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Deutsche Laserindustrie: Geschäftsentwicklung 2011 und Ausblick

Deutsche Hersteller von Laseranlagen partizipieren voll am expandierenden Weltmarkt für Lasersysteme, Strahlquellen-Export bricht alle Rekorde, Marktverschiebungen im Export zugunsten Asiens und Osteuropas. So lautet das Statement von Gerhard Hein, Geschäftsführer VDMA Arbeitsgemeinschaft Laser für die Materialbearbeitung im Rahmen der Lasys-Eröffnungskonferenz in Stuttgart.

Zeichnet ein positives Bild für die Laserindustrie: Gerhard Hein, Geschäftsführer VDMA Arbeitsgemeinschaft Laser für die Materialbearbeitung.

Von den in der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Laser und Lasersysteme zusammengeschlossenen deutschen Herstellern bzw. Führungsgesellschaften am Standort Deutschland sind in 2011 mit CO2-Strahlquellen und Festkörperlasern ausgerüstete Produktionsanlagen im Wert von rund 700 Mio. Euro gefertigt worden, was einem Zuwachs gegenüber dem Referenzjahr von fast einem Viertel entspricht. Damit hat man in vollem Ausmaß von der Ausweitung des Weltmarkts für Lasersysteme zur Materialbearbeitung um ebenfalls mehr als 20 Prozent profitiert.

Die weltweite Konsolidierung, d. h. das Produktionsergebnis nach Berücksichtigung des durch international operierende Firmengruppen erzielten Added Value, sowie der gesamte Lasersystem-bezogene Umsatz, einschließlich Zubehör, Ersatzteillieferungen, Dienstleistungen und Außenumsatz durch Tochtergesellschaften im Ausland, notiert mit 773 Mio. Euro bzw. 1,04 Mrd. Euro und ähnlichen Steigerungen wie oben erwähnt.

Das im Referenzjahr gegenüber der Ausbringung (+56 Prozent) bereits überproportional um mehr als 90% ausgeweitete Auftragseingangsvolumen legt 2011 nochmals um 14 Prozent auf 840 Mio. Euro zu und belegt eindrucksvoll die international stabile Verfassung der Investitionsneigung - trotz anhaltender Finanzprobleme in der Eurozone.

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Die 2010 in der Dynamik hinter den Auslandsorders zurückgebliebene Inlandsnachfrage erhöht sich 2011 um wertmäßig 31 Prozent, hinsichtlich der im Niveau um Faktor 2,5 über den Inlandsorders rangierenden Bestellungen aus dem Ausland dürfen gut 10% Zuwachs verbucht werden.

Sowohl das Produktions-, als auch das Auftragseingangsergebnis 2011 kommen somit bis auf reichlich 100 Mio. Abstand wieder an die Rekorde des Jahres 2007 heran, die damals durch branchenunübliches Projektgeschäft großen Stils temporär nach oben verschoben worden sind.

Die Ausfuhr von Laseranlagen notiert 2011 mit 21 Prozent Plus, ihr Anteil am Produktionswert geht von 74 Prozent im Referenzjahr auf 72 Prozent leicht zurück. Gegenüber der Exportstruktur 2010 haben sich erneut leichtere Verschiebungen zugunsten der USA, Chinas und Osteuropas, und dies zu Lasten westeuropäischer Märkte und des Sonstigen Asiens (ohne Japan und China, sprich: im Falle Indiens, Koreas, Taiwans und der Elektronikstandorte Südostasiens) ergeben.

Die Entwicklung für den Strahlquellen-Bereich (ohne Führungsmaschinen, erneut bezogen auf CO2- und Festkörperlaser) weist 2011 eine ganz erheblich größere Wachstumsdifferenz im Vergleich von Produktionswert und Auftragseingangsvolumen auf. Fast 60 Prozent Produktionsplus auf 489 Mio. Euro steht ein um 16 Prozent höherer Auftragseingang (Referenzjahr: +84 Prozent) von 491 Mio. Euro gegenüber.

Die weltweite Konsolidierung des Produktionswerts, nach Einbeziehung von innerhalb bereits angesprochener Unternehmensgruppen erzielten Mehrwerten, sorgt mit Wachstum um mehr als ein Drittel für ein außerordentlich hohes Volumen von 679 Mio. Euro.

Hinzu treten die von Verbandsmitgliedern generierten Produktionswerte für Diodenlaser und Eximerlaser in Höhe von gemeinsam etwa 198 Mio. Euro. Diese Strahlquellen eröffnen bekanntlich neue Märkte in der Kunststoffbearbeitung und in Bezug auf komplementäre Anwendungen der klassischen Materialbearbeitung bzw. werden für die Fertigung von Mikrostrukturen in der Halbleiterindustrie sowie für Anwendungen in der Labor- und Medizintechnik eingesetzt.

Sehr unterschiedlich im Vergleich mit dem zuvor erläuterten Bild für Laseranlagen stellt sich die Verteilung des Auftragseingangs nach Inlands- und Auslandsgeschäft dar: Beide Aggregate (225 Mio. bzw. 266 Mio. Euro) präsentieren sich hier wertmäßig mit deutlich ähnlicherem Gewicht. Die Inlandsnachfrage zeigt mit lediglich 8 Prozent Plus gegenüber 23 Prozent Plus, gültig für die Bestellungen aus dem Ausland, klar weniger ausgeprägte Dynamik.

Der Export von CO2- und Festkörperlasern stellt alle Bestmarken ein, die bisherigen Spitzenergebnisse aus 2007 und insbesondere 2010 werden mit 226 Mio. Euro Volumen (+21 Prozent) übertroffen!

Die Ausfuhrquote, gemessen am Produktionswert in Deutschland, bewegt sich bei über 46 Prozent.

Nachfrageverschiebungen zugunsten Chinas und Osteuropas treten hier noch plakativer hervor. Westeuropa verliert von einem Drittel Anteil im Referenzjahr auf aktuell 28 Prozent, das Sonstige Asien (siehe Erläuterung im Kontext der Aussagen zur Entwicklung bei Laseranlagen) hält konstant 18 Prozent Anteil, die USA verteidigen 16 Prozent Teilhabe am Gesamt-Exportaufkommen.

Die Ergebnisse für Systemlösungen und Strahlquellen lassen sich nicht schlicht aufsummieren. Etwa die Hälfte der gefertigten Laser wird an deutschen Standorten in eigenen Anlagen verbaut.

Ist eingangs bereits im Zusammenhang mit der auf Laseranlagen gerichteten Nachfrage von der bis Jahresende 2011 stabilen Auftragseingangsentwicklung die Rede gewesen, so darf diese positive Einschätzung im gesamten Bereich der Blechbearbeitung aktuell auch für das 1. Quartal 2012 fortgeschrieben werden.

Kaufmännische Vorsicht erfordert es, sich auch in der Laserindustrie für 2012 insgesamt auf Querbewegung bis leicht positive Umsatzentwicklung einzustellen. Die mittelfristig weiter ansteigende Aufnahmefähigkeit wichtiger Märkte, wie China, Korea, Taiwan, Asean, Indien, Brasilien, die Türkei oder Südafrika, darf als gegeben betrachtet werden. Wenn auch unter der Prämisse, dass der Wachstumspfad wegen anhaltender monetärer und fiskalpolitischer Probleme in der Eurozone, mit Ausstrahlung auf die weltwirtschaftliche Entwicklung, als flacher angelegt unterstellt werden muss.

Orientierungsmarke bleibt das unstrittig vorhandene Nachfragepotenzial als Konsequenz realistischer weltwirtschaftlicher Expansionschancen. Die fortgesetzt hohe Partizipation an diesem Wachstum wird auch künftig durch anhaltend großes Innovationspotenzial der deutschen Laserindustrie, durch fokussierte Forschungsförderung sowie eine flächendeckende und besonders leistungsfähige wissenschaftliche Infrastruktur begünstigt bleiben!

Gleichzeitig aber drängt die globale Ausrichtung der laserindustriellen Geschäftsmodelle! So wird die Doppelfunktion Chinas einerseits als Wachstumstreiber durch eigene, mit weit überproportionalem Tempo verlaufende Industrialisierung, andererseits als "Produktionsstandort der Welt", in Form von verschärftem Preisdruck auf alle Produktionsausrüster durchschlagen. Die drastischen Verschiebungen in den Nachfragestrukturen zugunsten der Regionen Asiens stellen den Mittelstand vor ernste Herausforderungen! Dies mit Blick auf notwendige Umstrukturierung von Vertrieb und Service, bis hin zur Nutzung lokaler Beschaffungsmärkte und verstärkter Wertschöpfung vor Ort. Derartige strategische Aufgaben stellen sich parallel zu klassischen operativen Funktionen, wozu auch das Erfordernis zählt, die Komponentenversorgung sicherzustellen, d. h. Engpässe bei eigenen, oft besonders qualifizierten Zulieferern und damit die Durchlaufzeiten im eigenen Unternehmen im Griff zu behalten. kf

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