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PLM„Präsenz deutlich ausweiten“

Etliche neue Großprojekte konnte der PLM-Anbieter PTC im vergangenen Jahr akquirieren. Einen Einblick in seine Arbeit gewährt Michael Sauter, Country Manager von PTC Central Europe. Er ist verantwortlich für die Aktivitäten des Software- unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Interview befragt ihn SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz zum Erfolg des Unternehmens in der Automobilbranche und zu den Übernahmen der Softwarespezialisten MKS und 4CS.

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PLM: „Präsenz deutlich ausweiten“

SCOPE: Herr Sauter, mehr Offenheit von PLM-Systemen - das ist die Kernforderung des "Codex of PLM Openness", mit dem die Automobilhersteller und -zulieferer sich an die PLM-Anbieter richten und zur Selbstverpflichtung der Anbieter zu mehr Offenheit auffordern. Unterstützt PTC den Codex?

Sauter: PTC begrüßt diese Initiative sehr und hat bereits letzten Sommer ein entsprechendes Memorandum of Understanding als erster PLM-Anbieter auf Vorstandsebene unterzeichnet. PTC unterstützt die Offenheit und Integration in andere CAD- und PLM-Systeme bereits seit langem und daher engagieren wir uns maßgeblich bei der Definition des Codex of PLM Openness. Die Codex-Initiative geht von einigen OEMs unter der Führung von BMW aus. Ziel ist es, die Offenheit in PLM-Lösungen sicherzustellen.

SCOPE: Wie erfolgreich war PTC im letzten Jahr im Automobilbereich?

Sauter: Hier waren wir sehr erfolgreich und wurden beispielsweise von Hyundai/Kia zum strategischen PLM-Partner ausgewählt. In Europa waren wir ebenfalls erfolgreich und verzeichnen hier, über alle Branchen gesehen, mit 20 Prozent überdurchschnittliches Wachstum. Europa bringt nun 40 Prozent der Umsätze, drei Prozentpunkte mehr als der Heimatmarkt Nordamerika. Im Automobilbereich arbeiten wir hier beispielsweise mit Bosch, Continental, Schaeffler, Volkswagen, Webasto und ZF sehr eng zusammen. Von all diesen Unternehmen haben wir im letzten Geschäftsjahr signifikante Großaufträge und weitere Commitments erhalten.

SCOPE: Wie entwickelte sich für PTC, neben der Autobranche, der Industriebereich?

Sauter: Auch im Industriebereich haben wir etliche neue Großprojekte akquiriert und vorangetrieben und große Aufträge bekommen. Beispielhaft seien hier ABB, Bosch, Liebherr, Phoenix Contact oder SMS genannt. Aus der Textil- und Modebranche konnten wir nach adidas inzwischen auch Odlo und Esprit gewinnen. Aber auch in der Medizingerätetechnik waren wir erfolgreich. So arbeitet jetzt auch Fresenius Medical Care mit unseren Lösungen.

SCOPE: Spüren Sie auch bei kleinen und mittleren Unternehmen einen Trend zu PLM?

Sauter: Durchaus. Ein Beispiel hierfür ist die Firma Fronius International aus Österreich. Das ist ein sehr stark wachsendes mittelständisches Unternehmen, das sein Wachstum auch auf Windchill-Technologie abstützen wird. Über Unternehmen aller Größen hinweg hat PTC damit im letzten Geschäftsjahr seine führende Rolle im Bereich Automobil-, Maschinen- und Anlagenbau, Einzelhandel und Medizintechnik deutlich ausgebaut.

SCOPE: PTC hat im letzten Jahr auch die seit langem eingeführte CAD-Lösung Pro/Engineer durch Creo abgelöst. Können Sie kurz zusammenfassen, was Creo besser kann als Pro/Engineer?

Sauter: Für Creo haben wir unsere Technologien für das parametrische, das direkte und das 2D-Entwurfsmodellieren auf eine gemeinsame CAD-Plattform gebracht. Das ist ein absolutes Novum auf dem Markt. Damit können wir elementare Herausforderungen und Probleme in der Industrie lösen: die Interoperabilität zwischen den verschiedenen CAD-Systemen, die in der Industrie im Einsatz sind. Mit Creo können erstmals rollenspezifische Funktionen für die Konstrukteure und alle weitere am Entwicklungsprozess Beteiligten zur Verfügung gestellt werden. Verschiedenste Modellierungstechniken können auf einer CAD-Datenplattform abgebildet werden, so dass der Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Beteiligten sichergestellt ist. So können zum Beispiel auch Gelegenheitsanwender produktiver werden. Jeder Beteiligte bekommt also genau die Funktionalität zur Verfügung gestellt, die er benötigt, und die Unternehmen können so schneller und effizienter Informationen erstellen und weiterverarbeiten. Das führt dazu, dass Creo insgesamt die Produktivität für jeden Einzelnen und für das gesamte Unternehmen steigert.

SCOPE: Im März kommt Creo 2.0. Was ist daran neu?

Sauter: Hier werden wir Sie noch ein bisschen auf die Folter spannen. Auf der Hannover Messe im April 2012 werden wir Ihnen verraten, was Creo 2.0 Neues zu bieten hat.

SCOPE: Welche weiteren Themen werden Sie dieses Jahr in Angriff nehmen?

Sauter: Wir haben tatsächlich drei weitere drei große Themen im Fokus. Das erste findet im Engineering statt. Hier geht es darum, die Softwareentwicklung während der kompletten Produktentwicklung zu integrieren. Man spricht hier im Wesentlichen von Embedded Software Wenn man Systems Engineering komplett und umfassend betreiben will, ist es notwendig Mechanik, Elektrik, Elektronik und Software während des kompletten Prozesses entsprechend zu managen. Das war der Grund für uns, den Marktführer in diesem Bereich, den Softwarespezialisten MKS zu übernehmen.

SCOPE: Sind die MKS-Kunden überwiegend neue Kunden für PTC?

Sauter: Nein. Viele waren bereits vorher große Kunden von PTC und hatten sowohl PTC als auch MKS-Technologie im Einsatz. Ein Beispiel hierfür ist die Continental Automotive. Continental ist der größte MKS- und einer der größten PTC-Kunden. Obwohl wir nicht öffentlich über die Anwenderzahl reden können, können Sie sich vorstellen, dass es sehr viele sind. Denn zu den mehreren tausend Hardware-Entwicklern, die Continental Automotive hat und die mit unseren PTC-Produkten arbeiten, übersteigt die Zahl der Software-Ingenieure die der Hardware-Ingenieure, die die Integrity-Plattform von MKS nutzen, noch einmal um den Faktor 3 bis 4.

SCOPE: Und was ist das zweite Thema?

Sauter: Das betrifft die Thematik Supply Chain Manufacturing. Hier geht es im Wesentlichen darum, die Zusammenarbeit mit den Zulieferern und die Integration in die Fertigungsprozesse zu optimieren. PTC wird hier seine Präsenz deutlich ausweiten und wir werden bestehende Prozesslücken schließen.

SCOPE: Neben MKS haben Sie auch 4CS übernommen. Was ist hier strategisches Ziel?

Sauter: Diese Übernahme betrifft das dritte Thema, den After-Market-Service. Hier geht es im Wesentlichen darum, dass wir mit unserer Arbortext-basierten Lösung das Service Lifecycle Management (SLM) das Service-Geschäft in den Unternehmen unserer Kunden, deutlich optimieren. Dazu haben wir unter anderem das Unternehmen 4CS Solutions akquiriert, das uns hilft, diese Prozesse noch besser abzudecken. Sie sehen, wir haben viel vor in diesem Jahr. Das spiegelt sich auch in unseren Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen wider. Im letzten Geschäftsjahr haben wir zweihundert Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben, und damit unsere Forschungsausgaben um weitere sechs Prozent gesteigert.

SCOPE: Wie zufrieden waren Sie denn mit der Kundenveranstaltung Planet, die Ende November in Stuttgart stattfand?

Sauter: Insgesamt hatten wir über 1.300 Teilnehmer, das waren 30 Prozent mehr als 2010. Diese Zahlen sind Rekordzahlen für eine Veranstaltung dieser Art. Und damit hat sich diese Veranstaltung auch als eine der größten Veranstaltungen für PLM im deutschsprachigen Bereich weiter etabliert.

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