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„Unabhängigkeit ist wertvoll“

Vor 20 Jahren ist die Contact Software GmbH als EDM-Anbieter gestartet. Die Bremer haben ihr Unternehmen kontinuierlich und erfolgreich zu einem der führenden Mitspieler im PLM-Markt weiterentwickelt und dabei ihre Unabhängigkeit bewahrt. Die Redaktion des eDM-Report sprach mit dem Contact-Geschäftsführer Karl Heinz Zachries über die Anfänge seines Unternehmens, die bisherige Entwicklung und die neue Drei-Marken-Strategie.
Offen für die Zusammenarbeit: Auf Basis einer neuen Architektur vereinfachen Workspaces von Contact die kollaborative Produktentwicklung.

eDM: Herr Zachries, mit welcher Intention sind Sie vor 20 Jahren in den PDM-Markt eingetreten?

Zachries: Wir haben unsere Software-Lösung von Anfang an als offene, auf Industriestandards basierende Plattform für die Daten- und Prozessintegration in der Produktentwicklung konzipiert. Insbesondere die Offenheit gegenüber unterschiedlichen CAD-Technologien war sehr wichtig, sonst hätten wir als reiner und damals unbekannter PDM-Anbieter keine guten Chancen gehabt.

eDM: Wie konnten Sie Ihre ersten Kunden überzeugen?

Zachries: Wir waren schon damals sehr agil und innovativ und konnten Funktionalitäten bieten, die andere nicht hatten. Während die meisten anderen Anbieter noch mit Isam-Dateien arbeiteten, stellten wir das erste PDM-Produkt mit einer relationalen Datenbank vor beziehungsweise überzeugten damit, dass wir vorhandene Technologien geschickt einsetzten. Wir waren der erste PDM-Anbieter mit grafischer Oberfläche, um beispielsweise Produktstrukturen zu visualisieren, während andere Lösungen noch Ascii-Terminals genutzt haben.

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eDM: Wo steht Ihr Unternehmen heute?

Zachries: Contact Software beschäftigt rund 110 Mitarbeiter. Wir konnten auch im Krisenjahr 2009 ein Rohergebnis von 11 Millionen Euro erwirtschaften und den Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf knapp drei Millionen erhöhen. Damit sind wir sehr zufrieden. Temporäre Schwächen einer Branche – wie etwa letztes Jahr im Automobilbau – können wir durch den guten Branchenmix bei unseren über 250 Kunden kompensieren. Unsere Software wird dabei an weit über 100 Standorten in über 40 Ländern weltweit eingesetzt. Neben der Automobilindustrie kommen die Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Medizintechnik, den Bereichen Energie und Verkehr oder sind öffentliche Auftraggeber.

eDM: Was ist Ihr Erfolgsrezept für äußerst positive Ergebnisse auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Zachries: Wir haben uns kontinuierlich entwickelt und sind stetig aus eigener Kraft gewachsen. Dies konnten wir nur erreichen, weil wir durch unsere langfristige, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Strategie sehr viel Substanz aufgebaut haben, womit ich Zufriedenheit und Vertrauen bei den Kunden, Know-how bei den Mitarbeitern und unsere Produktplattform CIM Database meine.

eDM: Aber das alleine kann es ja nicht gewesen sein …

Zachries: Nein, dazu gehört mehr. Was uns treibt und motiviert, ist die sehr starke Identifikation mit unseren Produkten, die wir in Eigenregie entwickeln. Außerdem hat der ehrliche Umgang mit den Kunden bei uns absolute Priorität: Ehrlich währt am längsten! Das dadurch entstehende Vertrauen ist eine sichere Grundlage, um mit Kunden langfristig und erfolgreich zusammenzuarbeiten.

eDM: Wie haben Sie als Firmengründer und Geschäftsführer diese Grundlagen für den Erfolg schaffen können?

Zachries: Sich als Unternehmer bewähren, heißt auch, seinen Mitarbeitern vorzuleben, was von ihnen erwartet wird. Damit lässt sich eine umfassende Glaubwürdigkeit nach innen und außen erreichen. Das ist die Basis für ein gutes Produkt und zufriedene Kunden. Und: Contact ist nicht abhängig von irgendwelchen Kapitalgebern. Unabhängigkeit ist für uns und unsere Kunden sehr wertvoll. So können wir die Entscheidungen treffen, die für uns und für unsere Kunden am besten sind. Zudem möchte ich die mit dem Unternehmertum verbundenen Herausforderungen nicht missen.

eDM: Eine dieser Entscheidungen war, dass Contact sich mit seinen Lösungen breiter aufstellt.

Zachries: Das ist richtig. Unsere Unternehmensstrategie wurde dahingehend verändert, dass wir unsere CIM Database-Plattform durch die Projektmanagement-Software Project Office und die im letzten Jahr vorgestellte Collaboration-Lösung Workspaces ergänzt haben. Diese drei Marken stehen für Software-Lösungen, die grundsätzlich unabhängig voneinander eingesetzt werden können.

Dazu kommen grundlegende Neuerungen bei der Basis-Technologie. Folglich sind wir sehr viel flexibler geworden und denken, dass wir nun die leistungsfähigste PLM-Entwicklungsplattform haben.

eDM: Wie konnten Sie dies mit Ihrer relativ kleinen Entwicklungsmannschaft realisieren?

Zachries: Unsere rund 40 Entwickler arbeiten extrem effizient. Zudem haben wir uns für einen intelligenten Mix aus Open-Source-Komponenten und spezialisierten Eigenentwicklungen entschieden. Auf dieser Basis können wir heute auf spezielle Branchen zugeschnittene Lösungen sehr effizient realisieren, das heißt schnell, einfach und den Kundenwünschen entsprechend.

Der besondere Clou der Workspaces ist beispielsweise, dass sie auch ohne CIM Database im Umfeld anderer PDM-Systeme zu nutzen sind, um so genannte Autorensysteme zu integrieren; ähnlich wie etwa BMW-Motoren auch bei Fahrzeugen anderer Marken zum Einsatz kommen. Wir haben beim CAD-Datenmanagement mehr Know-how als jeder andere PDM-Anbieter aufgebaut und können jetzt mittels Workspaces unsere Vorteile bei der Einbindung von unterschiedlichen CAx-Systemen voll ausspielen. Das funktioniert bei der SAP-PLM-Lösung oder der IFS-PLM-Lösung schon sehr gut. So können Unternehmen die Lösung wählen, die für ihr Anwendungsszenario am besten ist.

eDM: Welche Rolle spielt das Projektmanagement in Ihrem Geschäftsmodell?

Zachries: Projektmanagement und Produktdatenmanagement sind zwei Seiten derselben Medaille: Die Organisation der Aufgaben und Prozesse im Produktentstehungsprozess (PEP) erfordert eine methodische Verknüpfung mit den entsprechenden Daten und Dokumenten – was wir mit einer integrierten Lösung ermöglichen.

eDM: Lassen sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und folglich geringer Investitionsneigung Unternehmen zur Neueinführung einer Software-Lösung bewegen?

Zachries: Grundsätzlich ja, weil es einen großen Erneuerungsbedarf gibt. Die Vorteile einer neuen Software müssen für die Entscheider allerdings klar erkennbar sein und sich kurzfristig rechnen. Nur dann sind Unternehmen bereit, Lösungen anderer Anbieter zu ersetzen. So konnten wir in jüngerer Zeit beispielsweise Kirchhoff Automotive, Honsel und einen anderen namhaften Systemlieferanten als Neukunden gewinnen, obwohl die Automobilzulieferindustrie aktuell eine schwierige Branche ist.

eDM: Womit wollen Sie sich gegenüber der starken internationalen Konkurrenz durchsetzen, Unternehmen weltweit überzeugen?

Zachries: Genau wie zu Gründungszeiten: Mit Agilität und Innovationen wie etwa den Contact Workspaces, mit denen wir das parallele, asynchrone Arbeiten viel besser unterstützen als traditionelle CAD-Integrationslösungen. Deshalb sind sie auch bestens geeignet, um externe Partner und Zulieferer mit ihren unterschiedlichen CAD-Anwendungen effizient in den kollaborativen Produktentwicklungsprozess einzubinden. Bisher war dies aufgrund des enormen manuellen Aufwands sowie der hohen Komplexität kaum realisierbar. Damit bieten wir ein Rationalisierungspotenzial, das zu erheblichen Einsparungen und einer schnellen Amortisation führt, und zwar nicht nur beim Einsatz gemeinsam mit unserer PDM-Lösung CIM Database, sondern auch mit anderen PDM-Systemen.

eDM: Herr Zachries, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg im PLM-Markt.

Das Interview führte Gerhard Friederici.

Contact Software GmbH, Bremen Tel. 0421/20153-0, www.contact.de

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