Peter und Thomas Reichelt im Interview

"Alle brauchen kleine Mengen"

Mit wachsendem Portfolio behauptet sich das auf Kleinmengen spezialisierte Handelshaus RCT Reichelt Chemietechnik in einem zunehmend schwierigen Markt. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker sprach mit Firmengründer Peter Reichelt und Juniorchef Thomas Reichelt über neue Produktfelder, Wachstumsstrategien und Zukunftsaussichten.

Firmengründer Peter Reichelt und Juniorchef Thomas Reichelt

SCOPE: Herr Reichelt, mit über 80.000 Produkten aus den Bereichen Fluid-, Labor-, Mess- und Verbindungstechnik für Kunden zahlreicher verschiedener Branchen ist Ihr Unternehmen sehr breit aufgestellt. Stimmt Sie das nicht zufrieden?

Peter Reichelt: Nun, die Bezeichnung "zufrieden" trifft unsere augenblickliche Situation schon recht gut. Aber auch unsere Märkte sind in den letzten Jahren zunehmend volatiler geworden. Noch in diesem Frühjahr war die Auftragslage wenig erfreulich, während sie zur Jahresmitte zu einem ausgeglichenen Ergebnis führte. Inzwischen liegen wir wieder auf Wachstumskurs.

Thomas Reichelt: Wir sind immer zufrieden, wenn das Unternehmen organisch wächst. Rasch wechselnde Ups und Downs sind weniger nach unserem Geschmack. Selbst kurzfristigen Peaks stehen wir eher skeptisch gegenüber.

SCOPE: Sie versorgen eine sehr internationale Kundschaft. Bereitet Ihnen die unruhige politische Großwetterlage da nicht große Sorgen?

Peter Reichelt: Es stimmt zwar, dass wir Export-Kunden auf der ganzen Welt haben, unsere wichtigen Absatzmärkte sind aber Deutschland und die Staaten der EU. Außerhalb dieser Grenzen engagieren wir uns vorwiegend in Russland und in der Türkei, wo wir seit kurzem auch einen verlässlichen Handelspartner haben.

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SCOPE: Was erwarten Sie denn von Ihren Auslandmärkten?

Peter Reichelt: Aus Russland und der Türkei erwarten wir ehrlich gesagt nicht allzu viel. Auch weil die Konkurrenzsituation hier sehr herausfordernd und schwer durchschaubar ist. Vielversprechender sind dagegen unsere Aktivitäten in Frankreich und Spanien. Gerade bei den Produkten für Medizin- und Labortechnik gehören diese beiden Länder zu unseren Hoffnungsträgern.

SCOPE: In welchen Bereichen sehen Sie die wichtigsten Wachstumsimpulse für Ihr Unternehmen?

Thomas Reichelt: Vor allem aus Pharma-, Medizin- und Biotechnik erwarten wir kontinuierlich wachsende Umsätze. Darüber hinaus werden wir uns zunehmend im Bereich des allgemeinen Maschinen- und Anlagenbaus engagieren.

SCOPE: Damit betreten Sie ein für Ihr Unternehmen völlig neues Marktsegme...

Thomas Reichelt: …ja, richtig, das stimmt, aber wir beschäftigen uns schon seit einigen Monaten damit, ein umfassendes Normteile-Portfolio zusammen zu stellen, das die Bedürfnisse vieler Maschinen- und Anlagenbauer nach kleinen Stückzahlen abdeckt. Vor allem der Sondermaschinenbau dürfte sich davon angesprochen fühlen. Im Frühjahr 2015 werden wir mit diesem neuen Produktsortiment vermutlich an den Markt gehen.

SCOPE: Darf man damit rechnen, dass Sie auch in diesem neuen Marktsegmentgrundsätzlich bei Ihrem Prinzip bleiben, als Spezialist für die schnelle Lieferung von Kleinmengen aufzutreten?

Peter Reichelt: Aber ja, das ist schließlich unser Erfolgsrezept! Nach wie vor liefern wir ausnahmslos kleine und kleinste Einheiten unserer Produkte - ab Losgröße 1. Ob ein Unternehmen der Fluidtechnik zwei Schlauchkupplungen aus Messing benötigt, ob ein Laborbetrieb ein paar Meter PE-Schlauch braucht oder ob eine Forschungsabteilung kleine Mengen von Kunststoff-Halbzeugen nachfragt – es zeigt sich immer wieder: Alle brauchen kleine Mengen, auch große Firmen.

SCOPE: Und wie gelingt es Ihnen, die enorme Variabilität der Anfragen zu bewältigen?

Peter Reichelt: Nun ja, das ist eben unser Tagesgeschäft! Wie Sie eingangs schon richtig festgestellt haben, zählt unser aktuelles Portfolio derzeit etwa 80.000 Einzelartikel in vielen Standard- und Spezialgrößen. Davon können wir derzeit etwa 70 Prozent just-in-time liefern! Außerdem ist unser Produktsortiment ganz klar strukturiert in sechs Gruppen, die in derzeit 13 Handbüchern sehr detailliert mit Bildern, Datentabellen und auch praxisnahen Kommentaren beschrieben sind. Vor allem Verfahrenstechniker, Anlagen- und Apparatebauer, Entwicklungsingenieure, Labortechniker und die technischen Einkäufer finden dort wichtige Entscheidungshilfen. Eine unserer Stärken ist zudem die kundenorientierte Lieferung von Zwischengrößen und Nischenprodukten.

Thomas Reichelt: Und nicht zu vergessen, unsere Handbücher erreichen aktuell eine Gesamtauflage von 3,1 Millionen Exemplaren - die Auslandsauflage mitgezählt.

SCOPE: Wie hoch ist denn derzeit der Auftragsanteil aus den Online-Bestellungen, die Sie über ihre Internetseite und Ihren Webshop generieren?

Thomas Reichelt: Hier muss man sehr stark differenzieren. Während wir vor einigen Jahren noch großes Wachstum durch das Onlinegeschäft erwartet haben, hat sich der Umsatzanteil der Internet-Bestellung derzeit bei real 10 bis 15 Prozent eingependelt. Wir beobachten zwar, dass unsere Website in wachsendem Maß als Informationsquelle genutzt wird; die Auftragserteilung erfolgt aber in den meisten Fällen erst nach eingehender telefonischer Beratung - und dann sehr oft immer noch per Fax.

SCOPE: Kaum zu glauben. Und dennoch planen Sie den weiteren Ausbau Ihrer Internet-Präsenz?

Peter Reichelt: Aber ja, daran führt kein Weg vorbei. Gerade mit Blick auf die Auslandsmärkte. Wir werden das Online-Sortiment schrittweise mehrsprachig ausbauen, die Funktionalität unserer Website immer weiter verbessern und insbesondere die Suchmaschinen-Optimierung intensiv vorantreiben – hierzu haben wir uns eigens einen Spezialisten ins Haus geholt. Gerade von dieser Maßnahme erwarten wir wichtige Wachstumsimpulse. Denn wie mein Sohn schon andeutete: Wer ihm Rahmen seiner Recherche und Produktsuche auf unserer Website landet, nimmt ja dann häufig den direkten Kontakt mit uns auf - und wird in den meisten Fällen auch zum Kunden.

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