Kunststoffprofile

Extrudieren für Europa

Der Kunststoff-Verarbeiter SLS feiert in diesem April sein 25-jähriges Bestehen. Von drei Technikern mit Industrieerfahrung aus der Taufe gehoben, hat sich der Extrudierer seit 1985 zu einem der führenden Profilsysteme-Hersteller in Europa entwickelt. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker sucht nach den Gründen für den Erfolg des Unternehmens.

Ein Bild aus frühen Tagen: Die ersten Extrusionslinien installierte SLS Mitte der 1980er-Jahre im Keller der ehemaligen Schubfabrik Weibel

Sie steht noch heute, die alte Schuhfabrik Weibel, in dessen Kellerräumen 1985 drei junge Männer die Sektkorken knallen ließen. Hans Schmidt, Thomas Leibrock und Manfred Streck hatten den Mut gefunden, ihr eigenes Unternehmen SLS zu gründen und konnten hier nun ihre erste richtige Extrusionslinie zur Produktion von Kunststoffprofilen installieren. Im industriell eher strukturschwachen Dahner Felsenland – dort also, wo andere wandern oder klettern – setzten der Fertigungsleiter, der Fahrzeugmechaniker und der Maschinenbauer ihren Wunsch nach Selbstständigkeit in die Tat um. „Unsere Antriebskräfte waren damals vor allem der Ärger über die mangelhaften Zustände um uns herum, und das Bewusstsein, es besser zu können. Über unsere technischen Fachkenntnisse hinaus hatten wir uns im Laufe unserer ersten Berufsjahre zudem einen Blick für Organisation, Prozessoptimierung und Vertriebsmanagement angeeignet. Wir sahen uns also gut gerüstet“, erinnert sich Manfred Streck.

So nimmt also in Dahn die SLS Kunststoffverarbeitungs GmbH ihren Betrieb auf – während Bundeskanzler Helmut Kohl von Bonn aus die Republik regiert und sich die deutsche Industrie im Aufwind befindet. Geschäftsfelder sind die Produktion und der Vertrieb von Profilen und Formteilen aus Thermoplasten sowie die Herstellung von Werkzeugen, Vorrichtungen und Maschinen für die Extrusion. Mit dieser Ausrichtung, das werden die kommenden Jahre zeigen, hat sich das Drei-Familien-Unternehmen bestens positioniert. Dabei nutzen die frisch gebackenen Firmengründer ihr praktisches Know-how aus Maschinenbau und Verfahrenstechnik auch zur Entwicklung eigener Extruder. Im Werkzeugbau erlangen sie rasch einen beachtlichen Qualitätsstandard. Auf diese Weise erarbeitet sich SLS als Zulieferer von Voll- und Hohlprofilen aus Polypropylen, Polystyrol, Polyethylen sowie PVC, SB oder auch ABS einen wachsenden Kundenkreis.

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Nur zwei Jahre später mietet das Unternehmen weitere 600 Quadratmeter Produktionsfläche im Erdgeschoss der Schuhfabrik an, um seine Extrusionslinien besser auszurichten. Inzwischen hat SLS fünf Mitarbeiter, einen Lehrling – und immer mehr Kunden. Binnen kurzem ist absehbar, dass sowohl die Produktionsräume als auch der Verladeplatz nicht mehr ausreichen werden. Schmidt, Leibrock und Streck suchen daher nach einem neuen Standort. Weil sie aber dabei immer wieder auf den Widerstand von Bürgerinitiativen und Regionalpolitiker treffen, entschließen sie sich 1989 zum Kauf der Weibelschen Schubfabrik. Anfang der 1990er-Jahre widersteht SLS einem Übernahmeversuch durch seinen größten Kunden. Die Firma bewahrt ihre Eigenständigkeit – und expandiert weiter: 1991 produzieren 18 Mitarbeiter auf nun acht Extrusionsanlagen rund um die Uhr Profile für den Fenster- und Fassadenbau. Zudem gewinnt die Sonderprofil-Fertigung an Gewicht. Namhafte Fensterbauer lassen in Dahn anspruchsvolle Kleinserien fertigen. „Mit jedem neuen Auftrag haben wir unser Knowhow erweitert. Dabei gehörte es immer zu unseren Prinzipien, bestehende Konstruktionen infrage zu stellen und weiter zu entwickeln“, sagt Manfred Streck.

Antizyklisches Handeln

Das auch in den Folgejahren ungebrochene Wachstum des Unternehmens führt zu dem Entschluss, ein komplett neues Extrusionswerk im Industriegebiet Dahn-Reichenbach zu errichten. Der Zeitpunkt der Einweihung – Juni 1993 – ist auch insofern denkwürdig, da sich die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr in der Rezession befindet. Während also viele Betriebe in Schieflage geraten, kann SLS seine inzwischen 14 Extrusionslinien optimal ausrichten und sich am neuen Standort entfalten! Mit 36 Mitarbeitern und 50 Prozent Exportanteil gehört der Extrudierer in dieser Zeit zu den Hoffnungsträgern der Region Dahn, die nach dem Zusammenbruch der Schuhindustrie (1980 ff) durch den Abzug der US-Truppen (1990 ff) abermals einen weiteren großen Arbeitgeber verloren hatte.

Nach der Ausbildung kommt Marco Streck 1994 als erster Vertreter der zweiten Führungsgeneration in die Firma. 1996 folgt ihm der Sohn von Hans Schmidt, Jürgen Schmidt. (Thomas Leibrocks Sohn ist damals erst wenige Monate alt.) Seitdem ist SLS also nicht nur ein Drei-Familien-, sondern auch ein Zwei-Generationen-Unternehmen. Durch den Einfluss der Söhne erfährt SLS in Sachen Informationstechnik und Marketing einen Modernisierungsschub. Aber auch das Tagesgeschäft verlangt dem Führungsteam weiterhin einiges ab, denn sowohl der Kreis der Kunden als auch das Spektrum der produzierten Profilgeometrien nimmt stetig weiter zu.

All das macht 1998 den Bau einer neuen Werkzeughalle erforderlich. Dazu erwirbt das Unternehmen weitere 2.000 Quadratmeter Gelände. Vorsorglich erweitert man das Grundstück im Jahr darauf um abermals 8.500 Quadratmeter. Die gute wirtschaftliche Entwicklung erlaubt es dann, zwei Jahre später eine neue Lagerhalle mit zu errichten. Wieder ist das eine antizyklische Maßnahme, denn das wirtschaftliche Umfeld ist zu diesem Zeitpunkt alles andere als rosig: Nach der Sonderkonjunktur der Wiedervereinigungsjahre und dem Ende des IT-Booms quält sich die deutsche Wirtschaft bis 2004 durch eine Schwächephase.

Kompetent und innovativ

Bis 2005 bringt es SLS auf einen Jahresdurchschnitt von 100 neuen Werkzeugen und – bis zu diesem Zeitpunkt – rund 1.000 realisierte Profilvarianten. Signale für die Innovationskraft des Unternehmens. „Es ist uns stets gelungen, über die Entwicklung neuer Lösungen das technologische Niveau Schritt für Schritt anzuheben“, sagt Manfred Streck. Und die aktuelle Lage? Aus dem Kellerbetrieb ist längst ein moderner Zulieferer mit 90 Mitarbeitern geworden. Er ist nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert und hat eine CSTB-Zulassung für den französischen Markt. Auf 25 Extrusionslinien verwandelt er jährlich über 6.000 Tonnen Kunststoff-Granulat in starre und elastische Voll- oder Hohlprofile. Dazu zählt die Fertigung von Hartweichverbunden mittels der Co-Extrusion zu den Kompetenzen von SLS. Bei hohen Festigkeits-Anforderungen realisiert man auch Profilsysteme mit Glasfaser-, Aluminium- oder Stahlinlays.

Um zukünftig Profile mit noch größeren Abmessungen und komplexeren Geometrien fertigen zu können, stand bereits für 2009 der Bau einer neuen Fertigungshalle auf dem Plan. Das Vorhaben wurde aber mit Blick auf die Konjunktureintrübung verschoben. So steht 2010 nicht nur im Zeichen des 25-jährigen Firmenjubiläums, sondern ist auch geprägt von strategischen Überlegungen: „Die Geschäfte ziehen derzeit wieder an. Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung von SLS sind wir optimistisch. Wir gelten als Qualitätslieferant und haben große Kompetenzen in den Bereichen Konstruktion, Verfahrenstechnik und Werkstoffkunde zu bieten. Beides aber – Qualitätsniveau und Know-How – müssen wir verstärkt gegen Kopierer und Konkurrenten schützen, um im Wettbewerb weiterhin vorne mitzuspielen“, sagt Manfred Streck.

Michael Stöcker

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