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AutomatisierungslösungenIndividuell und flexibel

Die ständig steigende Produktvielfalt in der Automatisierung erfordert
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Automatisierungslösungen: Individuell  und flexibel
nicht nur flexible Konzepte sondern auch eine durchgängige Vernetzung. Dr. Peter Stipp sprach mit Wolfgang Schumacher und Andreas Otto – beide Geschäftsführer der Kuhnke Automation – über die Verknüpfung unterschiedlicher Technologien und eine neue kundenspezifische Antriebslösung.

Scope: Herr Schumacher, wo liegen die Stärken von Kuhnke ?

Schumacher: Die Kuhnke AG ist ein Technologieunternehmen mit vier Gesellschaften. Über diese entwickeln, fertigen und vertreiben wir seit Jahrzehnten kundenspezifische Antriebs- und Pneumatiksysteme sowie Komponenten der Elektronik- und Magnettechnik. Unsere Stärke als Systempartner für kundenspezifische, mechatronische Komplettlösungen basiert auf den langjährigen Erfahrungen in der Verknüpfung unterschiedlicher Technologien, wie die Verbindung von Elektronik und Pneumatik oder eine maschinenspezifische Aktorik. Typische Beispiele sind unsere Airboxen mit integrierten Pneumatikventilen und AS-i Anschaltung sowie integriertem ASI Master in unserem IPC Ventura, oder das modular aufgebaute Antriebskonzept Fuxx. Bei uns erhält der Kunde alles aus einer Hand, angefangen von Software, Engineering und einzelnen Komponenten, bis hin zu Komplettsystemen, Wartung und Service. Wichtig hierbei ist, dass sowohl Soft- als auch Hardware auf Wunsch kundenspezifisch entwickelt werden; und das ist ein ganz wesentlicher Vorteil für den maximalen Nutzen des Kunden.

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Scope: Sind denn Komplettlösungen mittlerweile nicht schon fast Standard?

Schumacher: So pauschal kann man das nicht sagen. Nehmen Sie als Beispiel unser individuelles Antriebskonzept Fuxx. Der zentrale Baustein in der Vernetzung zwischen Leit- und Feldebene ist die modulare Automatisierungsplattform Ventura, die neben den üblichen Standardschnittstellen über EtherCAT, CAN und Profibus verfügt. Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die eine integrierte Lösung mit einer EtherCAT-Masteranschaltung anbieten. Das System beinhaltet einen EtherCAT Konfigurator und das SPS-Laufzeitsystem CoDeSys nach IEC 61131 mit einer Motion Control Library. Unsere Kunden erhalten auf Basis der von ihnen gewünschten Bustechnologie eine individuelle und durchgängige Vernetzung mit exakt aufeinander abgestimmten Software Tools, vom Antrieb bis zur Datenerfassung. Da jedes System in der Regel mit einer Ethernet-Schnittstelle und zwei Feldbussystemen ausgestattet werden kann, können auch unterschiedliche Bussysteme parallel bedient werden ¿ und das maschinenspezifisch.

Scope: Herr Otto, wie stufen Sie Engineering und Wartung ein?

Otto: Beides ist für uns elementar. Die typischen Aufträge sind genau die, bei denen unsere Ingenieure mit dem Kunden von Anfang an gemeinsam eine Lösung erarbeitet haben, getreu dem Motto: Entwickler sprechen mit Entwicklern. Man könnte auch sagen, bei uns beginnt das Engineering lange vor dem CAD-Layout und reicht bis zur Verdrahtung im Schaltschrank. Auch die Wartung ist ein ganz wesentlicher Aspekt unserer Dienstleistung, gerade in Verbindung mit Condition Monitoring Systemen.

Scope: Der Markt ist aber doch hinsichtlich einer Investition in die vorbeugende Wartung eher zurückhaltend. Wird hier am falschen Ende gespart?

Otto: Wer heute als Systemlieferant seinen Kunden kein Condition Monitoring System mit einem schnellen Support anbietet, wird im Wettbewerb nicht lange mithalten können. Condition Monitoring ist mittlerweile zu einem Teil der Wertschöpfungskette geworden. Nur mit einem System, das den jeweiligen Stand der Abnutzung übermittelt und auch analysiert, kann der Betreiber herausfinden, ob er beispielsweise den Wartungszyklus einhalten muss, oder auf eine ohnehin anstehende Umrüstung verschieben kann. Darüber hinaus ist das Condition Monitoring der einzig wirtschaftliche Weg, die Präzision und die Lebensdauer von Maschinen und Werkzeugen zu verlängern und die Maschinenstillstände zu reduzieren. Um einen größeren Nutzen für unsere Kunden anbieten zu können, haben wir auch hier eine Lösung entwickelt. Unser Condition Pro ist ein bereits im Einsatz bewährtes System, in das mehrere Maschinen einer Anlage bis hin zu kompletten Fabriken über einen Feldbus (z.B. Profibus DP oder CANopen) eingebunden werden können. Es ist also auch für dezentral aufgebaute Strukturen ideal und wird als ein komplettes Paket mit IPC, Steuerung und Software angeboten. Als offenes System setzen wir auf Open-Source-Systemsoftware wie zum Beispiel MySQL und Apache als Datenbank- beziehungsweise. Webserver und unterstützen damit den Web-2.0-Gedanken. Da die Auswertung der Daten Web-basiert erfolgt, das heißt, über jeden handelsüblichen PC mit Internetzugang und ¿browser, fallen hier keine weiteren Kosten an, weder für Software-Installationen noch für Lizenzen. Somit kann das Condition Monitoring jederzeit und von jedem Ort der Welt aus (Internetzugang vorausgesetzt) durchgeführt werden. Daneben wird bei kritischen Zuständen eine E-Mail oder SMS an die im System hinterlegte Person gesendet.

Scope: Herr Schumacher, kundespezifische Lösungen und maximale Flexibilität ¿ wie passt das zusammen?

Schumacher: Hier stellt sich zunächst die Frage, mit welcher Lösung der Kunde in Zukunft noch wirtschaftlich agieren kann - auch hier geht es wieder um die Beratung als Dienstleistung. Sucht er eine preiswerte und meist auch weltweit verfügbare Standardkomponente; oder benötigt er eine Lösung, die genau auf seine jetzige Anlage zugeschnitten ist, aber trotzdem über Module erweitert werden kann. Anders formuliert: Möchte ich den Aufwand für Programmierung, Inbetriebnahme, Verdrahtung und auch Wartung reduzieren, oder nehme ich ein kostengünstiges Standardsystem, das aber schon beim nächsten Umrüsten an seine Grenzen stößt? Dies hat dann wieder Investitionen zur Folge, die deutlich höher liegen, als Module, die das bereits bestehende System ergänzen. Gerade beim Umrüsten ist ja aufgrund der Produktvielfalt eine enorme Flexibilität der Antriebssysteme gefragt; nur so kann der Betreiber schnell reagieren und die laufenden Kosten senken. Diese Flexibilität muss sich natürlich auch auf die Software und auf die komplette Vernetzung beziehen; und genau das haben wir unter anderem in unserem Antriebskonzept Fuxx umgesetzt. Ein weiterer Vorteil kundenspezifischer Lösungen ist die Individualisierung. Auch wenn das eigene Logo vielleicht nicht das Hauptziel ist, eine solche Entwicklung hat auch hinsichtlich des Kopierschutzes deutliche Vorteile. Je kundenspezifischer die Anlage, umso sicherer ist der Betreiber vor Nachbauten. Wenn ich also nicht möchte, dass ein anderer mit meinen Produkten Geschäfte macht, so ist dies oftmals der einzig gangbare Weg.

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