Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Märkte + Unternehmen> Interviews> „Innovation als Speerspitze“

Pressen„Innovation als Speerspitze“

Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung sichert der Schuler Konzern seine Position als Technologieführer und Schrittmacher für Neu- und Weiterentwicklungen in der Umformtechnik. Und das mit großem Erfolg: Dass seine Zahlen Rekorde brechen, meldete das Unternehmen Ende Januar. Stefan Klebert, Vorstandschef der Aktiengesellschaft, erläutert SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz die Wachstumsstrategien des Unternehmens.

sep
sep
sep
sep
Pressen: „Innovation als Speerspitze“

SCOPE: Herr Klebert, ihr Vorgänger Jürgen Tonn trug gern blau-grüne Krawatten, um die Verbundenheit zwischen Schuler und Müller-Weingarten zu demonstrieren. Ihre Krawatte beinhaltet kein grün mehr - ist die Integration von MW abgeschlossen?

Klebert: Müller Weingarten gehört seit 2007 zum Konzern, wurde bis letztes Jahr aber als eigenes Unternehmen geführt. 2011 haben wir unser Konzernprojekt "ZusammenWachsen" vorgestellt, und dieses Wortspiel von "zusammen wachsen" und "zusammenwachsen" verdeutlicht unsere Strategie. Das Zusammenwachsen der Organisationen ermöglicht es uns, Synergien zu schaffen, zum Beispiel bei der Bündelung der konzernweiten Einkaufsaktivitäten oder durch Abbau von Doppelstrukturen. Und im IT-Bereich sind wir dabei, die Systeme komplett zu integrieren. Im letzten Jahr haben wir die Unternehmen juristisch verschmolzen und begonnen Müller Weingarten komplett zu integrieren. Die Standorte haben wir alle erhalten, es wurde in diesem Zusammenhang auch niemand entlassen, sondern wir konnten über unser Wachstumsprogramm und natürlich die gute Konjunktur alle freiwerdenden Kräfte in Wachstum umsetzen. In der neuen Schuler Pressen GmbH sind beide Firmen aufgegangen.

SCOPE: Auf welche Branchen hat sich Schuler heute fokussiert?

Klebert: Wir haben letztes Jahr entschieden, uns auf zehn strategische Zielmärkte zu konzentrieren. Das sind Automobilhersteller, Zulieferer, Motoren- und Generatorenbau, Allgemeine Blechfertigung und Weiße Ware sowie die Segmente Bahnindustrie, Luft- und Raumfahrt, Verteidigungs- und Sicherheitstechnik, Großrohre, Verpackungstechnik und Münztechnik. Für diese Kundengruppen haben wir jeweils einen eigenen Vertrieb aufgebaut, der diese Zielmärkte abdeckt und in diesen Themen zu Hause ist. Eine Verpackungsbranche hat nun einmal eine andere Denkweise als beispielsweise die Aerospace-Industrie oder die Münzwelt. Das sind andere Kunden, das sind andere Marktgegebenheiten. Darauf stellen wir uns jeweils ein und fokussieren uns auf diese zehn Zielmärkte.

SCOPE: Wie hoch ist dabei der Anteil der Automobilindustrie am Umsatz und wie entwickelt sich der Nicht-Automobil-Bereich?

Klebert: Im Moment liegen wir bei einem Anteil der Automobilindustrie inkl. Zulieferer von ca. 80 Prozent. Mittelfristig rechnen wir aber mit einem überproportionalen Wachstum im Bereich der Nicht-Automobil-Geschäfte. Beispiele sind die Herstellung von Großrohren, die Luft- und Raumfahrttechnik oder der Verpackungsbereich. Dort haben wir eine Maschine vorgestellt, die Icon V-Drive für die Aerosol-Dosen-Herstellung, also Spraydosen. Das Verfahren, das wir hier entwickelt haben, spart etwa 30 Prozent Material ein. Bei unserem Kunden summiert sich das auf einen hohen 6-stelligen Jahresbetrag an Materialkosten. In diesen Markt werden wir hineinwachsen. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass der Automobilbereich inkl. Zulieferer einen Umsatzanteil von 70 Prozent haben wird.

SCOPE: Auf der Tube in Düsseldorf Ende März präsentiert sich Schuler mit dem Thema Großrohre. Was heißt das?

Klebert: Das Großrohrgeschäft, etwa im Bereich der Gas- oder Wasserpipelines, sehen wir als interessanten Markt für uns, in den wir uns gerade hinein bewegen. Im Moment sind wir in Gesprächen mit potenziellen Kooperationspartnern. Unser Part, den wir auch auf der Tube präsentieren, ist die Planung und Realisierung von schlüsselfertigen Produktionswerken zur Herstellung spiralgeschweißter Großrohre. Wir sind konkret an einigen Projekten dran und werden demnächst sicher mehr zu diesem Thema sagen können.

SCOPE: 2009 stellte Schuler die Entwicklung eines Windrades vor. Inzwischen suchen Sie dafür einen Käufer. Sehen Sie die Alternative Energieerzeugung im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger nicht als Zukunftsmarkt?

Klebert: Aus dem Windgeschäft haben wir uns tatsächlich zurückgezogen. Mehr als einen Prototyp haben wir auch noch nicht gehabt. Die Branche steht vor einer sehr starken Konsolidierung, so dass man einiges an Kapitalstärke benötigt, um in diesem Markt mitspielen zu können. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, das immer noch Wachstumspotenzial hat.

SCOPE: Was hat Sie das windige Abenteuer denn gekostet?

Klebert: Wir haben ja einen Prototyp gebaut, der auch verkauft wurde. Aber es ist schwierig, das genau zu beziffern. Von der Größenordnung liegt das im niedrigen Millionenbereich.

SCOPE: Welchen Stellenwert hat in Ihrer Strategie der Service?

Klebert: Einen hohen. Wir haben eine installierte Basis von über 20.000 Pressen. Heute trägt der Service nahezu 25 Prozent zum Konzernumsatz bei, aber wir werden das steigern. So bieten wir verstärkt Service-Verträge an. Der Kunde kann entscheiden, welchen Service-Level er will. In diesem Zuge wird auch die Serviceorganisation ausgebaut. Zudem entwickeln wir neue Service-Produkte, wie zum Beispiel Effizienzmessungen. Dabei wird mit einem von uns entwickelten Gerät an bestehenden Pressen der Energie- und Fluidverbrauch gemessen und Leckagen festgestellt. Darauf basieren Optimierungsvorschläge, die unseren Kunden Kosten sparen.

SCOPE: Welche Rolle spielt bei Ihren Kunden die Energieeffizienz der Schuler-Maschinen?

Klebert: Das Thema bekommt zunehmend Bedeutung. Doch letztendlich gehen bisher Investitionen in dieser Größenordnung leider immer noch überwiegend über Preis und Produktivität. Wir kommunizieren den Kunden durchaus, welche Potenziale sich hier ausschöpfen lassen, etwa mit der ServoDirekt-Technologie, die nachweislich Energie einspart. Im Bewusstsein der Entscheider ist das aber noch nicht das schlagende Argument. Daneben sehen wir aber durchaus einen Trend auf der Materialseite hin zum Carbon und zum Leichtbau, das ist sozusagen der indirekte Weg zur Energieeffizienz. Für diese Entwicklung stellen wir entsprechende Carbon-Pressen her.

SCOPE: Schuler hat im letzten Jahr ein neues Vorstandsressort für den Bereich Innovationen gebildet. Was ist der Hintergrund?

Klebert: Die sogenannte Chief-Technologie-Officer-Funktion wird von Joachim Beyer wahrgenommen. Damit zeigen wir auch nach außen, dass uns Innovation und Technologie extrem wichtig sind und eine Speerspitze von Schuler darstellen, mit der wir unseren Technologievorsprung ausbauen wollen und werden ¿ und nach innen verstärken wir die Schlagkraft und Dynamik von Innovationen.

SCOPE: Können Sie das noch etwas näher erläutern?

Klebert: Da gibt es zwei Pfeiler: Auf der einen Seite Innovation. Wir werden in diesem Jahr zehn Produktneuheiten einführen und haben darüber hinaus ein Innovationsprogramm für über 22 Produktfamilien gestartet. Das ist eine Menge an Themen, die dort laufen.

SCOPE: Welche Innovationen sind das konkret?

Klebert: Konkretes können wir zu den Projekten derzeit noch nicht nennen, da wollen wir den Wettbewerb gerne überraschen.

SCOPE: Und was ist der zweite Pfeiler?

Klebert: Der zweite Pfeiler ist die Standardisierung. Schuler ist ein Unternehmen, das durch Akquisitionen über viele Jahre gewachsen ist. Dadurch herrscht eine Vielfalt an Produktentwicklung, und wir können hier einiges an Synergien noch nutzen. Das ist wie in der Auto-Industrie: Früher hatte jedes Modell seinen eigenen Motor, heute wird ein Motor in vielen Modellen eingesetzt. Entsprechend prüfen wir zum Beispiel, ob jede Maschine ein völlig anderes Hydraulikaggregat benötigt, oder wir da nicht mit wenigen auskommen. Benötigen wir alle diese unterschiedlichen Pleuel? Da gibt es viele, viele Ansätze, und es ist eine Aufgabe des CTO-Bereiches, diese Standarisierungsansätze voranzutreiben und im Einkauf und der Produktion Effizienz zu schaffen.

SCOPE: Schuler ist mit zwei Werken in China vertreten und will dort weiter erheblich investieren. Spüren Sie noch keine Beruhigung des Marktes?

Klebert: China ist heute der größte Automobilproduktions- und -absatzmarkt der Welt und damit für die gesamte Werkzeugmaschinenbranche ein gigantischer Markt. Und auch wenn man jetzt von einer Beruhigung des Marktes auf sieben Prozent hört - bisher ist China mit zehn bis zwölf Prozent gewachsen, dann ist das Wachstum in China immer noch wesentlich höher als in Europa. Von daher ist China ein enorm wichtiger Markt. Das Werk in Dalian wird produktionsseitig erweitert, in Shanghai werden strategische Funktionen wie Einkauf und Qualitätsmanagement erweitert. Wir werden zudem lokale Entwicklungskapazitäten aufbauen, um Produkte stärker an den chinesischen Bedarf zu adaptieren oder für den chinesischen Markt zu entwickeln. Die Mitarbeiterzahl in China wird relativ kurzfristig auf mindestens 250 Mitarbeiter steigen.

SCOPE: Ihr Hauptaugenmerk liegt also derzeit auf China?

Klebert: Nicht nur. China ist ein wichtiger Markt, aber Deutschland und Europa machen immer noch das Hauptgeschäft aus. Auch Nordamerika und Brasilien sind für uns interessante Märkte. Und Indien entwickelt sich zwar langsamer als China, bietet aber ebenfalls enormes Potenzial.

SCOPE: Schuler konnte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2011/12 einen Auftragseingang von 390 Millionen Euro verbuchen, womit die Bestellungen höher ausfielen als in den vergangenen drei Vorquartalen. Welche Erwartungen haben Sie für 2012?

Klebert: Schuler hat ein sehr gutes Jahr hinter sich und, so vermute ich, ein noch besseres vor sich. Wir haben im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Rekord im Auftragseingang im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielt von über 1,3 Milliarden Euro und einen Umsatzanstieg um fast 50 Prozent auf 958 Millionen Euro. Auch das operative Ergebnis ist mit 84,6 Millionen auf einem Spitzenwert. Ende Dezember waren wir mit einem Auftragsbestand von 1,15 Milliarden Euro unterwegs. Das ist sehr hoch und bedeutet, dass wir Geschäft für ein Jahr an Bord haben. Das ist derzeit eine komfortable Situation. Wir beobachten natürlich das Umfeld sehr aufmerksam, aber sehen keine grauen Wolken am Horizont. Bis zum Geschäftsjahr 2013/14 wollen wir daher einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von 10 Prozent nachhaltig erreichen. Innovation, Wachstum und Effizienz sind die Wege, die uns dahin führen werden.

Anzeige
Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Mehrstufenpresse von Schuler

Mehrstufenpressen für ChinaSchuler erhält Auftrag über vier Schmiedelinien

Der Automobilzulieferer Chongqing Lianhao Technology aus China hat vier mechanische Schmiedelinien bei Schuler bestellt. Die mechanischen Mehrstufenpressen mit Kniegelenkantrieb verfügen über eine Presskraft zwischen 8.000 und 20.000 Kilonewton.

…mehr
„Smartline“ von Schuler

Presse und Werkzeug aus einer HandAweba und Schuler bieten Systemlösungen zur Elektroblech-Fertigung

Durch die Übernahme von Aweba im vergangenen Jahr ist der Pressenhersteller Schuler nun in der Lage, Systemlösungen für Anlagen zur Fertigung von Blechen für Elektro-Motoren und -Generatoren anzubieten.

…mehr
Pressen: Pressensysteme online konfigurieren

PressenPressensysteme online konfigurieren

Um diesen Kunden die Auswahl und Beschaffung geeigneter Maschinen zu erleichtern, hat Tox Pressotechnik nun auf der Homepage einen Online-Konfigurator im Einsatz.

…mehr
Schuler Pressen

PressenSchuler profitiert von Aweba- und Yadon-Übernahme

Beim Pressenhersteller Schuler AG haben die 2016 übernommenen Tochtergesellschaften Aweba und Yadon bereits im ersten Jahr positiv zu Wachstum und Ergebnis beigetragen. Konzernweit verbuchte der Weltmarktführer aus Göppingen vor allem beim Auftragseingang (+17,6 Prozent) und beim Auftragsbestand (+13,5 Prozent) deutliche Zuwachsraten. Umsatz und Ergebnis sollen 2017 spürbar steigen.

…mehr
Transparentes Presswerk: Schuler zeigt neues Modell zur Anlagenüberwachung

Transparentes PresswerkSchuler zeigt neues Modell zur Anlagenüberwachung

Schuler zeigt auf der Euroblech ein Modell des Machine Monitoring Systems (MMS) der Zukunft. Es gewährt völlig neue Einblicke in Pressen: Mit Hilfe einer umfassenden Anlagenüberwachung lassen sich die Verfügbarkeit erhöhen, die Produktions- und Teilequalität verbessern und der Energiebedarf senken. Das MMS gehört zum Smart Press Shop, in dem Schuler Lösungen zur Vernetzung in der Umformtechnik sammelt.

…mehr

Neue Stellenanzeigen