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VentilatorenÖkonomie und Ökologie sind kein Widerspruch

Wenn es um das Reduzieren von Geräuschen geht, macht Dr. Bruno Lindl so schnell niemand etwas vor. Warum der Geschäftsführer Forschung und Entwicklung des Ventilatoren- und Motorenbauers ebm-Papst sein Unternehmen auch in anderen Bereichen als Innovationsführer sieht, verrät er im Gespräch mit SCOPE-Redakteur Johannes Gillar.

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Ventilatoren: Ökonomie und Ökologie sind kein Widerspruch

SCOPE: Ressourcenschonung und Energieeffizienz sind ein Megatrend bei Herstellern. Anwendern sind oft Preis oder Funktionalität wichtiger. Wo setzen Sie diesbezüglich die Prioritäten?

Lindl: Oberste Priorität bei der Entwicklung von neuen Produkten ist es, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Dabei greifen wir auf verschiedene Technologien zurück – immer mit dem Ziel, eine höhere Energieeffizienz unserer Produkte zu erreichen und Ressourcen einzusparen. Wettbewerbsfähigkeit und Energieeffizienz sind durchaus kein Widerspruch mehr. Ganz im Gegenteil: Betrachtet man die Technologiezyklen nach Kontratieff, so befinden wir uns derzeit in der Ära „Ressourcenproduktivität und erneuerbare Energien“. Da wir mit immer weiter steigenden Energiepreisen konfrontiert werden, können Produkte ökologisch überzeugen und trotzdem ökonomisch wettbewerbsfähig sein.

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SCOPE: Welche Forderungen stellen Ihre Kunden außerdem?

Lindl: Neben der Energieeffizienz spielt auch die Laufruhe unserer Geräte sowie die Zuverlässigkeit eine große Rolle. Eines der wichtigsten Kriterien ist jedoch das Geräusch – sei es Körper- oder Luftschall. Unsere Kunden legen höchsten Wert darauf, dass die Geräuschemissionen in ihren Applikationen so gering wie möglich sind. Da die Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik unser Kerngeschäft betrifft, ist es unser Ansatzpunkt, die Geräuschemission immer weiter zu reduzieren.

SCOPE: Sie bezeichnen sich als Innovationsführer bei Ventilatoren und Motoren. Wie begründen Sie diesen Anspruch?

Lindl: Durch unsere Arbeiten im Bereich Geräuschreduktion schaffen wir uns ein Alleinstellungsmerkmal, denn Schallentstehung bei rotierenden Systemen lässt sich nicht oberflächlich lösen. Man muss hier tief in die Aerodynamik eintauchen. Ein Ventilator besteht aus Elektronik, Motor und Laufrad. Zunächst einmal ist der Motor eine Schallquelle. Jede Beschleunigung in der Drehbewegung vermindert die Laufruhe und das bedeutet Körperschall. Daher setzt ebm-Papst auf elektronisch kommutierte Motoren mit harmonisiertem Drehfeld. Diese haben Dank der elektronischen Beschaltung des Motors eine sehr große Laufruhe bei höchster Effizienz. Dann muss man die Geräuschentwicklung am Laufrad untersuchen. Hier geht es um Schallentstehung mit aerodynamischem Hintergrund. Die Aufgabe besteht darin, sich mit der Oberfläche der Laufräder zu befassen, denn schon winzige Druckschwankungen oder Störungen etwa in der Anströmung verstärken die Geräuschentwicklung. Diese Parameter untersuchen wir modellhaft sowie im Experiment und verschaffen uns so ein Bild, wie diese Mechanismen zusammenhängen, um eine entsprechende Geräuschreduktion zu erreichen. Hierbei handelt es sich um Grundlagenforschung. Daher sehen wir uns als Innovationsführer.

SCOPE: Wo sehen Sie die Highlights Ihres Angebots?

Lindl: Das Highlight unseres Angebots ist die sehr hohe Effizienz unserer Produkte. Ein Beispiel dafür sind Radialgebläse. Diese Geräte müssen gegen einen hohen Druck arbeiten und bisher erreichte man hier einen Wirkungsgrad um die 30 Prozent. Daran haben wir gearbeitet. So konnten wir den Wirkungsgrad um über 20 Prozent steigern bei Absenken der Schallleistung um 5 dB(A). Hierfür haben wir Simulationsmodelle genutzt, denn ohne diese lassen sich in der Aerodynamik nur schwer Erkenntnisse erzielen. Wir arbeiten hier mit einem Multiprozessor-System und einer Software, die wir zusammen mit Hochschulen und Instituten selbst entwickeln. Dann folgt die Überprüfung der Ergebnisse im Experiment. Unser Radical-Laufrad etwa haben wir hauptsächlich auf Simulationsbasis entwickelt.

SCOPE: In welchen Branchen sind Ihre Produkte im Einsatz?

Lindl: Unser Spektrum reicht von Anwendungen in der IT/Telekommunikation über Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik bis hin zur Heiztechnik. Zudem sind unsere Produkte in Haushaltsgeräten im Einsatz. Der Bereich Automotive ist ebenfalls wichtig und trägt mit rund zehn Prozent zum Umsatz bei. Ein Schwerpunkt sind Pkw-Anwendungen. Unsere Produkte werden hier etwa als Sensorluftgebläse in Klimaanlagen sowie in Sitzbelüftungen oder auch in Hinterachsverstellantrieben eingesetzt. Bei Nutzfahrzeugen ist es die Klimatisierung in Bussen und Lkw.

SCOPE: Ihre Unternehmensstrategie schaut bis 2015 voraus. Welche Ziele wollen Sie bis dahin produkttechnisch erreichen?

Lindl: Wir sind vor etwa acht Jahren angetreten und haben Metalle soweit wie möglich durch Verbundwerkstoffe ersetzt. Die Flügel unserer Laufräder sind heute zu 80 Prozent aus Verbundwerkstoffen. Diese haben mehrere Vorteile. Neben höheren Freiheitsgraden in der aerodynamischen Formgebung, mehr Elastizität und Gewichtsreduzierung ist ein weiterer Vorteil der niedrigere Primärenergieverbrauch bei der Herstellung. Während man bei Aluminium circa 200 Megajoule Primärenergie pro Kilogramm benötigt, sind es bei den Verbundwerkstoffen nur rund 50. Zudem ersetzen wir auch zunehmend die Füllmaterialien in Verbundwerkstoffen durch nachwachsende Rohstoffe. Wir bieten hier bereits einen Lüfter für den Einsatz in Kühltheken an. Dieser Trend weg von Kunststoffen hin zu Biopolymeren wird sich noch verstärken. Und da wollen wir Vorreiter sein.

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