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E-CAD„Zwischen den Extremen“

Um den Herausforderungen des heutigen dynamischen und wettbewerbsorientierten Elektronikmarktes zu begegnen, entwickelt Zuken Produkte und Dienstleistungen zur Unterstützung von Firmen. Gerhard Lipski, CEO der Zuken USA und General Manager Europe der Zuken GmbH beschreibt Chefredakteur Hajo Stotz, in welche Richtung das Unternehmen seine Fühler ausstreckt.
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E-CAD: „Zwischen den Extremen“

SCOPE: Herr Lipski, Zuken wurde 1976 in Japan gegründet und ist heute weltweit einer der führenden Anbieter und Hersteller von Software Solutions for Electrical and Electronic Engineering. Welches sind die wichtigsten Märkte für Ihr Unternehmen?

Lipski: Regional gesehen sind die drei großen Märkte mit mehr als 90 Prozent Umsatzanteil nach wie vor die USA, Europa und Asien, also speziell Japan. Die USA bilden sicher den größten Markt, Europa und Japan sind etwa gleich groß. Deutschland umfasst rund 50 Prozent des europäischen Marktes für den Entwicklungsbereich.

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SCOPE: Und welche Bereiche werden von Ihrem Unternehmen adressiert?

Lipski: Japan ist stark im Bereich Consumer Eletronic, während Europa, und speziell Deutschland, im Anlagenbau, Maschinenbau, Industrieelektronik und natürlich nach wie vor im Automobilbereich stark ist. Mit der Elektronik sind wir in Deutschland ebenfalls stärker bei den Automobilzulieferern vertreten. Als weitere wichtige Märkte haben wir hier noch die Medizintechnik, sowie den Train- und Transportbereich. In anderen europäischen Ländern unterscheidet sich das etwas. In Skandinavien haben wir beispielsweise viel Mobil-Technologie, Frankreich etwa ist stark im Luftfahrt- und Militärbereich.

SCOPE: Und wie entwickelt sich der deutsche Markt?

Lipski: Unser klassischer Markt, also der PCB-Entwicklungsbereich, stellt sich für uns als relativ stabil dar. Die traditionelle Leiterplattenenflechtung, wie es so schön auf deutsch heißt, macht also nach wie vor 75 Prozent unseres Umsatzes aus. Doch das Feld, das wir bedienen, verbreitert sich immer mehr in Richtung Systementwickler. Das heißt, es wird nicht mehr nur eine einzelne Baugruppe designed, sondern sehr früh in das komplette Systemdesign eingestiegen. Verdrahtung ist ein weiterer wachsender Bereich, und durch die Globalisierung nehmen Design-Datenmanagement und Library-Management immer mehr zu. Unser Aufgabenfeld erweitert sich also und wir sehen dadurch nach wie vor gutes Wachstumspotential in Deutschland - wenn man mal das letzte Jahr außer acht lässt.

SCOPE: Welchen Umsatz hat Zuken 2009 in Deutschland und Europa sowie in USA erzielt? Und wie war die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr?

Lipski: Im Geschäftsjahr 2009 erzielten wir einen weltweiten Umsatz von 202,5 Millionen Dollar. Unser Problem ist, dass wir als japanisches Unternehmen, das an der Tokioter Börse gehandelt wird, in Yen konsolidieren. Und damit sind wir ganz stark abhängig vom Yen/Dollar-Kurs. Rund 30 Prozent des Umsatzes werden außerhalb von Japan erzielt. 20 Prozent davon in Europa, rund 6 Prozent in den USA. Doch der prozentuale Anteil dieser beiden Märkte wächst.

SCOPE: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Zuken in Deutschland und weltweit?

Lipski: In Hallbergmoos beschäftigen wir ungefähr 65 Mitarbeiter, weitere 75 in Ulm sowie 12 Mitarbeiter in Paderborn. Dabei handelt es sich um eine kleine Entwicklungsabteilung, ein ehemaliger Spin-Off von Nixdorf, für einen speziellen Simulationsbereich. Weltweit beschäftigt der von mir verantwortete Bereich über 220 Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten bei Zuken rund 1.200 Mitarbeiter weltweit.

SCOPE: Die letzte Übernahme eines Unternehmens durch Zuken war die deutsche Cim-Team GmbH vor vier Jahren. Will Zuken aus strategischen Gründen möglichst organisch wachsen oder ergaben sich einfach keine besseren Gelegenheiten?

Lipski: In den letzten Jahren gab es im Wesentlichen drei Aquisitionen: 1994 die britische Racal Redac, dann 2000 die Incases in Paderborn, und dann 2006 CIM-Team in Ulm. Doch Sie haben recht, organisches Wachstum alleine reicht heute nicht mehr aus. Daher werden wir auch durch Zukäufe weiter wachsen. Aber sie müssen in unsere Gesamtstrategie passen. Nur zu kaufen, weil eine Firma gerade preiswert zu haben ist, aber man weiß nicht genau, wie sie in das Portfolio passt, machen wir nicht. Da gab es ja in den letzten Jahren schon genug negative Beispiele, wo sich kleinere Firmen an großen Akquisitionen verschluckt haben. Das ist sicher nicht unser Weg.

SCOPE: Wäre die Kriegskasse denn für eine passende Übernahme gefüllt?

Lipski: Auf jeden Fall. Die Aktien von Zuken sind zu 50 Prozent im Besitz der Familie Kaneko, und der Anteil der Fremdfinanzierung liegt bei Null. Unsere Assets sind mehr als ein Jahresumsatz, also rund 260 bis 280 Millionen Dollar. Sie sehen, wir haben eine gut gefüllte Kriegskasse. Aber wir legen eben Wert darauf, dass es strategische Akquisitionen sind. Entweder Technologie - Paderborn war so ein Fall - oder gesamte Geschäftsbereiche, wie Cim-Team.

SCOPE: Ihr Unternehmen verfügt über eine breite Produktpalette: CR-5000, Cadstar, E³ Series, E³ Wire-Works, DS2, 3DRouting-Bridge sowie Board Modeler. Wäre es nicht effizienter, die Entwicklungs- und Vertriebskapazitäten auf möglichst wenige Produkte zu konzentrieren?

Lipski: Unser gesamtes Angebot zielt ausschließlich auf den Bereich der elektronischen Entwicklung mit Verknüpfungen hin zum mechanischen Bereich, denn in immer mehr Geräten spielen Elektronik und Mechanik zusammen. Wir haben keine Produkte, die nicht in dieses Angebotsfenster passen. Auf Kundenseite bestehen natürlich unterschiedliche Anforderungen. Es gibt eigentlich keinen Kunden, der alles von uns hat, sondern die Firmen setzen entsprechende Konfigurationen aus einzelnen Bestandteilen ein. Aber das sind alles komplementäre Produkte, da gibt es keine Überlappungen oder konkurrierende Produkte. Wir haben die Entwicklungszentren aber so aufgebaut, dass Technologien, die in einem Entwicklungszentrum entwickelt werden, in verschiedenen Produkten verwendet werden. Das ist bewusst so koordiniert. Zudem kommen auch neue Bereiche hinzu, der Systemplaner etwa, der erst in dem letzten Jahr vorgestellt wurde. Aber das sind immer nur weitere Werkzeuge, um noch früher im Entwicklungsprozess mit den relevanten Entwicklungsarbeiten beginnen zu können.

SCOPE: Elektronik- und Mechanik-Konstruktion wachsen immer stärker zu machatronischen Systemen zusammen. Inwieweit unterstützen Zuken-Lösungen diesen Trend?

Lipski: Wir bieten Schnittstellen zu allen relevanten mechanischen Konstruktionslösungen, wie Solidworks, Dassault Catia und Siemens PLM NX. Mit PTC Pro Engineer finden derzeit Gespräche statt. Da gibt es also entsprechende Lösungen. Das kuriose ist aber: so viel auch über Mechatronik gesprochen und geschrieben wird - wir kennen keine Entwickler, die beides machen. Wir waren gerade wieder bei einem Kunden und haben dieses Thema intensiv diskutiert. Auch dort gibt es auf der einen Seite die Mechaniker und auf der anderen Seite die Elektroniker, und keine möchte von der anderen Seite etwas wissen. Man spricht zwar immer auf Managementebene darüber, aber auf Implementationsseite ist das Denken noch lange nicht soweit. Das ändert sich wahrscheinlich, es gibt ja seit Jahren zum Beispiel den Ausbildungsberuf Mechatroniker. Aber bis Mechatronik in der Praxis wirklich gelebt wird, dauert das noch Jahre.

SCOPE: Mit DS2 bieten Sie auch eine Lösung für e-PLM an. Wie entwickelt sich dieser Markt?

Lipski: Der e-PLM-Bereich ist für uns also der am stärksten wachsende Bereich. Wir haben gerade wieder Neukunden gewonnen, die wegen des Datenmanagements zu uns gekommen sind. Bei großen Firmen, die mit mehreren Entwicklungszentren in verschiedenen Ländern arbeiten und die gemeinsame Produkte entwickeln wollen, die die Entwicklungsarbeit nicht hin und her schieben wollen, da ist der Bereich Datenmanagement natürlich extrem wichtig. Zudem gibt es immer mehr Anwender, die Teile einer Entwicklung beim nächsten Modell wiederverwenden wollen - Re-use wird immer wichtiger. Zudem bauen immer mehr Firmen ein Plattformdesign auf. Das heißt, sie entwickeln Technologien, die unabhängig von einem Produkt funktionieren und die in neuen Produkten immer wieder verwendet werden können. Das geht natürlich nur mit dem richtigen Datenmanagement, und wir bieten hier die passende Lösung an.

SCOPE: Kann dieses Datenmanagement nicht auch durch herkömmliche PLM-Systeme übernommen werden?

Lipski: Diese Art von Datenmanagement ist mit herkömmlichen PLM-Systemen nicht einfach realisierbar, da eine extrem enge Verknüpfung zwischen dem PLM- und dem Entwicklungssystem vorhanden sein muss. Solche Fremdsysteme sind eigentlich für diese Aufgaben gar nicht vorgesehen. Wir sehen uns daher auch nicht als Wettbewerber im PLM-Markt. Denn unser System fokussiert sich auf den Bereich der Entwicklung, also work-in-process. Und nicht auf fertige Produkte, wenn es dann um Lifecycle-Management geht.

SCOPE: Und es ist auch nicht ihr Ziel, in diesen Bereich einzudringen?

Lipski: Zumindest nicht heute.

SCOPE: Herr Lipski, Sie sind gleichzeitig CEO der Zuken USA und General Manager Europe. Worin unterscheiden sich diese beiden Softwaremärkte am meisten?

Lipski:. Allein dadurch, dass in den USA die zwei großen anderen Anbieter zuhause sind, stellt sich der Markt ganz anders dar. Doch mit der zunehmenden Globalisierung ändert sich auch nun. Zum Beispiel haben sich große amerikanische Kunden wie die Firma RIM, Hersteller des Blackberrys, oder Lockheed Martin, für uns entschieden. Dieser Heimvorteil spielt also eine abnehmende Rolle. Sehr unterschiedlich sind aber nach wie vor die Entwicklungsprozesse, sowohl in Europa, den USA und auch in Japan.

SCOPE: Inwiefern?

Lipski: Es gibt jeweils typische Entwicklungsabläufe und man kann die Handschrift immer noch deutlich erkennen. Im Automobilbereich zum Beispiel ist in Japan die horizontale Entwicklungstiefe extrem hoch. In den USA ist genau das Gegenteil der Fall - dort wird fast alles nur noch über Zulieferer abgedeckt. In Europa bewegt man sich zwischen diesen beiden Extremen.

SCOPE: Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht beim Anwender für Zuken?

Lipski: Zuken ist zum einen ein sehr technologiegetriebenes Unternehmen. Speziell wenn wir die Leiterplattentechnologie nehmen, die heute alle Technologien mit Embedded Component, mit aktiven Komponenten usw., umfasst. Die Hersteller für fast alle diese Leiterplatten sitzen in Japan oder in China. Es gibt einen Hersteller in Deutschland, einen in Österreich, die sich ebenfalls mit dieser Technologie beschäftigen. Zu all diesen pflegen wir sehr engen Kontakt, von dem wir ¿ und damit der Kunde - auch Know-How-seitig profitieren. Der zweite Grund ist die Optimierung des Herstellungsprozesses. Dass wir immer mehr Lösungen anbieten, die sehr früh im Entwicklungsprozess eingesetzt werden können, unterscheidet uns auf alle Fälle von unserem Wettbewerb. Und nach wie vor ist natürlich das Produkt selbst in unserem Focus. Das heisst, wir bieten keine Entwicklungswerkzeuge für IC, für Silicon, für Asics, für Syntheseentwicklung an, sondern wir konzentrieren uns auf den Bereich des elektronischen Produktes. Und dieser Fokus ist unsere Stärke.

SCOPE: Und welche Erwartungen haben Sie an 2010?

Lipski: 2010 ist für uns, wie alle anderen auch, ein Jahr der Erholung. Doch da wir Entwicklungswerkzeuge liefern, sind unsere Kunden ja die Anwender, die die nächste Produktgeneration entwickeln. Diese Investitionen müssen natürlich bereits wesentlich früher getätigt werden. Daher sind wir relativ schnell durch dieses Tal geschritten und erwarten für dieses Geschäftsjahr, dass wir deutlich über dem letzten liegen werden. Mein Ziel ist es, mit meinem Verantwortungsbereich Europa und USA in zwei bis drei Jahren insgesamt fünfzig Prozent des Gesamtumsatzes von Zuken zu erzielen. Nicht dadurch, dass Japan schrumpft, sondern dadurch, dass Europa und USA schneller wachsen.

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