Brandschutz

Moog Pieper entwickelt videobasierte Raucherkennung

In Deutschland führt jeder dritte Brand zu Sachschäden von mehr als 500.000 Euro. Hinzu kommen Verluste durch eventuelle Produktionsausfälle. Warum sind industrielle Produktionsstätten nicht flächendeckend mit Brandfrüherkennungssystemen ausgestattet – zumal es ja auch um den Schutz der Mitarbeiter geht?

In Deutschland führt jeder dritte Brand zu Sachschäden von mehr als 500.000 Euro. Hinzu kommen Verluste durch eventuelle Produktionsausfälle.

Egal ob durch technischen Defekt, Nachlässigkeit eines Mitarbeiters oder Brandstiftung: Die Ursachen für Brände sind vielfältig – und teuer. So schätzt der Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe e.V., dass allein in Deutschland jährlich ein volkswirtschaftliches Vermögen von mehreren Milliarden Euro durch Feuer vernichtet wird.

Um einen umfassenden Brandschutz zu gewährleisten, müssen einige Faktoren berücksichtigt werden: von baulichen Schutzmaßnahmen über die Vermeidung von Zündquellen bis hin zur Schulung von Mitarbeitern – und natürlich dem Einsatz von Brandmeldeanlagen. Allerdings setzen viele Unternehmen auf klassische Rauchmeldeanlagen. Diese sind nicht unnütz, aber um Menschenleben wirksam zu schützen und Produktionsausfälle zu verhindern, sind moderne Brandmeldeanlagen geeigneter. So kommen herkömmliche Rauchmelder in zugigen Innenräumen mit hohen Decken – und das trifft auf viele Produktionshallen zu – schnell an ihre Grenzen. Erst wenn der Rauch bereits bis zur Decke gestiegen und das Feuer bereits sehr groß ist, melden sie den Ausbruch eines Brandes. Auch lösen herkömmliche Punkt- oder Lichtstrahlrauchmelder in schwierigen Umgebungen mit Chemikalien, Staub oder Dämpfen oft Fehlalarme aus. Gerade für das industrielle Umfeld gibt es neue, bessere Brandschutzlösungen, die bestehende Systeme ergänzen und sicherer werden lassen.

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Eine dieser Technologien ist die video-basierte Raucherkennung, wie sie das Unternehmen Moog Pieper aus dem nord-rhein-westfälischen Schwerte entwickelt. Hier werden mithilfe von Kameras Brände bereits in der Schwelphase entdeckt. Hierbei wird eine gängige Netzwerkkamera direkt an die Brandmeldezentrale angeschlossen. Auf der Kamera ist eine Analysesoftware installiert, die die Umgebung kontinuierlich auf Brandherde scannt. Der lernende Algorithmus prüft Räumlichkeiten auf Rauch und Veränderungen, weiß aber auch Menschen, Staubwolken und andere Unregelmäßigkeiten im Bild zu ignorieren.

Thermalkameras für Härtefälle

Auf die Sekunde kommt es an: Wo Rauchmelder zu spät anschlagen würden, kommt eine videobasierte Raucherkennung zum Einsatz. Sie erkennt einen Brandherd früher. (Bild: Moog Pieper)

Nicht in jeder Produktionsumgebung sind Brände per se unerwünscht: In der Glas- und Zementindustrie oder beispielsweise in Müllverbrennungsanlagen ist ein Feuer unumgänglich. Dennoch sind Brände auch in diesen Umgebungen ernstzunehmende Gefahren. In solchen extremen Umgebungen sind Thermalkameras, die bei geringen Temperaturunterschieden Alarme senden, eine gute Wahl. Die Kameras sind sehr robust und in wassergekühlten Gehäusen verbaut zudem hitzebeständig. Grundsätzlich eignen sich Thermalkameras auch in anderen Produktionsstätten. Allerdings sind sie vergleichsweise teuer, da sie auf eine Software angewiesen sind, die an den jeweiligen Einsatzort und die Gegebenheiten angepasst werden muss. Und es gibt einen weiteren Punkt zu beachten: Thermalkameras eignen sich lediglich für Flächen mit freiem Sichtfeld. Bei Hindernissen wie Maschinenteilen oder auch Säulen geraten Thermalkameras an ihre Grenzen.

Brandschutz in der Industrie 4.0

Jedes Unternehmen hat Schutzziele, aber nicht immer das Budget, um sich mit einer umfassenden Lösung auszustatten. Dennoch gibt es zwischen „Luxusvariante“ und althergebrachten Brandmeldetechniken eine Vielzahl bezahlbarer Optionen. Auch die aktuelle Entwicklung hin zu einer vernetzten Fabrik wird dem Brandschutz spannende Impulse geben. Durch die Doppelnutzung von Kameras kann der Brandschutz in das normale Prozessleitsystem integriert werden. Mit mehreren Applikationen ausgestattete Kamerasicherheitssysteme warnen nicht nur im Brandfall, sondern auch wenn sich beispielsweise in Folge eines Unfalls ein regloser Mensch in der Produktions-anlage befindet.

Ein Aspekt, der gerade im Hinblick auf Industrie 4.0 nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Zugriffssicherheit. Prozessbeobachtungssysteme sollten nie im gleichen Netzwerk wie Firmendaten aufgebaut werden. Auch hier sind die üblichen Sicherheitsvorkehrungen wie Firewalls oder auch Zugriffskontrolle wichtig. Ein besonderes Augenmerk sollte zudem auf die Auswahl der Kamera gelegt werden: Auf asiatischen Kameras sind teilweise Standard-Applikationen installiert, die eigenständig Kontakt mit Servern in ihrer Heimat aufnehmen und damit ein potenzielles Einfallstor für Industriespionage sind. ee

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