Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Märkte + Unternehmen> Interviews> „Zukunftssicherheit made in Germany“

Sensortechnik„Zukunftssicherheit made in Germany“

Mit mehr als 15.000 Produkten aus den Bereichen Sensor-, Feldbus-, Anschluss- und Interfacetechnik bietet Turck effiziente Produktlösungen für die Fertigungs- und Prozessautomation. Christian Wolf, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens aus Mühlheim an der Ruhr, sprach mit SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz über die derzeitige Entwicklung des Marktes und das neueste Produkt des Unternehmens – das erste Mitglied der neuen Human Machine Interface-Familie.

sep
sep
sep
sep
Sensortechnik: „Zukunftssicherheit    made in Germany“

SCOPE: Herr Wolf, im Geschäftsjahr 2008 erzielte Turck einen Umsatz von 370 Millionen Euro – wie sehen Ihre Erwartungen an das Geschäftsjahr 2009 aus?

Wolf: Nach derzeitigem Stand rechnen wir in diesem Jahr mit einem konsolidierten Gesamtumsatz der Turck-Gruppe von circa 270 Millionen Euro. Damit verzeichnen wir einen nennenswerten Umsatzrückgang, der natürlich stark durch die Hauptabsatzmärkte der Automobil- und Maschinenbauindustrie geprägt ist.

Anzeige

SCOPE: US-Notenbank-Chef Ben Bernanke zeigt sich optimistisch bezüglich der Entwicklung der Wirtschaft und spricht vom Ende der Krise – teilen Sie die Meinung und sehen Sie wieder Licht am Ende des Tunnels?

Wolf: Nicht nur der Notenbank-Chef, sondern auch viele Politiker sprechen immer wieder vom Ende der Krise. Davon ist aber in der Realwirtschaft, zumindest im Automatisierungsumfeld, noch nichts zu sehen. Die Auftragseingänge sind seit einiger Zeit relativ stabil und fallen nicht weiter, allerdings ist auch nicht zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit deutlich steigen werden. Es gibt zwar erste Indikatoren, die hoffen lassen, aber in diesem Jahr wird es sicher keine signifikante Verbesserung geben. Für das kommende Jahr erwarten wir eine leichte Erholung mit Steigerungsraten im mittleren einstelligen Bereich.

SCOPE: Wie entwickeln sich Ihre wichtigsten Absatzmärkte - Deutschland, Europa, Nordamerika, Asien?

Wolf: In Deutschland und Europa bewegen wir uns auf dem beschriebenen Niveau rund 30 Prozent unter den Vorjahresumsätzen. In den USA, dem größten Automatisierungsmarkt, in dem Turck als Sensor- und Connectivity-Marktführer hohe Marktanteile hat, sehen wir eine leichte Erholung. Dort hat die rezessive Phase allerdings auch deutlich früher begonnen als in Europa. In China steigen ebenfalls die Umsätze wieder, wenn auch zunächst noch verhalten. Ein Wermutstropfen ist allerdings der in Richtung 1,50 steigende Kurs des US-Dollars, der das Geschäft in Nordamerika und Teilen von Asien nicht einfacher macht.

SCOPE: Ein Schwerpunkt der Innovationen bei Turck war in den letzten Jahren das Thema RFID. Wie entwickelt sich der Markt und sehen Sie hier noch neue Wachstumsfelder?

Wolf: Der RFID-Markt bietet ein nahezu unerschöpfliches Potenzial, weil immer mehr Anwender erkennen, welchen Mehrwert die Technologie bringt. In unserem RFID-System BL Ident kombinieren wir unser Know-how aus allen Unternehmensbereichen, von der Sensor- über die Anschluss- bis zur Feldbustechnik. So ist das System ideal für den Einsatz im industriellen Umfeld und kann zudem besonders einfach in bestehende Infrastrukturen eingebunden werden. Wir arbeiten kontinuierlich an applikationsoptimierten Erweiterungen und bieten inzwischen zahlreiche Komponenten wie beispielsweise Datenträger für Hochtemperatur bis 210 °C oder für Autoklaven oder passgenaue Schreibleseköpfe für Rollenbahnen.

SCOPE: Sie stellen auf der SPS/IPC/Drives einen neu entwickelten Linearwegsensor vor, der mit seinem Resonator-Messprinzip alle potentiometrischen und magnetostriktiven Wegerfassungslösungen ersetzen kann. Können Sie die Entwicklung noch etwas näher beschreiben und für welche Anwendungen eignet sie sich?

Wolf: Bei unserer Neuentwicklung erfolgt die Positionserfassung, anders als bei magnetostriktiven oder herkömmlichen induktiven Wegaufnehmern, nicht mittels magnetischem Positionsgeber, sondern über einen induktiven Resonator, also ein schwingungsfähiges System aus Kondensator und Spule. Das Resonator-Prinzip ist deutlich unempfindlicher gegenüber elektromagnetischen Störeinflüssen. Durch den Verzicht auf Magnetkörper werden zudem unerwünschte Spanansammlungen am Positionsgeber ausgeschlossen. Und dank extrem kurzer Blindzonen und der Möglichkeit, den Sensor auf den gewünschten Messbereich zu programmieren, muss der Anwender nicht mehr länger Sondervarianten für spezielle Applikationen vorhalten. Darüber hinaus verfügt die LI-Serie als einzige Wegerfassungslösung auf dem Markt über die herstellerunabhängige IO-Link-Schnittstelle, die Anwendern zahlreiche Vorteile bei Inbetriebnahme, Wartung und Lagerhaltung bietet.

SCOPE: Vom reinen Sensorhersteller hat sich Ihr Unternehmen zum Automatisierer entwickelt. Zur SPS werden Sie das erste Mitglied Ihrer neuen HMI-Familie (Human Machine Interface) vorstellen. Was zeichnet diese Innovation aus?

Wolf: Das erste Modell unserer neuen HMI-Serie, das VT250, bringt nicht nur Visualisierungs- und Steuerungsfunktionen mit, sondern – wie die Kunden es von uns erwarten dürfen – vor allem ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten zwischen Feldbussen und Realtime-Ethernet. Dabei kann das Gerät in jeder Richtung sowohl als Master wie auch als Slave konfiguriert werden. Mit seinen zwei Realtime-Ethernet-Ports an der Unterseite bietet das VT250 als eines von wenigen Geräten am Markt die Möglichkeit, das System auch in Linientopologie zu installieren. Und offene Standards wie CoDeSys garantieren unseren Kunden eine hohe Zukunftssicherheit – made in Germany.

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zu dieser Firma

Turck-Zentrale in Mühlheim

Repräsentative ZentraleTurck gibt Startschuss für Neubau in Mülheim an der Ruhr

Der Mülheimer Automatisierungsspezialist Turck erweitert seine Vertriebs- und Marketingzentrale. Mit einem symbolischen ersten Spatenstich gaben die Geschäftsführer Ulrich Turck und Christian Wolf im Beisein von Mülheims Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und des Architekten Erasmus Eller am Donnerstag den Startschuss für den Neubau in Mülheim an der Ruhr.

…mehr
News: Turck: Neuer Geschäftsbereichsleiter Automation Systems

NewsTurck: Neuer Geschäftsbereichsleiter Automation Systems

Oliver Merget ist neuer Leiter des Geschäftsbereichs Automation Systems beim Sensor-, Feldbus- und Anschlusstechnikspezialisten Turck. Der 41-jährige Diplom-Ingenieur ist damit weltweit verantwortlich für alle Produktmanagement-Aktivitäten in den Bereichen Feldbustechnik, HMI und RFID. Merget folgt auf Norbert Gemmeke, der in einem anderen Unternehmen der Branche eine leitende Position übernommen hat.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Digitalisierung

Interview„Appetit auf mehr“

Dem digitalen Wandel muss eine hohe Priorität zugeschrieben werden. Rockwell Automation unterstützt Unternehmen bei diesem Wandel und hat sich strategische Allianzpartner mit ins Boot geholt. So arbeiten Rockwell Automation und Cisco gemeinsam an industriellen Netzwerk- und Sicherheitslösungen. Über Hürden, Ziele  und Zukunftstechnologien befragte SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder Cliff Whitehead, Global Business Development bei Rockwell Automation, und Scot Wlodarczak, Industrial Marketing Manager bei Cisco.

…mehr
Helmut Schmid

Helmut Schmid, Geschäftsführer der...„Unsere ‚Do it yourself‘- Strategie schafft Mehrwerte“

Die dänische Roboterschmiede Universal Robots gilt als Pionier für kollaborierende Robotertechnologie. Die Roboterarme können ohne Schutzbehausung direkt neben den Mitarbeitern aus Fleisch und Blut eingesetzt werden und ihnen monotone und belastende Arbeitsschritte abnehmen.

…mehr
Ralf Willmes

Interview mit Ralf Willmes„Zurzeit gibt es noch keine standardisierte ‚Industrie-4.0-Schnittstelle‘“

Eine durchgängige Kommunikation vom Feldgerät bis ins ERP- System sollte die Basis einer Industrie 4.0 in der Prozessautomatisierung sein. Allerdings fehlen Standards und Schnittstellen ebenso wie das Bewusstsein für die Risiken und Möglichkeiten von cloud-basierten Lösungen, wie SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder im Interview mit Ralf Willmes, Produktmanager Digitalisierung bei Endress+Hauser, erfahren hat.

…mehr

Neue Stellenanzeigen