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MESVernetztes Denken

Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Fertigungsumfeld zählt die MPDV Mikrolab zu den führenden Lösungsanbietern von Manufacturing Execution Systemen. Welche Ähnlichkeiten diese Systeme mit sagenhaften Ungeheuern haben, erläutert gegen- über SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens und Buchautor Professor Dr. Jürgen Kletti.

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SCOPE: Herr Professor Kletti, Hydra steht in der griechischen Sage für ein neunköpfiges, schlangenähnliches Ungeheuer, dem die Köpfe nachwachsen. Assoziiert der Name auch die Komplexität der heutigen Produktionsprozesse oder was hat Hydra, die nach Ihrer Aussage erfolgreichste MES-Lösung in Deutschland, mit einem Alptraum gemein?

Prof. Kletti: Der Name Hydra stellt in der Tat eine Negativ-Assoziation durch die Verbindung zur griechischen Sage her. Die Verbindung ist jedoch insofern passend, dass in der heutigen komplexen Produktion an sehr vielen Stellen gedacht und entschieden werden muss. Dieses Denken und Entscheiden kann nur auf Basis gesicherter Informationen sinnvoll erfolgen. Einseitige Betrachtungsweisen, zum Beispiel nur die Qualitätsbelange, nur die Fertigungsbelange oder nur die Personalbelange, zeichnen oft ein falsches Bild und provozieren falsche Maßnahmen. Daher ist es wichtig, in der Fertigung an vielen Stellen die Realitäten wie Stückzahlen, Zeiten und Qualitäten zu erfassen, diese zusammenzufassen und auszuwerten. Nur damit kann ein Entscheider für die aktuelle Situation eine sinnvolle Entscheidung fällen und kann anhand längerfristig aufgezeichneter Daten konstruktive Vorschläge für eine permanente Verbesserung machen. Hierfür bietet Hydra natürlich die ideale Plattform. Ihre Module berücksichtigen vielfältige Aspekte in der Fertigung und sind für nahezu alle Auswertungs-, Erfassungs- und Entscheidungsaufgaben einsetzbar. Dies reicht auf der Personalseite von der Zeitwirtschaft über Personaleinsatzplanung, auf der Fertigungsseite von vielfältigen Erfassungtechnologien sowohl automatisch wie auch manuell, über Werkzeug- und Ressourcenverwaltung, bis hin zur Fertigungsfeinplanung. Und auf der komplexen Qualitätsseite: Von der Prüfplanung über Prüfmittelverwaltung bis hin zur fertigungsbegleitenden Prüfung. Wenn sie so wollen: Ein rundum Sorglos-Paket für die komplexe, moderne Fertigung, die sich permanent selbst verbessern muss.

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SCOPE: MPDV kooperiert seit letztem Jahr mit Mitsubishi-Electric im Bereich Factory Automation. Ist dies auch eine Antwort auf Siemens TIA?

Prof. Kletti: Mitsubishi-Electric beschäftigt sich mit seinen Lösungen – wie MPDV auch – mit der konkreten Fertigungssituation und mit der permanenten Verbesserung der Fertigung. Dabei ist die Erfassung vieler Zeiten und Prozessdaten notwendig. Diese Daten müssen effizient und kostengünstig erfasst werden, sodass eine gewisse Verbreitung in einem Unternehmen überhaupt möglich ist. Die Ideen, die mit TIA auf der langfristigen Schiene verfolgt werden, spielen hier – glaube ich – noch keine große Rolle.

SCOPE: Rund 650 Unternehmen setzen heute MPDV-Lösungen ein. Wie viele davon nutzen Sie als Stand-Alone-Lösung?

Prof. Kletti: Die Stand-Alone-Lösungen sind in unserer Anwenderschaft nicht sehr verbreitet. Üblicherweise werden MES-Lösungen gemäß der klassischen Unternehmensstrategie als System für das Fertigungsmanagement eingesetzt, das nach oben eine Verbindung zum ERP-System hat und nach unten eine Verbindung zur Automation.

SCOPE: Auf der Hannover-Messe stellte MPDV die Version 8 von Hydra vor. Welche besonders wichtigen Funktionen zeichnen diese Lösung aus?

Prof. Kletti: In den letzten Jahren hat sich Hydra extrem weiterentwickelt. Es wurde eine ganze Reihe von neuen Funktionen geschaffen. Diesen Neuerungen trägt man in Hydra 8 dadurch Rechnung, dass sie eigene Module darstellen. So wurde zum Beispiel im Bereich der Zeitwirtschaft sehr vieles neu entwickelt. Besonders interessant sind die Module der Prozessdatenverarbeitung, die sich um das Energiemanagement kümmern. Auch im Bereich der Materialwirtschaft gibt es mit dem Modul Tracking und Tracing erhebliche Neuerungen. Im Bereich der Oberfläche sind wir ganz neue Wege gegangen. Abgesehen davon, dass wir mit der modernsten Programmiertechnik gearbeitet haben, ist die Oberfläche jetzt sowohl produkt- als auch rollenorientiert zu bedienen. Der Anwender kann sich sein Erscheinungsbild und seine Funktionalitäten so zusammenstellen, dass er optimal mit dem System arbeiten kann. Auf einem Desktop können eine Reihe von Fenstern platziert werden, deren Inhalte sich gegenseitig kontrollieren. So lassen sich Probleme in der Fertigung besonders schnell analysieren.

SCOPE: Mit Campus bieten Sie Kunden und Interessenten seit einigen Jahren auch Unternehmensberatung und Seminare an. Wie kommt das Angebot denn an?

Prof. Kletti: Ich bin überrascht, wie gut diese Idee sich im Markt bewährt. So können wir einerseits bestehenden Anwendern in vielfältiger Weise Hilfestellung geben, was man mit den erfassten Daten anfangen kann und was man mit der Anwendung dieser Daten denn erreichen kann. Auf der anderen Seite sorgt Campus auch dafür, dass bei Unternehmen der Nebel um MES etwas gelichtet wird. Hier zeigt Campus in Beratungsprojekten und auch in Seminaren Unternehmen, warum man MES einsetzen sollte, unterstützt sie bei der Definition von Zielen und zeigt, welche Effekte damit erreichbar sind. Parallel dazu betreiben wir über Campus die Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Aktuell gibt es zwei größere Projekte mit den Universitäten in Potsdam und in Darmstadt.

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