Effizient produzieren mit Losgröße 1

Mymuesli kennzeichnet mit Herma

Wie sich Produkte kundenindividuell im großen Stil sehr effizient mit Losgröße 1 produzieren lassen, zeigt das junge Unternehmen Mymuesli. Eine Etikettieranlage von Herma sorgt dafür, dass kundenindividuelle Mischungen auch eine individuelle optisch ansprechende Kennzeichnung erhalten.

Ein Rollenprisma in der Etikettieranlage fixiert die sensible Verpackung sanft und hebt sie leicht an. Bei künftigen 360-Grad-Etiketten kommt noch der spezielle Niederhalter zum Einsatz (oberhalb der Packung zu erkennen).

Mymuesli bietet 566 Billiarden mögliche Bio-Müsli Kombinationen zum Selbermixen – damit hat das Unternehmen wahrscheinlich nicht nur einen ganz speziellen Weltrekord aufgestellt. Sondern jedem Freund von Frühstückscerealien die Möglichkeit eröffnet, seinen wirklich ganz eigenen persönlichen Favoriten zu kreieren – und ihn bei Gefallen immer wieder in exakt gleicher Zusammensetzung zu reproduzieren. Zwar bietet das 2007 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Passau inzwischen insgesamt rund 45 fertig gemixte Müsli-Sorten an, doch man ist stolz darauf, Kunden bei der Produktzusammenstellung alle Freiheiten eröffnen zu können. Und viele Müsli-Fans nutzen die Möglichkeit intensiv. Unter anderem dafür wurde mymuesli 2013 mit dem Deutschen Gründerpreis und 2016 mit dem Deutschen Marketing Preis ausgezeichnet.

Mass Customization mit Losgröße 1

Um diese Form der Mass Customization mit Losgröße 1 effizient zu lösen, setzt das Unternehmen nicht nur auf eine ausgeklügelte Software, sondern auch auf eine automatische Abfüllanlage, die weltweit einzigartig ist. Eine neue Etikettieranlage von Herma trägt dazu bei, dass die sensiblen Verpackungen kundenindividuell und optisch ansprechend gekennzeichnet werden können. Mit Hilfe des dabei gleichzeitig aufgebrachten Data-Matrix-Codes „weiß“ die Abfüllanlage überhaupt erst, welche der insgesamt über 80 Müsli-Bestandteile in welche Dose zu füllen sind. Dass die ebenfalls in Losgröße 1 individuell gestalteten Etiketten äußerst zuverlässig, präzise und sauber auf die Dosen aufgebracht werden, ist damit nicht nur eine Frage der Optik, sondern die Voraussetzung für das Funktionieren des komplexen Abfüll- und Individualisierungsprozesses.

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Maßgeschneiderte Rundum-Etikettieranlage

Die Basis bildet eine Herma Rundum-Etikettieranlage vom Typ 152E, die für diese Zwecke allerdings ebenfalls maßgeschneidert funktional erweitert wurde. Die Dosen werden dabei von einer Pufferstrecke, die als Magazin für leere, aber bereits mit dem Schriftzug mymuesli bedruckte Behälter dient, im 90° Winkel auf das Transportband der Etikettieranlage vereinzelt übergeben. Den eigentlichen Etikettiervorgang löst dann eine Lichtschranke aus. Ein spezielles Rollenprisma, das aus einer angetriebenen Walze sowie zwei kugelgelagerten, beweglichen und gummierten durchgehenden Walzen auf einer pneumatischen Lineareinheit besteht, umschließt das Produkt sanft. „Das zu realisieren, war eine echte Herausforderung“, so Johannes Kriegl, Techniker in der Produktion bei Mymuesli. „Denn die Dosen aus dem Karton-Alu-Verbund müssen das Etikett mit dem Data-Matrix-Code ja erhalten, bevor sie in die Abfüllanlage hineinfahren. Deshalb sind sie leicht, unbefüllt und besonders anfällig für Druckstellen. Diese wiederum hätten Auswirkungen auf den sicheren Sitz der Etiketten.“ Aus diesem Grund werden die Packungen quasi mit Samthandschuhen angefasst. Das Rollenprisma hebt die Müsli-Packung beim Festhalten außerdem ganz leicht an. Dadurch kann das Transportband unter der Packung weiterlaufen, während diese vibrationsfrei fixiert ist. Die Packung wird dann mittels der Antriebs- und Anwalzrolle in Rotation versetzt, und das Etikett wird beigespendet. Ein spezieller Farbsensor sorgt dafür, dass die Etiketten dabei exakt ausgerichtet werden, also in einem definierten Abstand zum Schriftzug Mymuesli aufgebracht werden, um ein einheitliches Erscheinungsbild der fertig konfektionierten Dosen zu erzielen. Nach dem Etikettiervorgang gibt das Prisma die Dosen wieder frei und leitet sie an die nachfolgende Abfüllanlage mittels Übertragbändern am Bandauslauf weiter. Auf diese Weise kann die Herma Anlage pro Stunde bis zu 3.000 Dosen etikettieren. Zu Spitzenzeiten produziert man sogar im Drei-Schicht-Betrieb.

Farb-Leit-System und Grußbotschaft

Bevor der Herma Etikettierer Ende 2016 seinen Betrieb aufnahm, wurden die individuell zusammengestellten Müslis mit einem sehr schlichten, inline gedruckten Thermoetikett in schwarz/weiß gekennzeichnet. „Ausgerechnet die Kunden, die mit besonders viel Liebe ihr eigenes Produkt kreierten, wurden also optisch gewissermaßen benachteiligt. Das wollten wir gerne verbessern“, sagt Andreas Freund von Mymuesli, der als IT-Spezialist dieses Projekt geleitet hat. Außerdem verlangt auch die jüngste Form der Lebensmittelverordnung, für solche selbst zusammengestellten Lebensmittel alle Nährwertangaben aufzulisten. Statt eines unscheinbaren Etiketts kommen jetzt aufwändig gestaltete, bunte Etiketten zum Einsatz. Darauf kommunizieren zum Beispiel farbenfrohe Icons schnell die wichtigsten Müsli-Bestandteile. Die besondere Geschmacksblume von Mymuesli gibt mit ihrem Farb-Leit-System nun auch bei selbst zusammengestellten Mischungen Auskunft darüber, wie süß, sauer, knusprig, breiig und fruchtig das jeweilige Müsli ist. „Außerdem können Kunden jetzt dort Grußbotschaften integrieren – haben also gegenüber den Fertigmischungen einen weiteren echten Benefit“, so Freund. Die notwendigen Etiketten auf Rollen realisiert das Unternehmen selbst im eigenen Haus mit einem Inkjet-Druckverfahren.

„Die Suche nach einer neuen Lösung, die alle unsere Anforderungen erfüllt und insbesondere für die Lebensmittelproduktion geeignet ist, hat etwas Zeit beansprucht“, berichtet Freund. „Neben anderen externen Partnern zum Beispiel für die Umsetzung der Etikettendrucktechnik haben wir uns dann für Herma entschieden, da dieses Unternehmen bekannt für seine Qualität und Zuverlässigkeit ist.“ Die Anbindung des Etikettierers an die vor- und nachgelagerten Maschinen erforderte eine enge Abstimmung zwischen den verschiedenen Maschinenbauern. „Aber durch deren professionelle Planung und die Zusammenarbeit bei der Implementierung vor Ort konnte dies schnell und unkompliziert gelöst werden“, erinnert sich Andreas Freund. „Wichtig für uns war dabei, dass unsere Produktion nicht beeinträchtigt wurde und die beteiligten Unternehmen haben flexibel auch am Wochenende gemeinsam mit unserem Team an der Realisierung gearbeitet.“

Bereit für das 360-Grad-Etikett

Die Herma Anlage könnte sogar noch mehr: Sie ist für ein 360 Grad-Rundum-Etikett ausgelegt. Die komplette Gestaltung der Müslipackung könnte damit über ein individuelles Etikett erfolgen. „Damit die Optik stimmt, darf bei dieser Größe dann absolut kein sichtbarer Versatz entstehen“, sagt Techniker Johannes Kriegl. Um das sicher zu gewährleisten, ist die Herma Anlage mit einem speziellen Niederhalter ausgerüstet, der im Moment noch nicht zum Einsatz kommt. Er sorgt dafür, dass eine Dose innerhalb des Rollenprismas besonders gerade stabilisiert wird. „Das war für Herma eine knifflige Aufgabe. Aber bei den Testläufen haben wir damit die Präzision und Geschwindigkeit erzielt, die uns wichtig ist“, sagt Kriegl. Projektleiter Andreas Freund freut sich bereits auf Weiteres: „Wir sind froh, mit Herma einen kompetenten und zuverlässigen Partner gefunden zu haben, der uns nicht nur in der Realisierung, sondern auch im Live-Betrieb unterstützt. Gemeinsam wollen wir weitere Projekte wie das 360-Grad-Etikett angehen.“ Auch bei Herma selbst freut man sich über die Teamleistung. „Das Projekt hat unserer Mannschaft viel Spaß gemacht, nicht zuletzt weil alle Seiten sehr engagiert und konstruktiv daran mitgearbeitet haben“, sagt Martin Kühl, der bei Herma den Geschäftsbereich Etikettiermaschinen leitet. „Gerade bei einem so jungen und agilen Unternehmen wie Mymuesli wirkt der Teamspirit immer ungemein ansteckend und beflügelnd.“

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