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EMO-Neuheiten„Klare Trennung“

Wenn die EMO ihre Pforten öffnet, werden Branchenkenner staunen. Direkt neben dem Mapal Stand wird sich als neue Marke eine Gruppe unter dem Oberbegriff Tool-Traders-Partner präsentieren. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz sprach mit Dr. Jochen Kress, Mitglied der Geschäftsleitung, über die abstrakten und gegenständlichen Neuheiten des Unternehmens.
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Interviews: „Klare Trennung“

SCOPE: Herr Dr. Kress, auf der EMO stellen Sie den Mapal-Effekt für hocheffiziente Fertigungsprozesse vor. Aber Werkzeugkosten betragen doch nur rund drei Prozent der Herstellkosten. Wie kann da Mapal dazu beitragen, dass ein Unternehmen entscheidende Wettbewerbsvorteile in der Fertigung erzielt?

Dr. Kress: Es ist richtig, die Werkzeugkosten betragen in der Regel nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten. Jedoch stellen die Werkzeuge einen großen Hebel dar, der zu einer deutlichen Kosteneinsparung in vielen Bereichen führen kann. Beispiele dafür sind natürlich reine Investitionskosten, aber auch Kosten für Personalaufwand, Wartung, oder sogar die Reinigung der Teile nach der Bearbeitung. Mit dem Mapal Effekt zeigen wir auf der EMO viele dieser Beispiele, und zusätzlich unsere Fähigkeit, ganzheitlich an eine Bearbeitungsaufgabe heranzugehen und so konkrete Vorteile für den Kunden zu erarbeiten. Dabei decken wir mit unserem Angebot das komplette Aufgabenspektrum bei der Bearbeitung kubischer Bauteil ab, von der Prozessanalyse und –planung über die Werkzeugtechnologie und Logistikdienstleistungen bis hin zum Umrüsten von Werkzeugmaschinen auf neue Bauteile, das sogenannte http://re.tooling.

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SCOPE: Können Sie das auch an einem konkreten Beispiel festmachen?

Dr. Kress: Gerne. Mapal hat im September 2010 einen großen Auftrag aus der Windkraftbranche erhalten. Es handelt sich dabei um die Bearbeitung von drei Bauteilen aus GJS (Gusseisen mit Kugelgraphit) für Windkraftgetriebe. Wir haben diesen Auftrag als Technologiepartner erhalten und waren von Anfang an in die Erarbeitung des Bearbeitungsprozesses eingebunden. Zu den Prozessleistungen haben wir unser Know-how bei der Bearbeitung großer Bauteile eingebracht. Es kommen Brückenwerkzeuge zum Ausspindeln und Feinbohren und Helixfräser zum Einsatz, bei denen die Zirkularfräsbewegung durch eine axiale Vorschubbewegung überlagert wird und die so flexible und hochproduktive Fräsbearbeitungen ermöglichen. Darüber hinaus wurden sehr große, mit unserer Tooltronic angetriebene Planschieberwerkzeuge entwickelt. Ein 1,2 Tonnen schwerer Planschieberkopf ist übrigens als Highlight auf der EMO zu sehen. Mit der Werkzeugauslegung und –produktion ist die Zusammenarbeit nicht abgeschlossen. Unsere Spezialisten sind beim Einfahren vor Ort und garantieren, dass der Kunde in jedem Fall einen einwandfrei funktionierenden Prozess geliefert bekommt.

SCOPE: Ebenfalls neu auf der EMO: Sie sprechen den Direktvertrieb mit einem Mapal-Stand und den Handel mit einem „Tool-Traders-Partner“-Stand getrennt an. Wer sind die „Tool-Traders-Partner“ und was ist das Ziel dieser Strategie?

Dr. Kress: Hinter den Tool Traders Partnern stehen die Firmen Beck, Miller und WTE, also drei Mitglieder der Mapal Gruppe. Diese drei Unternehmen werden sich ab sofort auf den Vertrieb über den Handel konzentrieren, während unter der Marke Mapal die Produkte wie gewohnt direkt an den Endkunden vertrieben werden. Diese klare Trennung der Vertriebswege ist neu bei uns und soll mit entsprechendem Nachdruck kommuniziert werden. Dazu gehört ein ansprechender, von Mapal getrennter Messeauftritt der Tool Traders Partner.

SCOPE: Die Aufteilung der Gruppe in einen Direktvertriebs- und einen Handelsteil klingt ein wenig nach High-End- und Low-Cost-Produktion. Ist das ebenfalls Ziel Ihrer Strategie?

Dr. Kress: Im Gegenteil. Allen Marken unserer Gruppe ist eines gemeinsam ¿ das Spezialistentum. Alle Unternehmen bieten in ihren Bereichen technologisch führende Produkte. Die Strategie folgt vielmehr unserer Überzeugung, dass unterschiedliche Vertriebswege nicht mit derselben Marke bedient werden können. Der Vertrieb über den Handel hat völlig andere Gesetze als der Direktvertrieb. Eine Vermischung ist nicht sinnvoll. Mapal bekennt sich dazu und hat mit den Tool Traders Partnern drei Unternehmen zusammengeschlossen, die die Gegebenheiten im Handel kennen und so gute Beziehungen aufbauen.

SCOPE: 2010 konnte Mapal umsatzseitig das Niveau von 2008 wieder erreichen, der Auftragseingang lag noch 10 Prozent über dem von 2008. Wie konnten Sie die Folgen des Krisenjahrs 2009 so schnell überwinden?

Dr. Kress: Ende 2008 und 2009 gab es dramatische Einbrüche, denen wir fast hilflos zuschauen mussten. Wir haben uns für zwei Stoßrichtungen entschieden: Kosten sparen wo immer möglich und in die Zukunft investieren. So wurden der Vertrieb und die Entwicklung komplett aus der Kurzarbeit herausgehalten, um neue Vertriebswege und -möglichkeiten sowie neue Produkte und Technologien zu erarbeiten. Unsere Gruppe ist insgesamt in der Krise enger zusammengerückt. Wir haben das Netzwerk der Niederlassungen wesentlich gestärkt, sei es in Sachen IT, der Kommunikation oder dem Austausch von Erfahrungen und Know-how. Wir haben auf Entlassungen verzichtet, und stattdessen die Mitarbeiter weiterqualifiziert. Und wir haben uns auf unsere Stärke konzentriert, den Kunden durch Komplettangebote attraktive und effiziente "Mapal Effekte" zu bieten. Diese Hausaufgaben wurden rechtzeitig erledigt, sodass der Aufschwung komplett mitgenommen werden konnte.

SCOPE: Und welche Erwartungen haben Sie in diesem Jahr, und da speziell auch an die EMO?

Dr. Kress: Wir gehen von einem ebenfalls sehr guten Jahr 2011 aus. Dementsprechend hoch sind unsere Erwartungen an die EMO, die mitten in der Hochphase der Konjunktur kommt.

SCOPE: Herr Dr. Kress, 1950 gründete und benannte Ihr Grossvater Dr. Georg Kress das Unternehmen - wovon leitet sich denn der Name Mapal ab?

Dr. Kress: Mapal steht, dem ursprünglichen Produktprogramm folgend, für "Maschinen- und Präzisionswerkzeugfabrik Aalen".

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