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ZerspanenHier fallen die Späne

Wendeschneidplatten sind äußerst vielseitig einsetzbar und daher gibt es sie in verschiedenen Formen, Größen und Materialien. Und es gibt sie vom Freiwinkel abhängig als positive oder negative Schneidplatten. Gerade an dieser Diskussion sch(n)eiden sich die Geister. Einer, der die Schwächen und Grenzen der negativen Zerspanung kennt, ist Gustav Werthwein: 1989 gründet er das Unternehmen Avantec Zerspantechnik und etabliert die positive Zerspanung.

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Märkte + Unternehmen: Hier fallen die Späne

Wendeschneidplatten sind äußerst vielseitig einsetzbar und daher gibt es sie in verschiedenen Formen, Größen und Materialien. Und es gibt sie vom Freiwinkel abhängig als positive oder negative Schneidplatten. Gerade an dieser Diskussion sch(n)eiden sich die Geister. Einer, der die Schwächen und Grenzen der negativen Zerspanung kennt, ist Gustav Werthwein: 1989 gründet er das Unternehmen Avantec Zerspantechnik und etabliert die positive Zerspanung.

Das Jahr 1989 war ein Jahr der Umwälzungen. Weltweit: George W. H. Bush löst Ronald Reagan ab. Das traurige Bild eines einzelnen Chinesen, der unbewaffnet siebzehn Panzern die Stirn zu bieten versucht, geht um die Welt. Die Jubelstürme bei der Rede Genschers und beim Mauerfall rufen auch heute noch Gänsehaut hervor. Doch vergessen wir nicht die Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Wussten Sie, dass in diesem Jahr in Japan erstmals der Game Boy erscheint? Dass in Ägypten eine 4.400 Jahre alte Mumie in der Cheops-Pyramide gefunden wird und dass es in Deutschland den ersten langen Donnerstag gibt? Auch im Bereich der Entwicklung von Werkzeugmaschinen gibt es Innovationen zu bestaunen: Die positive Zerspanung hält langsam Einzug in die Welt des Maschinenbaus. Von positiver Zerspanung spricht man, wenn der wirksame Spanwinkel größer 0° ist. Dies kann durch positive Einbettung der Wendeschneidplatte im Werkzeug, oder durch positiven Schneidwinkel an der Wendeplatte, oder durch beides erreicht werden. Die aufzuwendende Schnittkraft und der Leistungsbedarf sind bei einer positiven Geometrie wesentlich geringer. Und ein erster, der sich in diesem Bereich im Jahr 1989 gut auskennt und darin eine bahnbrechende Innovation sieht, ist der damals 50-jährige Gustav Werthwein.

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Die Marktlücke gefunden...

Der gelernte Werkzeugmacher und Mechaniker Werthwein verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Metallbearbeitung: 1967 macht er seinen Meister in der Abteilung Werkzeug und Vorrichtungsbau, 1972 wird der staatlich geprüfte Maschinenbautechniker Betriebsleiter der Fertigung und macht sich nebenbei schon selbständig. Diese Selbständigkeit führt zu einer Partnerschaft mit der GWT Metallbearbeitung, mit der er 1978 zusammen die Firma Spantec gründet, deren technischer Geschäftsführer er wird. Als er 1989 den Grundstein von Avantec Zerspantechnik legt, blickt er auf über 30 Jahre Berufserfahrung mit dem Schwerpunkt Zerspanung zurück – vornehmlich negativer Zerspanung, die bis dato fast ausschließlich üblich ist. Die Zukunft in der positiven Zerspanung zu sehen, gibt den Ausschlag für die Gründung des Unternehmens. Werthweins konstruktionstechnisches Wissen und Können lässt ihn den unausbleiblichen Bedarf und somit eine Marktlücke in der positiven Zerspanung sehen, für die es zu dieser Zeit so gut wie keine Anbieter gibt. Die Entwicklung und Konstruktion von Scheiben-, Plan-, Eck- und Walzenstirnfräsern steht für ihn im Vordergrund. Alle sind in der Wendeschneidplattenform und ihrer Gestalt neuartig und verfolgen konsequent die Maßgabe der positiven Zerspanung – das Fundament des Erfolgs des Illinger Unternehmens.

Zwanzig Jahre kontinuierlichen Wachstums geben Werthwein Recht. Das Unternehmen, das 1989 noch acht Mitarbeiter beschäftigte, umfasst heute hundert. 2001 kommt eine Niederlassung in Italien, 2007 eine in den USA und 2008 eine in Österreich hinzu. Italien und die USA gehören zu den fünf stärksten exportierenden Ländern der Welt in Sachen Maschinenanlagen und Österreich gilt als optimaler Standort für den östlichen Markt nach der Osterweiterung Europas. Die Illinger etablieren sich im Bereich des Fräsens mit Wendeschneidplatten. Sie erweisen sich als vielseitig und kundenorientiert und spezialisieren sich zunehmend in ihrem Kerngeschäft. Und werden schließlich durch die Eigenstellungsmerkmale ihrer Produkte zu einer Institution.

Avantop macht den Anfang. Es ist das erste achtschneidige hochpositive Werkzeug mit einer Schnittkraft fz von einem Millimeter in Stahl. Walzenstirnfräser folgen, durch deren positiv-negative Verwendelung die Zug- und Druckkräfte minimiert werden. Dadurch kann auch bei großen Auskragungen vibrationsfrei gearbeitet werden. Und Scheibenfräser mit in drei Seiten eingebetteten Wendeschneidplatten. Der Eckfräser EV 90 besticht seinerzeit bei der Markteinführung durch die vierschneidige tangentiale Wendeschneidplatte. Das Verdrehen im Plattensitz verhindert der Kopierfräser RO 18 mit seinem rückseitigen Facettenschliff. Der Schaftfräser TS 90 der Illinger besitzt ein auswechselbares Schaftwerkzeug mit einzigartiger Sternmitnahme. Speziell beim Nutenfräsen zeigt sich seine optimale Kraftmitnahme. Jüngeren Datums ist das Hochvolumen-Zerspanwerkzeug UP 90: Mit einer Schnittkraft fz mit über vier Millimeter in Stahl findet es überwiegend im Werkzeug- und Formenbau Einsatz.

...und einzigartige Produkte erfunden

Ebenfalls eines der jüngeren Produkte ist der Signavant SN 75, ein spezieller Gussfräser mit extrem weichem Schnitt durch seine Positiv-Geometrie. Für eine größtmögliche Rentabilität sorgt die achtschneidige SNHX-Wendeschneidplatte. Sein großes Zerspanvolumen wird durch die große Schnitttiefe erreicht. Die Vielzahn-Bauweise garantiert einen hohen Vorschub und damit hohe Produktivität.

Woraus Fachleute auf Anhieb erkennen: Die Produkte der Württemberger entstehen aus den Anforderungen des Einsatzfalles. Durch die ausschließliche Konzentration auf das Thema Fräsen kann das Unternehmen Prozesse oder Anwendungen schneller aufnehmen, gewissenhafter analysieren und aufgrund des Fundus schneller reagieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei bietet das Unternehmen nicht nur ein Produkt, sondern ein Komplettangebot vom Auswählen und Erkennen des idealen Betriebsmittels bis zur fertigen Lösung und hin zum Aftersales Service. Immer bleiben die messbare Produktivität und Wirtschaftlichkeit im Blick. Und jahrelang währende Partnerschaften geben diesem Leitsatz Recht. Denn nur wo gegenseitiges Vertrauen herrscht, da fallen Späne. Evelin Eitelmann

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