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Absaugtechnik„Mangelhafte Auslegung schafft Probleme“

In der mechanischen Bearbeitung lassen sich Rauch, Staub und Späne nicht vermeiden, aber effizient absaugen. Dr. Peter Kulitz, Geschäftsführender Gesellschafter der Esta Apparatebau, erläutert Chefredakteur Hajo Stotz, was bei Absauganlagen zu beachten ist und wie kompetente Beratung richtig Geld sparen kann.

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Absaugtechnik: „Mangelhafte    Auslegung    schafft Probleme“

SCOPE: Experten schätzen, dass es mehr als zehnmal so viele Staub- wie Gasexplosionen gibt. Dennoch sind Absaug- und Filteranlagen in der Produktion nicht zwingend vorgeschrieben. Welcher Betrieb muss, und welcher sollte denn entsprechend investieren?

Kulitz: Tatsächlich wird von vielen produzierenden Betrieben das Risiko von Staubexplosionen unterschätzt. Zum einen aus Unwissenheit, zum anderen auch, weil diese Thematik in der Vergangenheit nicht selten nachlässig behandelt wurde. Die Aussage, dass Absaug- und Filteranlagen in der Produktion nicht zwingend vorgeschrieben sind, ist schlicht falsch. Sowohl für explosive und brennbare als auch für gesundheitsgefährdende Stäube existieren Richtlinien, die den Einsatz entsprechend zugelassener Entstauber und Absauganlagen vorschreiben. Für deren Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen zum Beispiel finden die Richtlinien Atex 95 oder Atex 137 Anwendung. Diese Regelungen gelten seit 1996 beziehungsweise 1999 mit einer Übergangsfrist bis Mitte 2003. Dies mag dazu geführt haben, dass sie über die Zeit bei nicht weniger Betrieben schlicht in Vergessenheit geraten sind. In den vergangenen zwei Jahren stellen wir jedoch fest, dass, nicht zuletzt durch vermehrte Hinweise seitens der Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsichtsämter, die Vorschriften bei unseren Kunden allgemein bekannt und auch sukzessive umgesetzt werden. Investieren in entsprechende Absaugtechnik sollte jeder Betrieb, in dessen Fertigung Stäube, Rauchgase oder Späne anfallen – und nicht nur bei denjenigen Produktionsprozessen, für die bereits Vorschriften existieren. Ein optimal ausgelegtes Absauggerät oder eine zentrale Absauganlage sorgt nicht nur dafür, dass die geltenden Vorschriften erfüllt werden, sondern schafft dem Anwender auch zusätzlichen Nutzen in Form längerer Maschinenlaufzeiten, höherer Produktivität und nicht zuletzt zusätzliche Motivation der Mitarbeiter in den Fertigungsbereichen.

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SCOPE: Was sind denn die Gefahren, die durch mangelnde Sorgfalt bei der Absaugung auftreten können?

Kulitz: In Produktionsbereichen, in denen explosive Stäube entstehen, kann sich eine explosive Atmosphäre bilden, die das Risiko von Staubexplosionen erhöht. Generell besteht bei nicht vorhandenen, unzureichend dimensionierten oder mangelhaft gewarteten Absauganlagen das Risiko des Ausfalls der Produktionsmaschinen aufgrund von Staubablagerungen sowie das Risiko von Gesundheitsschäden der Mitarbeiter, die in diesen Fertigungsbereichen beschäftigt sind.

SCOPE: Schweißrauchanlagen kann man bei Ebay auch für wenige hundert Euro ersteigern. Wann lohnt sich denn die Investition in eine höherwertige Lösung?

Kulitz: Zunächst erhält der Kunde bei einem Ebay-Kauf keinerlei Beratung. Das heißt, er hat keine Sicherheit, dass das ersteigerte Gerät tatsächlich hinsichtlich Absaugleistung und der erforderlichen Filterqualität (Abscheidegrad) für seinen Anwendungsfall geeignet und ausreichend ist. Grundsätzlich sollte der Kunde auf eine kompetente Beratung, hohen technischen Standard und guten After Sales Service Wert legen. Das gibt ihm die Sicherheit, das passende Absauggerät über einen langen Zeitraum nutzen zu können. Denn schon oft hat sich eine vermeintlich billige Anschaffung im Nachhinein als Fehlinvestition herausgestellt.

SCOPE: Gibt es Unterschiede der Konzeptionierung einer Absaugung für verschiedene Bearbeitungstechnologien – wie Fräsen, Drehen (Metallstaub), Laser (Airborn Particles) oder Erodieren (Dampf-Luft-Gemisch)?

Kulitz: Das abzusaugende Medium hat einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Ausführung des Absauggeräts, denn die Konsistenz des Sauggutes bestimmt, welche Variante von Filtern – Patronen, Schläuche, Taschen oder Starrkörper – eingesetzt werden. Aber auch die Art der Filterreinigung, Filtermaterial, Filterflächenbelastung und nicht zuletzt die Größe des Filtergehäuses und die erforderliche Antriebsleistung des Vakuumerzeugers hängen davon ab. Sie sehen, wie viele Faktoren Einfluss auf die Ausführung einer Absauganlage und deren Funktion hat. Das erfordert in jedem Fall eine fachkundige Beratung von Beginn an.

SCOPE: Was muss bei der Konzeptionierung einer Absauganlage vom Anwender sonst noch beachtet werden?

Kulitz: Außer Art und Menge des abzusaugenden Materials spielen beispielsweise die Anzahl der Absaugstellen, deren Gleichzeitigkeit, Betriebsstunden pro Tag, die Art der Erfassung, Rohrleitungslänge oder Aufstellort der Absauganlage eine Rolle. Dies sind nur einige Parameter, die die Ausführung der Absauganlage definieren. In der Praxis sind es noch deutlich mehr. Die Auslegung einer funktionierenden Absauganlage erfordert ein hohes technisches Fachwissen. Ebenso müssen die zusätzlich vom Kunden gestellten Anforderungen und Wünsche berücksichtigt werden.

SCOPE: Welche Beurteilungsmerkmale für eine Absauganlage gibt es, die dem Anwender schnell bei der Orientierung helfen?

Kulitz: Auf technischer Ebene kann der Abscheidegrad als Vergleichsmerkmal herangezogen werden. Dieser sollte durch ein entsprechendes Prüfzeugnis belegt werden können. Ansonsten gibt es auch für Absauggeräte und -anlagen Prüfzeichen von TÜV und Berufsgenossenschaften, die die Eignung der Geräte für bestimmte Anwendungen dokumentieren und sicherstellen, dass die geltenden Richtlinien erfüllt werden. Des Weiteren haben Erfahrung und Referenzen des Herstellers in vergleichbaren Anwendungen Bedeutung. Gegebenenfalls hat der Kunde den Nachweis zu führen, dass entsprechendes Know How vorhanden ist und der Hersteller auch seine Aufgabenstellung lösen kann.

SCOPE: Wo liegen die Vorteile einer zentralen Lösung über ein Rohrleitungssystem - und ist eine solche nachträglich erweiterbar?

Kulitz: Ab einer bestimmten Anzahl von Absaugstellen ist es günstiger - sowohl was die Anschaffungs- aber auch die Betriebskosten betrifft - und oftmals technisch sinnvoller, anstatt einer Vielzahl einzelner Absauggeräte eine zentrale Absauganlage zu installieren. Die jeweiligen Absaugstellen werden dann mit einem fest installierten Rohrsystem mit der Absauganlage verbunden. Geringere Anschaffungs- und / oder Betriebskosten, weniger Platzbedarf und reduzierter Wartungsaufwand sind die maßgeblichen Gründe, die für den Einsatz einer zentralen Absauganlage sprechen. Bei einer entsprechenden Konzeption lässt sich eine zentrale Absauganlage auch später je nach Erfordernissen erweitern oder umrüsten. Man ist also keinesfalls auf eine einmal definierte Auslegung festgelegt.

SCOPE: Experten gehen davon aus, dass eine grosse Zahl der Absaug- und Filtergeräte nicht fachgemäß installiert und damit Fehlinvestitionen sind. Deckt sich das mit Ihrer Praxiserfahrung?

Kulitz: Diese Aussage kann ich nur bestätigen. Häufig erhalten wir Anfragen von Kunden, die bereits ein Absauggerät oder eine Absauganlage betreiben, mit der Funktion jedoch nicht zufrieden sind. Meist ist eine mangelhafte Auslegung der Anlage bzw. des Rohrsystems oder die Wahl des falschen Filtermaterials die Ursache für die Probleme. Dies zeigt wiederum, wie wichtig eine kompetente Beratung vorab und umfassendes Fachwissen des Lieferanten sind.

SCOPE: Ein ungeliebtes Thema ist die Abstimmung mit Behörden und Fachverbänden. Übernimmt diese Abwicklung auch ein Hersteller wie Esta?

Kulitz: Für Esta ist die Unterstützung der Kunden bei diesen Fragen ein selbstverständlicher Kundenservice. Seit langen Jahren arbeiten wir intensiv mit Behörden wie TÜV und BIA, Fachverbänden wie dem VDMA aber auch mit Universitäten und Instituten zusammen. Unsere Vertriebsmitarbeiter und Ingenieure sind versiert im Umgang mit den gültigen Vorschriften und auch behördlichen Genehmigungsverfahren. Unser Fachwissen stellen wir den Kunden gerne zur Verfügung und nehmen ihnen oftmals diese „aufwändige Abstimmungsarbeit“ ab.

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