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Bernhard Kapp: Grandseigneur des deutschen Maschinenbaus wird 90

Am 19. März 2011 feiert Senator E.h. Dr.-Ing. E.h. Bernhard Kapp seinen 90. Geburtstag. Der Ausnahmeunternehmer und Grandseigneur der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie war in seinem langen, erfolgreichen Wirken ein unermüdlicher und überzeugender Botschafter für die Branche.

Bernhard Kapp, der Grandseigneur des deutschen Maschinenbaus wird 90

Drei Schlaglichter charakterisieren die Lebensleistung von Bernhard Kapp vielleicht am besten: Mittelständischer Unternehmer aus Überzeugung, Techniker aus Leidenschaft und Streiter für den deutschen Maschinenbau mit großem Engagement.

Der Mittelstand ist die Stärke der deutschen Wirtschaft. "Von dort", sagte Kapp einmal im Interview, "kommen immer wieder neue Ideen, neue Lösungen und neue Produkte, weil wir nicht am kurzfristigen Erfolg interessiert sind, sondern mittel- und langfristig denken und handeln." Diesem Grundsatz entsprechend hat Bernhard Kapp sein eigenes Unternehmen mehr als 50 Jahre geführt. Dazu gehörte für ihn das Vorleben unternehmerischer Tugenden im besten Sinne. "Wir lassen uns leiten von Grundsätzen, die heute leider nicht mehr Allgemeingültigkeit zu haben scheinen, wie Zuverlässigkeit, Vertragstreue, nicht mehr zu versprechen als halten zu können, Anständigkeit im gegenseitigen Umgang nicht nur den Stärkeren, sondern auch den Schwächeren ge-genüber", hob er anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums hervor.

Auch das verantwortungsvolle Miteinander im Unternehmen war Kapp stets Anliegen und gleichzeitig Erfolgsgarant. "Gestützt auf erstklassige Mitarbeiter, von den Leitenden bis zum Hilfsarbeiter, die alle bereit waren die Ärmel hochzukrempeln, anzupacken und sich als Teil der so von uns genannten Kapp-Familie zu fühlen, gelang es, ein Werk zu verwirklichen, das in einer anspruchsvollen Branche seit Jahren eine Spitzenstellung in der Welt einnimmt", erkennt Kapp die gemeinsame Leistung an.

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"Die qualifizierte Förderung von Nachwuchs bleibt die wichtigste Investition in die Zukunft". Mit dieser Unternehmensphilosophie wurde bereits kurze Zeit nach der Firmengründung die erste Lehrwerkstatt bezogen. Sein außerordentliches Interesse galt immer der Förderung von jungen Menschen, sowohl beruflich als auch in ihrem Einsatz für das Allgemeinwohl. So ließ er es sich bis vor kurzem nicht nehmen, die von ihm ins Leben gerufenen Preise etwa zur Förderung des Ingenieurnachwuchses oder den Dr. Kapp Vorbildpreis selbst zu verleihen. Zahlreiche weitere Aktivitäten und die dafür erhaltenen Aus-zeichnungen legen umfangreiches Zeugnis von seinem Einsatz für die Jugend ab.

Der Unternehmenserfolg gab seiner Grundhaltung Recht. 1921 in Stuttgart geboren, startete Bernhard Kapp nach dem Studium und fünf Jahren Kriegsdienst bei der Firma Waldrich in Coburg als Konstrukteur ins Berufsleben. Gerade einmal 29 Jahre alt, wurde er Gesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens. Diese Firma führte er 27 Jahre lang zusammen mit seinem Schwager Otto Waldrich zur Weltgeltung. Parallel dazu gründete er 1953 in Coburg seine eigene Maschinenfabrik Kapp & Co. Heute zählt die Kapp-Gruppe mit rd. 800 Beschäftigten zu den weltweit führenden Herstellern von Werkzeugmaschinen zur Hart- und Weichbearbeitung von Verzahnungen und Profilen.

Kapp-Entwicklung hat Schleifmaschinenherstellern das Überleben gesichert
Ihre herausragende Weltmarktstellung zum Systemlieferant hat die Kapp-Gruppe einer Idee des leidenschaftlichen Technikers Bernhard Kapp zu ver-danken, der 1981 Unternehmertum, Erfindungsgabe und praktisches Umsetzungstalent zusammenbrachte und die erste abrichtfreie Profilschleifscheibe mit CBN-Technologie entwickeln ließ. "Möglicherweise sicherte Kapp mit dieser Innovation das Überleben der Schleifmaschinenbauer gegenüber den Hart-Zerspanern", urteilen langjährige Wegbegleiter heute.

Mit seiner Technikleidenschaft und seiner Kenntnis der internationalen Märkte registrierte Kapp sehr früh den steigenden Bedarf an Spezialmaschinen im Werkzeugmaschinenbau. Das technisch Denkbare mit außerordentlicher Prä-zision umzusetzen, machte ihn zum wichtigen Partner der Industrie im Maschinenbau, Automobilbau, im Schienenverkehr, in der Schiff- und Raumfahrt. Die extremen Anforderungen von Spitzenunternehmen zu erfüllen, hat Kapp in Führung gebracht und dem Image "Made in Germany" den Weg mit bereitet.

Ein weiterer Baustein für den Unternehmenserfolg war die internationale Ausdehnung der Geschäftstätigkeit. Bereits Ende der 60er Jahre baute Kapp intensive Handelskontakte in die damaligen Ostblockländer auf, allen voran die Sowjetunion. Zu der Zeit betrug der Anteil des Ostexports über 70 Prozent. Seit den 80er Jahren wurde ein globales Netzwerk mit eigenen Niederlassungen in den USA, Brasilien, Japan und China geschaffen. 1997 wurde die Niles Werkzeugmaschinen GmbH, welche sich 1990 nach Auflösung des VEB Werkzeugmaschinenkombinats "7. Oktober" neu gegründet hatte, in die Kapp Gruppe integriert.

Der Rat Bernhard Kapps war auch in anderen Unternehmen gefragt. Zahlreiche Firmen und Institutionen national und international haben ihn in ihre Verwaltungs- und Aufsichtsräte berufen, so die Deutsche Messe- und Ausste-lungs-AG, Gildemeister, Fiat, Krupp Hoesch, Iveco, Internationale Holding Fiat, Werner & Pfleiderer, Trumpf, das Ifo-Institut, die Fraunhofer Gesellschaft und die Hochschule Coburg.

Angesehener Botschafter des deutschen Maschinenbaus
Neben seiner erfolgreichen Unternehmertätigkeit hat sich Bernhard Kapp auch für übergeordnete Aufgaben im Maschinenbau und in der deutschen Industrie zur Verfügung gestellt. 29 Jahre, von 1971 bis 1999, stand er an der Spitze des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken). Drei Jahre, von 1977 bis 1980, war er Präsident des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.). Zweimal repräsentierte er als Präsident den europäischen Dachverband der Werkzeugmaschinenindustrie CECIMO. Er war Vizepräsident des BDI. Aber auch die Bundesregierung nahm seine Dienste in Anspruch. So berief sie ihn als einzigen Vertreter der deutschen Industrie in die gemischte Fachgruppe für Werkzeugmaschinenbau der Kommission der Bun-desrepublik Deutschland und der UdSSR für wirtschaftliche und wissenschaftlichtechnische Zusammenarbeit. Dort wirkte er bis 1992, dem Ende der Sowjetunion. All dies wirft nur einige Schlaglichter auf sein ehrenamtliches Wirken.

Bernhard Kapp bekam zahllose Auszeichnungen im In- und Ausland für sein Engagement. So erhielt er auszugsweise das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das Croix de chevalier de l´Ordre National du Mérite. Ihm wurde die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Berlin, das Große Verdienstkreuz mit Stern und der Preis Deutscher Maschinenbau verliehen.

Bernhard Kapp gehört zu den großen Unternehmerpersönlichkeiten, die Nachkriegsgeschichte des deutschen Maschinenbaus geschrieben und ihm zu seiner Weltgeltung verholfen haben. Er weiß von zahllosen Höhen und Tiefen der Konjunkturentwicklung zu berichten, hat den Einzug der NC-Technologie in den Maschinenbau erlebt, die Entstehung des gemeinsamen europäischen Marktes, die heftigen Diskussionen über den Nutzen der Technik, den Aufstieg der Japaner zum ernsthaften Wettbewerber und schließlich die Globalisierung. Nie hat ihn sein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der deutschen Werkzeug-maschinenindustrie verlassen So ist er auch heute überzeugt davon, dass diese die künftigen Herausforderungen mit Bravour meistern wird. lg

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