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Sensortechnik"Zukunftssicherheit made in Germany"

SCOPE: Herr Wolf, im Geschäftsjahr 2008 erzielte Turck einen Umsatz von 370 Millionen Euro - wie sehen Ihre Erwartungen an das Geschäftsjahr 2009 aus?

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Sensortechnik: "Zukunftssicherheit made in Germany"

Wolf: Nach derzeitigem Stand rechnen wir in diesem Jahr mit einem konsolidierten Gesamtumsatz der Turck-Gruppe von circa 270 Millionen Euro. Damit verzeichnen wir einen nennenswerten Umsatzrückgang, der natürlich stark durch die Hauptabsatzmärkte der Automobil- und Maschinenbauindustrie geprägt ist.

SCOPE: US-Notenbank-Chef Ben Bernanke zeigt sich optimistisch bezüglich der Entwicklung der Wirtschaft und spricht vom Ende der Krise - teilen Sie die Meinung und sehen Sie wieder Licht am Ende des Tunnels?

Wolf: Nicht nur der Notenbank-Chef, sondern auch viele Politiker sprechen immer wieder vom Ende der Krise. Davon ist aber in der Realwirtschaft, zumindest im Automatisierungsumfeld, noch nichts zu sehen. Die Auftragseingänge sind seit einiger Zeit relativ stabil und fallen nicht weiter, allerdings ist auch nicht zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit deutlich steigen werden. Es gibt zwar erste Indikatoren, die hoffen lassen, aber in diesem Jahr wird es sicher keine signifikante Verbesserung geben. Für das kommende Jahr erwarten wir eine leichte Erholung mit Steigerungsraten im mittleren einstelligen Bereich.

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SCOPE: Wie entwickeln sich Ihre wichtigsten Absatzmärkte - Deutschland, Europa, Nordamerika, Asien?

Wolf: In Deutschland und Europa bewegen wir uns auf dem beschriebenen Niveau rund 30 Prozent unter den Vorjahresumsätzen. In den USA, dem größten Automatisierungsmarkt, in dem Turck als Sensor- und Connectivity-Marktführer hohe Marktanteile hat, sehen wir eine leichte Erholung. Dort hat die rezessive Phase allerdings auch deutlich früher begonnen als in Europa. In China steigen ebenfalls die Umsätze wieder, wenn auch zunächst noch verhalten. Ein Wermutstropfen ist allerdings der in Richtung 1,50 steigende Kurs des US-Dollars, der das Geschäft in Nordamerika und Teilen von Asien nicht einfacher macht.

SCOPE: Turck wurde groß mit Sensortechnik für die Fertigungsindustrie, heute trägt auch die Prozessindustrie einen erheblichen Anteil zum Umsatz bei. Wie verteilen sich aktuell die Umsatzanteile?

Wolf: Neben der Sensortechnik entwickeln und produzieren wir seit langem auch erfolgreiche Interface- und Feldbuslösungen für die Fabrik- und Prozessautomation. Mit dem Know-how in all diesen Bereichen konnten wir darüber hinaus ein RFID-System entwickeln, das weltweit Beachtung findet und ebenfalls in beiden Märkten eingesetzt wird. Das Verhältnis der Umsatzanteile liegt bei etwa 75 Prozent FA und 25 PA. Hier muss man allerdings sehen, dass bestimmte Teile unserer Produktpalette, wie etwa RFID oder einige Feldbuslösungen, bei uns der Fabrikautomation zugerechnet werden, obwohl sie zumindest teilweise auch im PA-Umfeld eingesetzt werden.

SCOPE: Und welches sind ihre wichtigsten Absatzbranchen und wie entwickeln die sich derzeit?

Wolf: Als Fabrikautomatisierer ist Turck traditionell im Bereich der Automobilproduktion sehr stark, sowohl bei den Herstellern als auch bei den Zulieferern und automobilnahen Maschinenbauern. Aber auch im klassischen Maschinenbau zählen wir viele Hersteller zu unseren Kunden. Beide Branchen haben in den letzten Monaten sehr gelitten und das Umsatz-Tal noch immer nicht durchschritten. Anders verhält es sich in der Prozessautomation. Dort fällt der Abschwung deutlich geringer aus, weil viele langfristig angelegte Projekte weiterhin realisiert werden. Besonders unabhängig zeigen sich auch unsere Zielbranchen Pharma und Food & Beverage. Der Absatz von Arzneimitteln ist ebenso krisenfest wie der Lebensmittelsektor.

SCOPE: Zahlen sich jetzt Ihre Investitionen in den Food & Beverage-Markt aus?

Wolf: Eindeutig ja. Die aktuelle Situation ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich breit aufzustellen. Turck hat den Lebensmittelsektor vor zwei Jahren als zusätzlichen Zielmarkt definiert und mit einem eigenen Branchenmanager und Key Accounts auch personell die Voraussetzungen für eine steigende Marktakzeptanz geschaffen. Auch wenn es hier noch viel zu tun gibt, arbeiten wir heute bereits mit vielen namhaften Maschinen- und Anlagenbauern zusammen. In Holland beispielsweise sind wir traditionell sehr stark im Lebensmittelsektor. Im Vergleich zu Ländern mit einem höheren Anteil an Automobilproduktion haben dort "nur" einen Umsatzrückgang im Bereich von 12-15 Prozent.

SCOPE: Ein Schwerpunkt der Innovationen bei Turck war in den letzten Jahren das Thema RFID. Wie entwickelt sich der Markt und sehen Sie hier noch neue Wachstumsfelder?

Wolf: Der RFID-Markt bietet ein nahezu unerschöpfliches Potenzial, weil immer mehr Anwender erkennen, welchen Mehrwert die Technologie bringt. In unserem RFID-System BL Ident kombinieren wir unser Know-how aus allen Unternehmensbereichen, von der Sensor- über die Anschluss- bis zur Feldbustechnik. So ist das System ideal für den Einsatz im industriellen Umfeld und kann zudem besonders einfach in bestehende Infrastrukturen eingebunden werden. Wir arbeiten kontinuierlich an applikationsoptimierten Erweiterungen und bieten inzwischen zahlreiche Komponenten wie beispielsweise Datenträger für Hochtemperatur bis 210 °C oder für Autoklaven oder passgenaue Schreibleseköpfe für Rollenbahnen.

SCOPE: Sie stellen auf der SPS/IPC/Drives einen neu entwickelten Linearwegsensor vor, der mit seinem Resonator-Messprinzip alle potentiometrischen und magnetostriktiven Wegerfassungslösungen ersetzen kann. Können Sie die Entwicklung noch etwas näher beschreiben und für welche Anwendungen eignet sie sich?

Wolf: Bei unserer Neuentwicklung erfolgt die Positionserfassung, anders als bei magnetostriktiven oder herkömmlichen induktiven Wegaufnehmern, nicht mittels magnetischen Positionsgebers, sondern über einen induktiven Resonator, also ein schwingungsfähiges System aus Kondensator und Spule. Das Resonator-Prinzip ist deutlich unempfindlicher gegenüber elektromagnetischen Störeinflüssen. Durch den Verzicht auf Magnetkörper werden zudem unerwünschte Spanansammlungen am Positionsgeber ausgeschlossen. Und dank extrem kurzer Blindzonen und der Möglichkeit, den Sensor auf den gewünschten Messbereich zu programmieren, muss der Anwender nicht mehr länger Sondervarianten für spezielle Applikationen vorhalten. Darüber hinaus verfügt die LI-Serie als einzige Wegerfassungslösung auf dem Markt über die herstellerunabhängige IO-Link-Schnittstelle, die Anwendern zahlreiche Vorteile bei Inbetriebnahme, Wartung und Lagerhaltung bietet.

SCOPE: Vom reinen Sensorhersteller hat sich Ihr Unternehmen zum Automatisierer entwickelt. Zur SPS werden Sie das erste Mitglied Ihrer neuen HMI-Familie (Human Machine Interface) vorstellen. Was zeichnet diese Innovation aus?

Wolf: Das erste Modell unserer neuen HMI-Serie, das VT250, bringt nicht nur Visualisierungs- und Steuerungsfunktionen mit, sondern - wie die Kunden es von uns erwarten dürfen - vor allem ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten zwischen Feldbussen und Realtime-Ethernet. Dabei kann das Gerät in jeder Richtung sowohl als Master wie auch als Slave konfiguriert werden. Mit seinen zwei Realtime-Ethernet-Ports an der Unterseite bietet das VT250 als eines von wenigen Geräten am Markt die Möglichkeit, das System auch in Linientopologie zu installieren. Und offene Standards wie CoDeSys garantieren unseren Kunden eine hohe Zukunftssicherheit ¿ made in Germany.

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