Change Readiness Index 2017

Wandlungsfähigkeit im Wandel

Der Maschinen- und Anlagenbau kennt den Druck, sich verändern zu müssen. Doch für eine erfolgreiche Zukunft bestimmen neue Erfolgskriterien die Wandlungsfähigkeit. Der „Change Readiness Index 2017“ zeigt, wo die Branche aktuell steht.

Für eine erfolgreiche Zukunft bestimmen neue Erfolgskriterien die Wandlungsfähigkeit im Maschinen- und Anlagenbau.

Wandel ist tief verankert in der DNA der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Über Jahrzehnte haben sich viele Firmen schrittweise immer weiterentwickelt – sei es in der technischen Produktentwicklung oder dem Zugang zu unbekannten Märkten. Und doch: Die Betriebe werden Wandel in den kommenden Jahren neu denken müssen, um auch künftig erfolgreich bleiben zu können. Das zeigen die Ergebnisse des erstmals erhobenen „Change Readiness Index“ der Unternehmensberatung Staufen AG, der jetzt einen tiefen Einblick in die Wandlungsfähigkeit des deutschen Mittelstands erlaubt.

Traditionelle Strukturen mögen die Firmen in erster, zweiter und vielleicht auch noch der dritten Generation groß und erfolgreich gemacht haben. Doch das Tüfteln an der kleinteiligen Verbesserung, an jährlichen Messen ausgerichtete Produktzyklen oder das Folgen von Großabnehmern in Zielländer werden – heute oder in naher Zukunft – nicht mehr ausreichen, um den Erfolg der alten Tage zu sichern. Den traditionsreichen Unternehmen ist das klar: Sieben von zehn Firmen sind überzeugt, dass ihre eigenen Produkte oder Dienstleistungen bedroht sind. Mehr als jedes zweite Unternehmen erwartet bereits in den kommenden zwei Jahren einschneidende Veränderungen für das eigene Unternehmen.

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Die umfangreiche qualitative und quantitative Untersuchung unter mehr als 650 deutschen Unternehmen – darunter über 140 aus dem Maschinen- und Anlagenbau – hat diese gefühlte Wahrnehmung jetzt mit Zahlen hinterlegt. Der Index zeigt: Der Maschinen- und Anlagenbau schneidet im Vergleich zur Automobil- und auch der Elektroindustrie leicht schlechter ab. Auf der Skala, auf der der Wert 100 die maximale Offenheit und Bereitschaft zum Wandel angibt, landen die Maschinenbauer bei 57 Punkten. Ein genauer Blick in die Untersuchungen legt nahe, dass bei Strukturen, Prozessen, Mitarbeitern und Führungskultur noch viel Luft für Verbesserungen bleibt. Eine große Gefahr: Die Unternehmen überschätzen per se ihre Wandlungsfähigkeit – ein objektiver Blick von außen ist also dringend angeraten.

Neue Verantwortung für die Führungsebene

Die Bereitschaft zur neuen Wandlungsfähigkeit muss im Top-Management beginnen. Das ist eine Bedingung, um eine andauernde Bereitschaft zur Veränderung nach und nach im gesamten Betrieb verankern zu können. Die Herausforderung: Die Aufgabe bedeutet, dass gewohnte und liebgewonnene Strukturen und Verhalten durchbrochen werden müssen – und das bei laufendem Betrieb.

Wilhelm Goschy, COO Staufen AG

Im Maschinen- und Anlagenbau fehlt hier häufig noch ein grundsätzliches Umsteuern und Umdenken in der Führungsebene. In nahezu jedem zweiten Unternehmen dominiert laut der Untersuchungen zum „Change Readiness Index 2017“ noch ein traditionelles Führungsverhalten. Ein Beispiel dafür: In vier von zehn Firmen des Maschinen- und Anlagenbaus gibt es zwar eine Feedback-Kultur, aber nach Ansicht der Befragten ist sie eher ein diktiertes Ritual als gelebte Kommunikationskultur.

Mitarbeiter brauchen Freiräume

Aktuell werden im Maschinenbau noch in drei von vier Firmen Veränderungen von oben vorgegeben. Die grundsätzliche Bereitschaft und das Bekenntnis der oberen Management-Ebenen mag dabei ein erster guter Schritt sein – ausreichend ist es noch nicht, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Wer seine Firma wandlungsfähig aufstellen will, braucht Vertrauen in sein Team.

Das zeigen auch die Erkenntnisse zur Zusammenarbeit. Hier verschenken viele Firmen noch Potenzial, weil sie ihrer wertvollsten Ressource zu wenig zutrauen. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit Zulieferern und Kunden bescheinigen sich bereits knapp 60 Prozent der Unternehmen, weitere 30 Prozent sind gerade dabei, diese Kooperationen auszubauen. Das kreative Potenzial der eigenen Mitarbeiter wird jedoch noch zu wenig geschätzt und genutzt.

Gerade einmal elf Prozent der Unternehmen haben eigene Plattformen aufgesetzt, um den Austausch von Ideen quer durch alle Hierarchieebenen zu fördern. Auch wenn immerhin weitere 25 Prozent der befragten Unternehmen solche Kreativräume aufbauen wollen – eine wichtige Voraussetzung ist nicht gegeben: Nur ein Drittel der Firmen räumt seinen Mitarbeitern und Führungskräften Zeit jenseits des Tagesgeschäfts ein, um sich auszutauschen. Der alltägliche Betrieb und das operative Geschäft fordern die meisten Mitarbeiter heute so sehr, dass für den Blick in die Zukunft kaum Raum bleibt.

Lean Management eröffnet Räume

Der Alltag funktioniert dabei häufig tadellos – auf ihre Prozessketten können viele Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus stolz sein. Problematisch wird es jedoch häufig, wenn eingefahrene Prozesse verändert werden müssen – und gerade das wird in Zeiten steigender Individualisierungsgrade stark zunehmen. Gerade noch 58 Prozent der befragten Branchenvertreter geben an, dass die Prozesse in ihrem Unternehmen bereits im Hinblick auf künftige Herausforderungen überprüft worden sind, nur 61 Prozent definieren die Abläufe als „flexibel“.

Ganz selbstkritisch räumt beinahe jedes zweite Unternehmen heute ein, dass es schwerfällt, wandlungsaffine Führungsformen im Unternehmen zu etablieren. Unterschiedliche Generationen prallen mit ebenso unterschiedlichen Einstellungen, Fähigkeiten und Lebenszielen aufeinander. Das vielfältige Instrumentarium des Lean Managements kann entscheidend dabei helfen, die Transparenz im Unternehmen zu erhöhen und – ganz strukturiert – Raum für Kreativität zu schaffen. Der „Change Readiness Index 2017“ zeigt, dass sich die Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens mit jeder erreichten Lean-Stufe spürbar erhöht.

Noch zögern einige Firmen, konsequent auf den Weg zur nachhaltigen Wandlungsfähigkeit einzuschwenken. Das bewährte Shopfloor Management ist im Maschinen- und Anlagenbau aber immerhin schon in jedem zweiten Unternehmen umgesetzt. Auch die restliche Branche wird folgen müssen, da es keine Option ist beim Status quo zu verharren. Der Mut, den neuen Wandel zu wagen, ist jetzt mehr denn je gefragt. Von Wilhelm Goschy, COO Staufen AG /kp

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