Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Märkte + Unternehmen> Interviews> Immer antizyklisch investiert

GetriebemotorenImmer antizyklisch investiert

SCOPE: Herr Küchenmeister, am 1. April vor 40 Jahren haben Sie Getriebebau Nord mit Ihrem Partner Günter Schlicht gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seit damals entwickelt?

sep
sep
sep
sep
Wortwechsel: Immer antizyklisch investiert

Küchenmeister: Wir haben als reiner Getriebehersteller begonnen, und heute sind wir einer der wenigen Systemanbieter mit kompletter Fertigungstiefe. Das haben wir im Großen und Ganzen in drei Schritten erreicht. Zunächst haben wir ein paar Jahre nach der Gründung die ursprüngliche Gehäuse-, Wellen- und Flanschfertigung um eigene Zahnräder ergänzt, sind also den Weg zum kompletten Getriebe gegangen. Der zweite wichtige Schritt war in den 80er-Jahren unser Einstieg in die Antriebselektronik. Und seit Mitte der 90er-Jahre produzieren wir auch Elektromotoren.

Humbert: Damit stammt also das gesamte Antriebssortiment aus eigener Fertigung. Im Laufe der Jahre sind uns dabei eine ganze Reihe wichtiger Entwicklungen gelungen.

SCOPE: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Anzeige

Küchenmeister: Das Paradebeispiel ist sicher das Blockgehäuse. Damit haben wir 1981 den Getriebebau praktisch revolutioniert. Vorher setzte man auf zwei Halbschalen. Bei unserem neuartigen Gehäuse-Gussblock gab es erstmals integrierte Lagerstellen – also keine Dichtflächen mehr, die sensibel auf Drehmoment- und Querkräfte reagierten.

Humbert: Besonders stolz sind wir, um noch ein anderes Beispiel zu nennen, auch auf das High-End-Produkt aus unserem Elektronikprogramm: Wir haben bekanntlich vor wenigen Jahren einen hochdynamischen Servoregler entwickelt, der dank seines Hardware-Designs zu den schnellsten Modellen auf dem Markt gehört. Das neue ist seine Architektur, die auf einem einzigen digitalen Signalprozessor basiert.

SCOPE: Über Jahrzehnte haben Sie den kapitalintensiven Einstieg in neue Geschäftsfelder forciert. Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen, entsprechend schnell Umsatz und Marktanteile ausbauen zu müssen?

Humbert: Für uns hat sich eine einfache Strategie bewährt: Wir haben schon immer antizyklisch investiert. Und wir konnten die Vorteile nutzen, die uns das speziell am Beginn von Aufschwungphasen verschafft hat – während bei anderen Marktteilnehmern Kapazitätsengpässe das Wachstum behinderten. Nehmen Sie das letzte Jahr als Beispiel: Bei uns stieg der Umsatz prozentual zweistellig auf etwa 200 Millionen. Und dieser Trend setzt sich im Augenblick fort.

SCOPE: Was für Kunden stehen hinter dieser Erfolgsbilanz? Konzentrieren Sie sich auf bestimmte Branchen?

Küchenmeister: In gewissen Grenzen. Antriebe sind natürlich eine Querschnittstechnologie. Wir haben Tausende von Kunden und sind prinzipiell überall zu Hause – ob in der Holzverarbeitung, bei Baumaschinenherstellern, in der Druck- und Papierbranche, in der Textilindustrie...

Humbert: ...aber Schwerpunkte gibt es natürlich. Dazu zählt der Chemie-, Pharma- und Food-Sektor, zum Beispiel mit Pumpenumrichtern, Servoreglern für Abfüll- und Dosieranlagen oder Antrieben in der Fördertechnik. Ein anderer bedeutender Markt für Nord ist die Automobilfertigung mit ihrem sehr breiten Spektrum an Antriebsaufgaben: Das reicht von intelligenter Elektronik für Positionieraufgaben oder Bearbeitungsanwendungen, natürlich auch bei den Zulieferern, bis hin zu unseren Nordac Trio SK 300E-Einheiten, die Getriebemotor und Frequenzumrichter kombinieren. Speziell dezentral werden diese Systeme in großer Zahl eingesetzt, etwa bei Zwischentransporten an Förderbahnen aller Art. Auch Gepäckförderanlagen an Flughäfen rüsten wir aktuell übrigens verstärkt mit solchen Antrieben aus.

SCOPE: Dezentrale Antriebe, wie Sie sie gerade für die Fördertechnik erwähnt haben, liegen im Trend. Wie sieht Ihre Produktpalette aus?

Humbert: Wir haben mit unseren ­Nordac-DA-Einheiten ein eigenes Segment für die dezentrale Antriebstechnik im Programm. All diese Aggregate lassen sich besonders leicht handhaben, sehr viele sind etwa mit bequemen Systemsteckern ausgestattet. Und bei der Steuerungslösung haben Sie die freie Wahl – zum Beispiel zwischen vollintegrierten Systemen mit Motorschalter im Klemmenkasten des Motors oder an Feldverteiler anschließbaren Einzelantrieben. Bei denen hängen die Verteiler dann am Feldbus und bringen die benötigten I/O-Baugruppen für Sensoren und Aktoren, integrierte Motor- und Reparaturschalter oder zusätzlich integrierte Umrichter mit.

SCOPE: Ähnliche Wahlfreiheit bieten auch andere Antriebshersteller. Was macht denn aus Anwendersicht noch einen Unterschied aus?

Küchenmeister: Neben der Produktqualität ist immer entscheidender, was sonst noch geboten wird. Wir arbeiten deshalb bei den einfacheren Systemen ständig an praxisorientierten Erweiterungen und Varianten. Und für komplexere Anwendungen bieten unsere spezialisierten Vertriebsingenieure eine ausführliche Beratung zur Optimierung an.

Humbert: Mal konkret gesagt: Wir lassen uns beispielsweise auch ganz handfeste Erleichterungen für den Alltag in der Produktion einfallen. Sehr oft geben uns unsere Kunden dazu einen Anstoß, den wir aufnehmen und direkt umsetzen. Viel Anklang finden zum Beispiel die Drehregler für den Handbetrieb, mit denen wir unsere integrierten Trio-Systeme auf Wunsch ausstatten.

SCOPE: Blicken wir noch in die Zukunft. Wie geht es weiter bei Nord?

Humbert: Wir bleiben auf Expansionskurs. In 28 Ländern sind wir heute mit Fertigungsstätten, Montagezentren oder Service-Stützpunkten vertreten. Zuletzt haben wir sowohl bestehende Standorte in Europa erweitert oder modernisiert – in Italien, am Stammsitz in Bargteheide und in Aurich –, als auch neue Kapazitäten außerhalb Europas geschaffen. Zu einem Schwerpunkt für uns hat sich China entwickelt: In Shanghai werden wir bald 10.000 Quadratmeter Produktionsfläche haben. Und 2005 eröffnen wir unter anderem eine neue Niederlassung in Indien.

SCOPE: Und was ist technologisch Ihr nächster Schritt?

Humbert: Aktuell vertiefen und erweitern wir unser Programm explosionsgeschützter Motoren und Getriebe. Den Ex-Schutz haben wir schon seit mehreren Jahren zu einem unserer wichtigsten Know-how-Felder ausgebaut. Davon können Sie sich leicht selbst überzeugen: Das Angebot dazu steht im Mittelpunkt unserer Messepräsentation in Hannover. Kommen Sie einfach vorbei!

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zu dieser Firma

Produkt der Woche: Dezentrale Antriebe und Kompakt-Umrichter

Produkt der WocheDezentrale Antriebe und Kompakt-Umrichter

Die Antriebselektronik stellt zum einen die erst im letzten Jahr neu eingeführte Baureihe....

…mehr
Antriebskomponenten von Nord Drivesystems

Fördertechnik am FlughafenNord zeigt effiziente Antriebspakete für die Gepäckbeförderung

Auf der Fachmesse Inter Airport Europe 2015 (6.-9. Oktober, München) zeigt Nord Drivesystems Antriebskomplettlösungen für Gepäckförderanlagen, bestehend aus Energiesparmotoren, leistungsfähigen dezentralen Frequenzumrichtern (Spitzen-Systemeffizienzeinstufung IES2) und zweistufigen Kegelradgetrieben.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Helmut Schmid

Helmut Schmid, Geschäftsführer der...„Unsere ‚Do it yourself‘- Strategie schafft Mehrwerte“

Die dänische Roboterschmiede Universal Robots gilt als Pionier für kollaborierende Robotertechnologie. Die Roboterarme können ohne Schutzbehausung direkt neben den Mitarbeitern aus Fleisch und Blut eingesetzt werden und ihnen monotone und belastende Arbeitsschritte abnehmen.

…mehr
Ralf Willmes

Interview mit Ralf Willmes„Zurzeit gibt es noch keine standardisierte ‚Industrie-4.0-Schnittstelle‘“

Eine durchgängige Kommunikation vom Feldgerät bis ins ERP- System sollte die Basis einer Industrie 4.0 in der Prozessautomatisierung sein. Allerdings fehlen Standards und Schnittstellen ebenso wie das Bewusstsein für die Risiken und Möglichkeiten von cloud-basierten Lösungen, wie SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder im Interview mit Ralf Willmes, Produktmanager Digitalisierung bei Endress+Hauser, erfahren hat.

…mehr
Harald von Heynitz

Interview mit Harald von Heynitz„Der dritte Arm des Mitarbeiters“

Der Industrieroboter liegt im Trend. Im vergangenen Jahr wurden laut internationalem Branchenverband IFT erstmals mehr als 240.000 Einheiten verkauft. Harald von Heynitz ist Partner, Audit und Head of Industrial Manu-facturing bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

…mehr

Neue Stellenanzeigen