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Erodiermaschinen, Fräsmaschinen„Investition in die Zukunft“

Der Fräs- und Erodiermaschinenhersteller GF Agie Charmilles hat sich in Deutschland mit dem neuen World Application Center neu aufgestellt. Deutschland-Geschäftsführer Bruno Allemand erläutert Chefredakteur Hajo Stotz, welche Potentiale er im Markt sieht, welche Aufgabe das neue Anwendungszentrum in Schorndorf hat und wie dieses den Anwendern helfen kann, erhebliche Kosten einzusparen.
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Fräsmaschinen: „Investition    in die Zukunft“

SCOPE: Herr Allemand, am Standort Schorndorf hat Agie Charmilles gerade ein neues Anwendungszentrum eröffnet, gleichzeitig entlässt Ihr Unternehmen Mitarbeiter. Wurde die Marktentwicklung falsch eingeschätzt?

Allemand: In Deutschland haben wir - ganz speziell im Bereich Fräsen - keine Arbeitsplätze abgebaut. Im Gegenteil: Vor einem Jahr hatten wir insgesamt 170 Mitarbeiter, heute haben wir, trotz der Reorganisation nach dem Zusammenschluss von Agie, Charmilles und Mikron, in Deutschland 190 Mitarbeiter. In der Applikation Fräsen so wie im Service, haben wir 15 neue Stellen geschaffen. Wir sind personell gut aufgestellt, haben die Prozesse optimiert, das gesamte Produktspektrum bereinigt und konnten wirklich erstklassige Produkte im Markt etablieren, wir haben das World Application Center in Betrieb genommen. Momentan weiß zwar wegen der konjunkturellen Krise niemand, wie sich der Markt die nächsten Monate entwickelt. Aber wir sind heute so aufgestellt, dass wir bei einem Anziehen der Wirtschaft dabei sind.

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SCOPE: Welche Aufgabe hat das neue World Application Center in Schorndorf?

Allemand: Deutschland ist für GF AgieCharmilles einer der wichtigsten Märkte und wir sind überzeugt, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Gerade deshalb ist der Entscheid zum Bau unseres World Application Center in Schorndorf gefallen. Selbstverständlich konnte niemand von einer solchen Marktentwicklung ausgehen, wie wir sie zurzeit erleben. Das neue World Application Center von GF AgieCharmilles vereinigt eindrücklich unsere Schlüsseltechnologien und Kompetenz unter einem Dach. Es ist eine Investition in die Zukunft unseres Unternehmens. Hier hat GF AgieCharmilles Deutschland alles an einem Standort: das Fräsen, das Erodieren, die Automation. Wir haben hier sieben Hochgeschwindigkeits-Hochleistungs-Fräsanlagen. Und hier haben wir elf Erodier-Anlagen im Schneiden und Senkenerodieren. Damit wollen wir einerseits dem Kunden zeigen, welche neuen technologischen Möglichkeiten es gibt, sei es im Fräsen oder Erodieren. So können wir dem Kunden in der Praxis zeigen, welche Möglichkeiten unsere Maschinen für seine Anwendungen bieten, so dass er in seinem Betrieb, ob im Fräsen oder Erodieren, die richtige Technologie einsetzen kann, um eben auch in Zukunft seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu gehören Versuche, die wir hier durchführen, dazu gehören die Maschinen, die Schulungen, dazu gehören der Vertrieb und der Service. Das alles haben wir hier am World Application Center in optimaler Form. Und das Center wird nicht nur vom deutschen Markt genutzt, sondern auch von unseren Kollegen aus dem benachbarten Ausland.

SCOPE: Welchen Anteil hat der deutsche Markt für GF Agie Charmilles?

Allemand: Das ist der größte Markt für GF AgieCharmilles, sei es im Schneiden-, sei es in der Senkerosion, und auch im Fräsen. Im Fräsen gibt es für GF AgieCharmilles Deutschland noch ein riesiges Potential unseren Anteil erheblich zu steigern.

SCOPE: Im Bereich Erodiermaschinen hat Agie Charmilles einen Marktanteil in Deutschland von über 40 Prozent, bei den Fräsmaschinen bewegen Sie sich im einstelligen Bereich. Wie wollen Sie den Marktanteil im Fräsen ausbauen? Und welche Potentiale sehen sie in diesem Bereich im deutschen Markt?

Allemand: Marktanteile kommentieren wir nicht. Unser Marktanteil beim Fräsen wächst, und dies ist auch für die Zukunft unser Ziel. Wir haben nun die entsprechenden Strukturen geschaffen, haben unseren Direktvertrieb mit 26 Verkaufsingenieuren aufgestellt, und sind damit sehr nahe beim Kunden. Unsere Maschinen sind sowohl im 3- wie auch 5-Achs-Fräsen mit führenden Technologien ausgestattet, wir besitzen das neue World Application Center mit Anwendungstechnikern und Produktspezialisten. Eine solche Kompetenz können nur wenige unserer Wettbewerber zeigen. Was wir noch erheblich ausbauen wollen, ist unser Marktanteil außerhalb des Werkzeug- und Formenbaus, in der Fertigung von hochpräzisen Teilen.

SCOPE: Nach der Übernahme in 2002 durch GF AgieCharmilles hat sich Mikron bis 2007 einen guten Namen vor allem im Bereich HSC- und HPC Fräsen gemacht. War die Aufgabe des Firmennamens Mikron ein Fehler, weil die meisten Kunden den Namen Agie Charmilles eben mit Erodieren verbinden?

Allemand: Ich stelle fest, dass im Markt zunehmend bekannt wird, wie breit die Angebotspalette von GF AgieCharmilles ist: Fräsmaschinen, Erodiermaschinen, Automationslösungen und ein umfassendes Servicegeschäft, dazu Verbrauchsmaterial und Verschleißteile. 2002 hat GF AgieCharmilles das Fräsgeschäft aus der noch heute bestehenden Mikron übernommen. Damit verbunden waren die Nutzungsrechte des Namens Mikron auf Produktebene. So enthalten unsere Fräsmaschinen allesamt den Namen Mikron in der Bezeichnung. Wer heute also eine Mikron kauft, der bekommt auch eine - nur dass sie eben von GF AgieCharmilles kommt.

SCOPE: Kann es sein, dass den Kunden der Nutzen des Zusammenschlusses von Agie, Charmilles und Mikron noch nicht recht klar geworden ist?

Allemand: Das ist möglich. Es ist die Aufgabe von jedem einzelnen unserer 190 Mitarbeiter, das tagtäglich im Kontakt mit dem Kunden klarzumachen. Die Kunden, sei es im Fräsen oder Erodieren, sind Spezialisten, die wissen, was sie benötigen. Speziell im Fräsen wissen sie aber oft noch nicht, dass wir es anbieten. Und sie suchen ja auch meist keine Maschine, sondern eine Lösung für ein Problem. Genau das bieten wir: Die richtige Maschine mit der kompetenten Beratung. Und durch unseren Direktvertrieb mit Ingenieuren, von denen jeder bis zu sechs Firmen täglich besucht, erhalten wir natürlich umfassende und wertvolle Informationen - was der Kunde benötigt und wie der Kunde ¿tickt¿. Das Ziel ist eben, beim Kunden im Hinterkopf präsent zu sein, wenn er über die Lösung einer Anwendung nachdenkt, sei es im Fräsen oder Erodieren.

SCOPE: Im Bereich Fräsen sieht man GF AgieCharmilles besonders stark im mittleren und oberen Preissegment. Wie sieht es mit den Angeboten im unteren Preissegment aus?

Allemand: Wir haben keine Maschinen im Programm, die weniger als 60.000 Euro kosten. Wir haben Maschinen für das Standard-Fräsen und im HPM- und HSM-Bereich, und das ist auch unsere Stärke. Die Maschinen im Standard-Fräsen beginnen bei 70.000 Euro, je nach Konfiguration. Niedriger wollen und können wir mit unserem Angebot nicht gehen. Unsere Maschinen sind durchweg mit Komponenten namhafter Hersteller, wie Siemens-Antrieben oder Heidenhain-Steuerungen ausgerüstet, und das hat seinen Preis. Wie sich unser Markt in den nächsten Jahren entwickelt, weiß niemand genau zu sagen, aber wir sind überzeugt, dass er sich gut entwickelt. So entwickelt sich etwa der Mikron HPM-Bereich für das HPC-Fräsen, für den wir vor einem Jahr unsere komplett neue Maschinenpalette vorgestellt haben, sehr erfreulich. Der Low-Cost-Bereich ist sicher ein interessanter Markt, aber dort spielen bereits viele Anbieter, und es werden immer mehr.

SCOPE: Welchen Anteil haben derzeit drei - und welchen fünfachsige Maschinen am Verkauf?

Allemand: Wir sehen, dass der Trend seit Jahren zum 5-Achs-Fräsen geht, genauer gesagt eigentlich zum 5-Seiten-Fräsen. 80 Prozent der Kunden setzen die fünfte Achse nicht simultan ein, sondern als Anstellachse. Im Standardfräsen dominiert eindeutig das 3-Achs-Fräsen. Im HPM und HSM sehen wir dagegen jährlich eine starke Steigerung der 5-Achs-Maschinen. Derzeit liegt ihr Anteil bei etwa 2/3. Dieser wird weiter steigen.

SCOPE: Sie sprechen bisher vor allem den Werkzeug- und Formenbau an, ein stagnierender Markt in Deutschland. Für welche weiteren Märkte sind die Mikron Fräsmaschinen interessant?

Allemand: Wir sind durch unsere starke Position im Erodieren natürlich sehr auf den Werkzeug- und Formenbau fokussiert. Aber bereits heute geht über die Hälfte unserer Fräsmaschinen in Bereiche, wo nicht erodiert wird, aber hochwertige Teile hergestellt werden. Und dieser Markt bietet für uns, wie gesagt, noch sehr viel Potential. Das ist auch die Aufgabe, die wir vor uns haben, über unseren Direktvertrieb. Und der Bereich entwickelt sich für uns sehr positiv, wir konnten in den letzten Jahren unseren Marktanteil hier ausbauen. Der Fräsmaschinenmarkt ist 3.000 Maschinen groß in Deutschland. Und gerade in einer konjunkturellen Situation wie derzeit können wir unser ¿Kuchenstück¿ noch erheblich vergrößern. Das wollen wir auch tun.

SCOPE: Wo sehen Sie auf technologischer Seite das größte Entwicklungspotenzial im Bereich Fräsmaschinen? Können dabei die zwei Bereiche Erodieren und Fräsen voneinander profitieren?

Allemand: Technologisch wird es unserer Meinung im Moment keine sprunghaften Entwicklungen geben ¿ mit HSM und HPM haben wir in den letzten Jahren große Schritte gemacht. Wir sehen für den Kunden derzeit mehr Potenzial darin, bestehende Technologien besser zu nutzen. So haben wir eine ganze Reihe von Anwendern, die mit unseren Maschinen erodieren, aber die Fräsarbeiten nach außen vergeben. Unsere Ingenieure wollen gemeinsam mit den Kunden untersuchen, welche Kosten-, Qualitäts- und Zeitvorteile zu erzielen sind, wenn sie die Fräsarbeiten selbst durchführen. Das gleiche gilt auch umgekehrt für die Fräser. Da sehen wir ein sehr großes Potential, das wir auch hier am World Application Center zeigen können. Beispielsweise hatten wir vor kurzem einen Kunden hier, dem wir so eine Kostenersparnis von 46 Prozent erzielen konnten. Es gibt keinen Wettbewerber, der dieses kombinierte Know-How von Erodieren und Fräsen besitzt oder zeigen kann.

SCOPE: Welche Rolle spielt für Ihren Kundenkreis die Automatisierung des Fräsprozesses?

Allemand: Früher war von 10 Maschinen eine automatisiert - heute sind im HSC Fräsen von zehn Maschinen acht automatisiert. Wieso? Weil heute die Automation nicht mehr 100.000 Euro kostet, sondern 25.000 Euro. Das Ziel ist es doch, ein Teil von links nach rechts zu bekommen. Bei unserer Klientel spielt es keine große Rolle, ob das jetzt in 2:20 oder 1:50 Minuten erfolgt. Wichtig ist, dass das mannlos erfolgt. Und das mit bis zu einer Tonne Werkstückgewicht. Denn unsere Maschinen werden nicht für die Stückzahl-Produktion, sondern für die Produktion hochwertiger Teile eingesetzt. Daher haben wir gesagt, für diese Anforderungen entwickeln wir unsere Automation selbst und bauen sie komplett in der Schweiz. Das ist ein einfaches, aber sehr funktionales Konzept für die Einzelfertigung. Da sehen wir ein sehr großes Potential. Alle unsere neuen Produkte im Fräsbereich bieten wir heute mit eigener Automationslösung an.

SCOPE: Welche Neuigkeiten können wir dieses Jahr von Agie Charmilles noch im Fräsmaschinenbereich erwarten?

Allemand: Zur EMO Mailand 2009 werden wir viele interessante Neuheiten im Fräs- und im Erodierbereich vorstellen, die wir dann in einer Nach-EMO-Hausmesse auch in Schorndorf nochmals zeigen. Dazu laden wir bereits heute alle SCOPE-Leser herzlich ein.

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