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Elektromechanische Lösungen„Viele Freunde“

Die Parker Hannifin Electromechanical Automation Europe mit Sitz in Offenburg ist Teil der Parker Hannifin Cooperation, Automation Group. Marketingleiter Henry Claussnitzer nimmt gegenüber Chefredakteur Hajo Stotz Stellung zu Fragen der Energie- und Wartungseffizienz, informiert über neue Ideen und Lösungen und stellt das Unternehmen vor.
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Elektromechanische Lösungen: „Viele Freunde“

SCOPE: Vielen Lesern wird Parker Hannifin als Entwickler und Hersteller hydraulischer und pneumatischer Komponenten bekannt sein, - Komponenten, die gleichsam im Visier der Elektromechanik liegen. Sind Sie da mit Ihren elektromechanischen Lösungen nicht unwillkommener System-Konkurrent im eigenen Haus?

Claussnitzer: Parker hat den Begriff der Mechatronik weltweit mit geprägt und ist traditioneller Hersteller elektronischer und mechanischer Komponenten. Wir bieten aufeinander abgestimmte Lösungen aus beiden Welten an. Im Mittelpunkt der weltweit rund 62.000 Parker-Mitarbeiter steht - und das ist wichtiger Teil unserer Unternehmensphilosophie - immer das Kundeninteresse. Mehr als 100.000 Parker-Produkte dienen einzig dazu, entsprechend der Aufgabenstellung unserer Kunden eine technisch vernünftige, wirtschaftliche Lösung zu ermöglichen. Parker bietet dazu eine immens breite Palette an Verfahren und Technologien und da ist es selbstverständlich, dass wir Systemwettbewerb intern nicht nur zulassen, sondern fördern. Neue Ideen, verbesserte Automations- und Antriebslösungen machen unsere Kunden mit ihren Produkten und Prozessen noch erfolgreicher und ermöglichen ihnen alle Lösungsvarianten mit einem einzigen Partner. Also: Ich habe viele Freunde auch unter den Parker Hydraulik- und Pneumatik-Experten.

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SCOPE: Was fertigt Parker Hannifin in der Automation Group?

Claussnitzer: Als europäischer Teil der Electromechanical Division entwickelt und produziert die Parker Hannifin Electromechanical Automation Europe, abgekürzt EME, Komponenten und Systeme für die Bewegungsautomation. Unser Produktprogramm umfasst Linearachsen, Linearmotorachsen, elektrische Zylinder, Servomotoren, Servoantriebe, Positioniersteuerungen und Bediensysteme. Basierend auf diesem Produktangebot werden unter anderem auch kundenspezifische Palettierroboter sowie komplette Bewegungs- und Handhabungslösungen für die industrielle Automation realisiert.

SCOPE: Wenn Sie die wichtigsten Aspekte der gegenwärtigen Automationsentwicklung zusammenfassen würden, welche Rangreihe sehen Sie da?

Claussnitzer: Für mich sind vier Entwicklungen von besonderer Bedeutung. An erster Stelle steht die Energieffizienz. Wir werden in diesem Zusammenhang einen regelrechten Technologiewechsel von der Pneumatik hin zur Elektromechanik, aber auch von der Hydraulik zur E-Mechanik erleben; (noch) ausgenommen die Hydraulik unter hoher Leistungsdichte, wie sie bei Großpressen im Einsatz ist. Ein zweiter Punkt ist die Geräuschsenkung in der Produktion. Schallemissionen wird nicht nur von Gesetz wegen überall der Kampf angesagt. Mit der E-Mechanik machen wir das Arbeitsumfeld leiser und ersparen den Betreibern teuere Schallschutzeinhausungen und die damit oft verbundenen Behinderungen in Produktion und Wartung. Natürlich ist auch die ausgedehnte Prozesskontrolle ein höchst wichtiges Thema. Die Sensorik stellt uns immer mehr Daten zur Verfügung und via Steuerung beeinflussen wir immer mehr Parameter. Ziel ist letztlich die Wiederholgenauigkeit, die bestmögliche Produktqualität. Als vierten Punkt sehe ich damit in unmittelbarem Zusammenhang die Life-Cycle Costs, in deren Mittelpunkt das Condition Monitoring steht. Wir helfen unseren Anwendern Kosten zu senken, wenn wir Ihnen sagen können, wann genau eine vorbeugende Wartung erfolgen soll. Kennt die einfache Pneumatik die Daten "Zylinder auf/zu", also die Anschlagposition und den Druck, kann uns das elektromechanische System eine Fülle von Daten zur Verfügung stellen: Es zählt die Arbeitstakte, misst Strom, Spannung, Drücke, kontrolliert Durchflüsse, Temperaturen, Füllstände, überwacht Viskositäten und gibt die aktuelle Position; diese Werte mit Statistikdaten verglichen, ermöglichen die rechtzeitige Meldung, wenn sich eine Komponente dem Ende ihrer Lebensdauer nähert. Wir können damit frühzeitig Schleppfehler erkennen und nach den Ursachen wie schlechte Schmierung, schlecht justierte Spindeln, klemmendes Material forschen.

SCOPE: Können Sie ein Beispiel nennen, wo die Energieeffizienz einer Parker Lösung besonders deutlich wird?

Claussnitzer: Nehmen Sie die zentrale Drucklufterzeugung, den für die Luftaufbereitung verbundenen Einsatz von Trocknern, Kühlungssystemen und den Aufwand für die Speicherung und Verteilung. Dort haben wir eine Energieeffizienz von 15 bis 25 %, die beim Druckluftverbraucher ankommt. Die Energiebilanz bei hydraulischen Antrieben ist zwar nicht ganz so dramatisch, aber in der E-Mechanik liegen wir bei nahezu 100 %. Anwender sollten auch immer die "versteckten" Kosten sehen, wie etwa Fluide und deren Wechsel. Nehmen Sie das Beispiel des pneumatisch basierten Schweißzangeneinsatzes in der Automobilfertigung. Ein kleinerer Serienhersteller hat in seinen verschiedenen Werken weltweit etwa 5.000 Schweißzangen im Betrieb. 5.000 pneumatisch angetriebene Schweißzangen verursachen Energiekosten von jährlich ca. 2,5 Millionen Euro. Gemessen an der Gesamtlebensdauer von ca. 6 Jahren verursachen diese Schweißzangen folglich etwa 15 Millionen Euro Energiekosten. Mit der elektromechanischen Automation könnte der Fahrzeughersteller mehr as zwei Drittel davon einsparen! Außerdem ist nach etwa 3 Millionen Schweißzyklen die Instandsetzung der Pneumatikzylinder fällig. Ein elektromechanisches System ¿lebt länger¿ und das gilt für alle elektromechanischen Lösungen.

SCOPE: Welchen Stellenwert haben in Ihren Überlegungen die gegenwärtig vieldiskutierten sicherheitstechnischen Aspekte?

Claussnitzer: Auch da haben wir mit der Elektromechanik gute Karten: Wir können allen Antrieben die für die Wartung erforderliche Geschwindigkeit in "zertifizierter" Weise einstellen. Wir erreichen den sicheren Stillstand und verhindern unkontrolliertes Anlaufen anders als in der Fluidtechnik, wo nicht antriebsbasiert geschaltet wird, sondern ein Ventil für den entsprechenden Zustand sorgt.

SCOPE: Verraten Sie uns noch, an welchen Produkten Sie gegenwärtig arbeiten, mit welchen Neuheiten aus dem Hause Parker zu rechnen ist?

Claussnitzer: Wir werden anlässlich der SPS in Nürnberg brandneu die nunmehr komplette Compax-3 Familie vorstellen. In Einzel- und Mehr-Achsausführung, für Schwerlast und als Hybridregler. Auch für Fluid- und Hydraulikachsen. Erstmals zu sehen in Halle 1 Standnummer 410.

SCOPE: Wie sieht die künftige Entwicklung rund um die Elektromechanik aus?

Claussnitzer: Dazu muss ich nicht weit in die Zukunft blicken: Wir werden ebenfalls zur SPS Messe im November den Triple Power Drive auf den Markt bringen, einen innovativen 3-Achsregler in einem einzigen Gehäuse. Das gab es bislang noch nicht! Damit ermöglicht Parker den kostengünstigen Ausbau mehrachsiger Systeme. Ein Gehäuse für drei Achsen, deutlich weniger Verkabelungsaufwand, geringer Platzbedarf im Schaltschrank, Zeitersparnis bei der Montage, weniger Komponenten, ein zentraler Netzfilter, nur ein Bremswiderstand. All das hilft Kosten zu sparen. Im DC-Bus-System erreichen wir eine Energiekompensation, was - je nach Applikation - kleinere oder auch recht große Energieeinsparungseffekte mit sich bringt. Die Systemkonfiguration per SD-Card macht außerdem den Laptop vor Ort überflüssig. Die Gerätekonfiguration kann dann bequem im Büro auf der SD-Card per PC erfolgen. Klar, dass dann auch eine USB-Schnittstelle gegeben sein wird. Hinzu kommt die Entscheidung von Parker, nicht nur primär in den USA die Präzisionstechnik hochzuhalten. Wir bauen gegenwärtig hier in Europa die Strukturen dazu auf und werden in Deutschland eine entsprechende Fertigung sowie Vertrieb und Service einrichten. Wir haben für dieses HighTech-Angebot insbesondere die Märkte der optischen Industrie, der Elektronik- und Halbleiterindustrie im Auge. Dazu gehören auch überzeugende Simulatorenlösungen.

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