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Alpha Ventus: zwölf Monate Betriebserfahrungen

Vor einem Jahr wurde die letzte der zwölf Turbinen von Alpha Ventus errichtet, Deutschlands erstem Offshore-Windpark. Seit der sukzessiven Inbetriebnahme der Turbinen hat das Offshore-Testfeld rund 170 Gigawattstunden klimafreundlichen Strom eingespeist und bereits jetzt eine ausgeglichene Ökobilanz vorzuweisen. Nicht nur für die Betreiber EWE, E.ON und Vattenfall, sondern auch für die gesamte junge Offshore-Windenergiebranche liefert das Pionierprojekt grundlegende Erfahrungen für den Bau und Betrieb weiterer geplanter Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee. Bis 2020 sollen nach Plänen der deutschen Bundesregierung 10.000 Offshore-MW installiert sein und zur klimafreundlichen Energieversorgung in Deutschland beitragen. Für den weiteren Ausbau bedarf es noch ersichtlicher Anstrengungen und Anreize.

Blick auf den Windpark

"Mit dem Testfeld Alpha Ventus haben wir unter Beweis gestellt, dass Offshore auch in Deutschland technisch machbar ist - unter den anspruchsvollsten Errichtungsbedingungen weit vor der Küste in großer Wassertiefe. Seit Betriebsbeginn haben die zwölf Windturbinen trotz erster Servicearbeiten 170 Gigawattstunden Strom erzeugt. Deshalb werten wir Alpha Ventus als erfolgreichen Start in das deutsche Offshore-Zeitalter", bilanziert Dr. Jörg Buddenberg, Abteilungsleiter Energie und Umwelttechnik der EWE Energie AG, und lobt die gute und dynamische Zusammenarbeit aller Beteiligten. "Jetzt müssen rasch weitere Windparks folgen, um aus den mit dem Testfeld gesetzten Impulsen eine echte deutsche wettbewerbsfähige Offshore-Industrie entstehen zu lassen", so Buddenberg weiter. Der zögerliche Ausbau der Offshore-Windkraft zeige, dass es noch kein hinreichendes Vertrauen in die ausreichende Wirtschaftlichkeit dieser Projekte gebe. Deshalb brauche man neben dem wichtigen KfW-Offshore-Förderprogramm weitere flankierende politische Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen der Offshore-Windenergiebranche verbesserten. Dies verdeutliche die Studie der KPMG zur wirtschaftlichen Situation des Offshore-Sektors im internationalen Vergleich.

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"Alpha Ventus hat uns darin bestärkt, unsere Folgeprojekte in der Deutschen Bucht voranzutreiben", resümiert Sven Utermöhlen, Geschäftsführer der E.ON Climate and Renewables Central Europe GmbH. "Allerdings mussten wir uns bei dem Pilotprojekt teilweise noch mit Großgerät aus der Öl- und Gasindustrie behelfen. Für alle künftigen, bereits genehmigten Offshore-Windenergie Projekte in Deutschland brauchen wir wirklich geeignete Installationsschiffe für Wassertiefen über 30 Meter mit Lastkränen in ausreichender Höhe." Daneben sei der rechtzeitige Netzanschluss von Offshore-Windparks von großer Bedeutung. Laut Utermöhlen beschränkt das komplizierte Genehmigungsverfahren die Netzbetreiber und damit den effektiven Ausbau der Offshore-Windkraft. Ziel müsse sein, dass mehr Windparks schneller entstehen.

Dass die klimafreundlichen Offshore-Windparks sich durchaus freundlich zur Natur im Meer verhalten, zeigen erste Erkenntnisse der umfangreichen ökologischen Begleitforschung von alpha ventus. An den Fundamenten haben sich "Riffarten" wie Muscheln, Seeanemonen, Krebse und Krabben angesiedelt und es herrscht Fischereiverbot. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob Schweinswale das Windparkgebiet zukünftig als Lebensraum nutzen. Georg Friedrichs, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Windkraft GmbH: "Bei Alpha Ventus haben wir technische Lösungen zum Schallschutz bei den Rammarbeiten erprobt. Diese müssen für künftige Windparks noch weiter entwickelt werden, eine Herausforderung wird dabei die Einpassung in die Errichtungslogistik sein." Friedrichs betonte die konstruktive Zusammenarbeit von Politik, Genehmigungsbehörden, Umweltschutz und maritimer Wirtschaft bei Alpha Ventus . Derselbe pragmatische Ansatz müsse für die jetzt entstehenden Regularien zum Bau weiterer Offshore-Windparks verfolgt werden. Fast 30 seien in Nord- und Ostsee genehmigt, seit vielen Jahren in der Planung allerdings nur zum kleinen Teil tatsächlich vor Baubeginn. In der Risikobranche Offshore komme es nur auf Planungssicherheit an. Auch bei der Weiterentwicklung des Ordnungsrahmens müsse das Ziel im Auge behalten werden, der Branche mit den ersten 5.000 Offshore-Megawatt zum Durchbruch zu verhelfen.

Jörg Kuhbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Offshore-Windenergie, gratuliert allen Beteiligten zum ersten Jahrestag der Errichtung aller zwölf Windenergieanlagen von Alpha Ventus. "Dieser Meilenstein in der weiteren Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa wäre ohne das gemeinsame Engagement von Politik und Genehmigungsbehörden, von Anlagenherstellern, Lieferanten, des Netzbetreibers sowie vom Betreiberkonsortium Dotinicht möglich gewesen." Die Stiftung habe dazu ihren Beitrag geleistet und werde sich dafür einsetzen, dass die Erfahrungen aus dem Testfeld in die weiteren kommerziellen Offshore-Projekte vor der deutschen Nord- und Ostseeküste einfließen. "Die Politik ist gefordert, durch geeignete Maßnahmen die dynamische Entwicklung in dieser jungen Branche zu unterstützen und damit zu einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und seiner maritimen Industrie beizutragen", so Jörg Kuhbier abschließend.

Als schönstes Geburtstagsgeschenk wertet das Betreiberkonsortium die positive Ökobilanz des Pilotprojekts. Laut einer Studie hat Alpha Ventus im Testbetrieb schon mehr Energie erzeugt, als für seine Errichtung an konventioneller Energie aufgewendet wurde. Studienautor, Prof. Hermann-Josef Wagner vom Lehrstuhl Energiesysteme und Energiewirtschaft der Ruhr-Universität Bochum: "Selbst unter Berücksichtigung aller erforderlichen Energie- und Materialaufwendungen für die Herstellung, den Betrieb und den späteren Rückbau wird die Kilowattstunde Elektrizität im Offshore-Windpark wesentlich umweltfreundlicher erzeugt, als es bei dem übrigen Strommix der Fall ist, der zur Zeit aus der Steckdose kommt." lg

 

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