichnet. Wie gestaltet sich die Kopplung mit Ortems?

Dilger: Für Ortems ist die Integration in ERP-Systeme ein Standard-Thema. Dazu hat unser Partner eigens ein flexibles Integrationstool, den ¿Visual Interface Configurator (VIC)¿ entwickelt, der sowohl Zugriffe auf beliebige Datenbanken als auch auf XML beherrscht. Auf Grund der Web-Architektur von AP Plus verwenden wir XML für die Rückgabe der optimierten Auftragstermine an das ERP-System. Die reinen Lesezugriffe werden dagegen aus Performance-Gründen durch Datenbankzugriffe abgewickelt.

SCOPE: Was kann Advanced Planning and Scheduling ¿ also APS ¿ was eine klassche ERP-II-Lösung nicht kann?

Dilger: ERP-Systeme betrachten bei der Terminierung in der Regel den zu terminierenden Auftrag und prüfen entweder die Machbarkeit ohne Berücksichtigung weiterer Aufträge (unbegrenzte Kapazität) oder fügen die Arbeitsgänge in bestehende Kapazitätslücken ein. Ortems APS dagegen optimiert grundsätzlich den gesamten Bestand der Fertigungsaufträge unter der Berücksichtigung optimaler Termintreue und den Engpassressourcen Personal, Maschine, Material und Betriebsmittel.

SCOPE: Ist eine ERP-Lösung ohne APS für ein Fertigungsunternehmen dann überhaupt sinnvoll?

Dilger: Die Investition in eine APS-Lösung muss sich rechnen, und dies setzt eine mittlere bis hohe Komplexität im Bereich der Fertigung voraus. Diese Komplexität kann einerseits bei sehr vielen Aufträgen auch mit einer geringen Fertigungstiefe gegeben sein, aber auch im Falle einer sehr hohen Fertigungstiefe, wenn es gilt, mehrere Projekte (z. B. im Anlagenbau) gleichzeitig kosten- und terminoptimiert abzuwickeln.

SCOPE: Würde sich ¿ um den Vorteil der Datendurchgängigkeit von der ERP-Ebene bis zur Maschinenebene auf der einen Seite und bis zum Kunden auf der anderen Seite zu realisieren - nicht auch die Kooperation mit einem Supply-Chain-Management-Anbieter anbieten?

Dilger: Das Thema SCM ist für die AP ja nicht neu, und wird beispielsweise im Bereich der Automobil-Zulieferketten bereits sehr intensiv abgedeckt. Auch Ortems APS bezieht externe Lieferanten in die Planung und Optimierung der Aufträge mit ein. Wir beobachten und überprüfen zudem ständig das Potenzial von Trendthemen und Dauerbrennern, um diese gegebenenfalls in sinnvolle funktionale Ergänzungen für unsere Anwender zu überführen. hs

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