Regal- und Kommissioniersysteme

„In Europa die Nummer Eins werden“

Während namhafte Unternehmen der diesjährigen Cemat fernbleiben, baut Toyota Material Handling (TMH) seine Präsenz aus. Erstmals zeigt das Unternehmen auf der kommenden Cemat auch Regal- und Kommissioniersysteme. Von TMH-Europachef Matthias Fischer erfuhr SCOPE-Redakteur Michael Stöcker weitere interessante Details.

SCOPE: Herr Fischer, seit nunmehr zwei Jahren sind Sie als erster Deutscher Europachef von Toyota Material Handling Europe. Welches Fazit können Sie für ihre bisherige „Amtszeit“ ziehen und welche weiteren Ziele haben Sie vor Augen?

Fischer: In den letzten zwei Jahren sind wir ein gutes Stück vorangekommen auf unserem Weg, Marktanteile hinzuzugewinnen und in Europa die Nummer eins unter den Flurförderzeug-Herstellern zu werden. Weltweit nehmen wir diese Spitzenposition bereits ein, was für uns Bestätigung und Ansporn zugleich ist.

SCOPE: Ist es richtig, dass TMH zur Cemat in den Regalbau einsteigt?

Fischer: Das stimmt. Flächendeckend für Europa haben wir unser Produktportfolio um ein umfassendes Regalsortiment erweitert. Das neue Angebot umfasst neben konventionellen Palettenregalanlagen auch bedarfsgerechte Lösungen und Kommissioniersysteme. Wir arbeiten dabei mit dem Spezialisten Mecalux zusammen.

SCOPE: Die Erweiterung Richtung Regaltechnik könnte man auch als Schritt zum intralogistischen Komplettanbieter bewerten…

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Fischer: …auch das stimmt. Allerding mit der Einschränkung, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine logistischen Komplettsysteme mit Wand und Dach anbieten werden. Das Regalgeschäft bleibt zunächst eng mit unserem Kerngeschäft verbunden: Passend zu unserem Geräteangebot mit Schmalgang- und Schubmaststaplern können wir jetzt alles aus einer Hand anbieten.

SCOPE: Namhafte Hersteller haben diesmal ihre Teilnahme an der Cemat abgesagt. Verliert die Messe womöglich an Relevanz?

Fischer: Die Cemat ist die weltweit führende Messe für die Intralogistik. An diesem Status wird sich so schnell nichts ändern. Im Gegenteil: ich gehe davon aus, dass ihr Einfluss noch wachsen wird. Für uns war es daher nur konsequent, unser Cemat-Engagement durch die Anmietung des Pavillon 32 auszubauen und auf eine langfristige Partnerschaft zu setzen.

SCOPE: Und welche technischen Neuheiten wird Ihr Unternehmen in Hannover vorstellen?

Fischer: Da wären zum Beispiel die verbrennungsmotorischen Gegengewichtsstapler der neuen Baureihe Toyota Tonero HST. Als Alternative zur Drehmomentwandler-Technik sind sie mit einem hydrostatischen Antrieb ausgestattet und stellen damit eine wesentliche Erweiterung unseres Gerätespektrums dar. Wir vertrauen dabei auf unseren Technologie-Partner Bosch Rexroth. Die Toyota Tonero Baureihe wird zudem um neue Modelle im Schwerlastbereich mit Tragfähigkeiten bis zu 8,0 Tonnen erweitert. Auch bei den Traigo Elektrostaplern mit 80-V-Technik gibt es Zuwachs: Hinzu kommen Modelle mit 4,0 und 5,0 Tonnen Tragfähigkeit. Gemessen an Verbrauch und Umschlagleistung ist der Traigo 80 in seinem Segment das Beste, was der Markt derzeit zu bieten hat. Im Bereich der Lagertechnikgeräte stellen wir unsere rundum erneuerte BT Levio P-Serie mit Tragfähigkeiten bis zu 2,5 Tonnen vor. Auf Wunsch können die Elektro-Niederhubwagen auch mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet werden.

SCOPE: Mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer sind oft Kleinserien- oder Einzelfertiger mit komplexen Supply-Chain-Strukturen. Welche Lösungen bietet TMH hierfür an?

Fischer: Als Komplettanbieter können wir jedem Kunden die passende Lösung bereitstellen. Nicht nur unser Produktprogramm ist entsprechend ausgelegt, auch unsere Vertriebsstrukturen. Nehmen Sie die deutsche Organisation als Beispiel: Toyota Material Handling Deutschland bietet seine Produkte und Dienste hier sowohl über einen Direktvertrieb als auch ein eng geflochtenes Händlernetzwerk an. Hinzu kommen schlagkräftige Key-Account-Strukturen für die Betreuung großer Unternehmen. So sind wir immer dort, wo unsere Kunden uns brauchen.

SCOPE: Im Groß- und Internet-Handel hingegen treibt das On-Demand-Prinzip die Taktraten hoch – wie reagieren Sie darauf?

Fischer: Bei hohen Taktraten sind vor allem robuste und langlebige Geräte mit geringem Serviceaufkommen gefragt, die immer verfügbar sind. Toyota steht wie kein zweiter Flurförderzeug-Hersteller für diese Qualitätsmerkmale. Auch für das Saisongeschäft mit hohen Bedarfsspitzen wie zur Weihnachtszeit bieten wir unseren Kunden passende Instrumentarium an, zum Beispiel flexible Kurzzeitmietlösungen.

SCOPE: Wagen wir einen Blick voraus – welche technischen Trends werden Ihrer Ansicht nach die Intralogistik in den nächsten fünf Jahre entscheidend prägen?

Fischer: Einen deutlichen Trend sehe ich im Bereich der Automatisierung manueller Prozesse im Lager- und Kommissionierumfeld. Wir haben darauf bereits mit der Erweiterung unseres Produkt-Portfolios um Geräte mit Automatisierungstechnik und Pick-by-Voice-Systemen reagiert. Unsere Experten im neuen Kompetenzzentrum für Logistiklösungen in Göteborg treiben diese Entwicklungen weiter voran. Ein „Dauerbrenner“ sind für uns auch alternative Antriebssysteme. Ich wage die Prognose, dass der Blei-Säure-Akku in fünf bis zehn Jahren seine Vormachtstellung eingebüßt haben wird. Der Toyota Kunde kann sich schon heute für Lagertechnikgeräte mit Lithium-Ionen-Technologie als Standard entscheiden. Auch bei der Entwicklung geeigneter Brennstoffzellen machen wir große Fortschritte – der Cemat-Besucher wird sich davon auf unserem Messe-Stand überzeugen können. Einen dritten Trend sehe ich im Bereich der Telemetrie. Wegbereiter für diese Entwicklung sind die heute schon verfügbaren Flottenmanagement-Systeme wie Toyota I_Site. Bestandteil des Pakets, das wir in Zukunft auch für Einzelanwender nutzbar machen wollen, ist zum Beispiel die Beschränkung des Zugangs zum Stapler auf autorisiertes Personal. Außerdem können Sicherheitschecks vor Inbetriebnahme des Staplers zur Regel erklärt werden.

SCOPE: Sehen Sie über die Technik-Trends hinaus noch weitere Einflussfaktoren eher übergreifender Natur?

Fischer: Ein übergreifender Punkt ist für mich der zu erwartende Anstieg an Logistik- beziehungsweise Transportkosten – unter anderem zurückzuführen auf erhöhte Energiekosten. Nicht umsonst gibt es schon heute einen Trend zum „Insourcing“, sprich: größere Teile der Wertschöpfung werden wieder im eigenen Unternehmen vorgenommen, und das mitunter zentral. Dadurch verkürzen sich natürlich auch die Wege. Ein weiterer Einflussfaktor ist für mich das, was sich derzeit auf der politischen Bühne zwischen Ost und West abspielt. Hier gibt es reaktionäre Tendenzen zu Lasten offener, liberaler Marktstrukturen.

SCOPE: Wie versuchen Sie, TMH mit Blick auf den direkten Wettbewerb zu positionieren?

Fischer: Zunächst einmal ist der Name Toyota mit höchsten Qualitätsstandards verbunden, und das spiegelt sich auch in unserem Angebot wider. Um nur ein Beispiel zu nennen: Seit der Übernahme der zuvor schon qualitativ hochwertigen BT Lagertechnik-Range vor knapp zehn Jahren konnten die Qualitäts- bzw. Gewährleistungskosten für diese Geräte um 80 Prozent reduziert werden. Gelungen ist uns das durch die erfolgreiche Einführung des Toyota Produktionssystems für BT. Darüber hinaus wollen wir den besten Service anbieten, schließlich wollen wir auch die zufriedensten Kunden haben. Ein ambitioniertes Ziel, das seine Rechtfertigung hat: Erst vor kurzem haben wir mehr als 8.000 Kunden zu ihrer Zufriedenheit befragt. Gut 90 Prozent waren mit dem Kundendienst von Toyota entweder zufrieden oder sehr zufrieden. Ein Bild, das sich länderübergreifend zeigte und deshalb konsistent ist. Um weiterhin Spitze zu sein, feilen wir bereits an einem neuartigen Service-Konzept auf Basis des TPS, das wir erstmals auf der Cemat vorstellen werden.

SCOPE: Beschäftigt Sie das Thema Industrie 4.0?

Fischer: Wie Sie wissen, ist dieser Begriff von den Gelehrten bis heute noch nicht abschließend geklärt. Ich selbst verstehe darunter die komplette Vernetzung von Prozessen, wobei einzelne Ausprägungen für uns vor allem als Hersteller sehr spannend sind. Nehmen wir zum Beispiel die Individualisierung von Produkten unter den Bedingungen einer flexibilisierten Großserienproduktion oder die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleitungen. Daraus ergeben sich große Chancen, aber auch viele neue Herausforderungen. Ich denke, dass Toyota schon heute durch das TPS viele Wesensmerkmale verinnerlicht hat, zum Beispiel die Integration von Kunden und Partnern in die Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse.

SCOPE: TMH hat vor wenigen Wochen seine neue Deutschland-Zentrale in Isernhagen bei Hannover in Betrieb genommen. Welche Ziele verbinden Sie mit dieser Investition?

Fischer: Der Neubau der Zentrale in Deutschland stellt für Toyota Material Handling Europe die bisher größte Investition in eine Vertriebsgesellschaft dar. Das unterstreicht den hohen Stellenwert, den der deutsche Markt für uns hat und das große Potenzial, das wir hier sehen. Durch den Neubau ist die Vertriebsorganisation jetzt noch besser aufgestellt: Unterm Strich stehen effizientere Prozesse, verbesserte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und noch größere Kapazitäten für zukünftiges Wachstum in Deutschland.

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