Lichtinfos für Industrie und Handwerk (Heft 05)

Wechseln statt Umrüsten

Für den industriellen Bereich bieten die Hersteller von Beleuch-
Bei guter Beleuchtungsqualität geht die Arbeit leichter von der Hand und die Fehlerquote sinkt. (Bild: Licht.de/Reindel)
tungssystemen heute zahlreiche Produkte, die eine Reduzierung der Betriebskosten unterstützen. Wer sich auf die Suche nach der Ideallösung begibt, verliert sich allerdings schnell im Dickicht der lichttechnischen Details. Unser Beitrag greift daher nur die entscheidenden Orientierungspunkte auf.

Über 80 Prozent der Informationen erfasst der Mensch mit seinen Augen. Im wahrsten Sinne des Wortes leuchtet es also ein, warum gutes Licht so wichtig ist für ein fehlerfreies Sehen. Mit Blick auf industrielle Arbeitsplätze bedeutet das: Bei guter Beleuchtungsqualität geht die Arbeit in Montage und Fertigung leichter von der Hand und die Fehlerquote sinkt.

Moderne Beleuchtungstechnik ist aber auch in anderer Hinsicht ein spürbarer Gewinn: Sie spart Geld. Weil neue Systemlösungen das benötigte Licht mit bis zu 80 Prozent weniger Energie als Altanlagen erzeugen, sinken die Betriebskosten bei einer neuen Anlage drastisch.

Das Energiesparangebot der Lichtindustrie umfasst heute speziell unter diesem Gesichtspunkt entwickelte Beleuchtungssysteme. Sie ermöglichen den Betrieb von wirtschaftlichen Lampen an effizienten elektronischen Betriebsgeräten in optimierten Leuchten. Dabei sind die Einspareffekte stets dann am höchsten, wenn das Licht „mitdenkt“. Mit anderen Worten: Wenn Lichtmanagement in einem tageslichtabhängigen Regelungssystem das einfallende Tageslicht mit in Betracht zieht.

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Grundsätzlich sehr wirtschaftlich sind Leuchtstofflampen mit dem Rohrdurchmesser von 16 Millimeter. Weil sie sich aber nicht für den direkten Austausch gegen die herkömmlichen Lampen mit 26 Millimeter Durchmesser eignen, haben findige Entwickler sehr schnell nach der Markteinführung dieser neuen Lampen Adapter angeboten. Sie ermöglichen den direkten Austausch, sind jedoch nach Ansicht des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) sicherheitstechnisch bedenklich. Der Verband warnt sogar vor jeglicher Umrüstung, also zum Beispiel auch vor dem Austausch von Betriebsgeräten. Wer die Beleuchtungsqualität verbessern und Energiekosten sparen will, sollte also konsequent auf einen Austausch Neu gegen Alt setzen.

Finanzieren per Contracting

Dabei können Finanzmittel für eine neue Beleuchtungsanlage alternativ zu eigenen Investitionen über eine Fremdfinanzierung bereitgestellt werden. Auf diese spezielle Form des Contracting verweist die Berliner Energieagentur im Rahmen ihrer Kampagne Energiesparende Beleuchtung (www.energiesparende-beleuchtung.de). Die Kernaussage eines solchen Contracting-Vertrages ist, dass der Energiedienstleister, der die Beleuchtungssanierung finanziert, auch den Großteil des wirtschaftlichen Risikos trägt. Das bedeutet allerdings, dass er auch den Gewinn erwirtschaftet, der sich aus der eingesparten Energie ergibt – Geben und Nehmen. Unternehmen, die sich für ein solches Finanzierungsmodell entscheiden, verbuchen aber als Gewinn in jedem Fall die bessere Beleuchtungsqualität.

Wer nach Gütemerkmalen für die Beleuchtungsqualität von Fertigungshallen sucht, der hat zunächst mal leichtes Spiel. Denn sie sind vorgegeben in der Norm DIN EN 12464 Teil 1 Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen. Elementare lichttechnische Größen sind dabei die Beleuchtungsstärke, die Leuchtdichteverteilung (Helligkeitsverteilung), die Begrenzung der Blendung (Direkt- und Reflexblendung), die Lichtrichtung und Schattigkeit sowie die Lichtfarbe und Farbwiedergabeeigenschaft der Lampen.

Die DIN EN 12464-1 nennt für diese Gütemerkmale nur die Mindestwerte. Sie dürfen also zugunsten von Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit auch höher projektiert werden. Das kann Sinn machen, denn höhere Beleuchtungsstärken senken beispielsweise nachweislich nicht nur die Fehlerquote, sondern auch die Zahl der Arbeitsunfälle.

Wie hoch ist denn die Halle?

Für die Beleuchtung von Hallen eignen sich Leuchten für stabförmige Leuchtstofflampen oder Leuchten für Hochdruck-Entladungslampen. Auch eine Kombination beider Beleuchtungssysteme ist druchaus möglich. Bei Hallenhöhen von bis zu sechs Meter werden Leuchten für Leuchtstofflampen bevorzugt. Die in aller Regel wirtschaftlichste Lösung ist dabei eine Bestückung entweder mit Lampen mit einem Rohrdurchmesser von 26 Millimeter – am besten betrieben mit elektronischen Vorschaltgeräten (EVGs) – oder 16 Millimeter Rohrdurchmesser, die an EVGs betrieben werden müssen,.

Für Hallenhöhen ab sechs Meter kommen dann wahlweise Leuchten für Leuchtstofflampen oder für Hochdruck-Entladungslampen infrage. Zu beachten: Hier eignen sich jedoch nur Leuchtstofflampen mit Durchmessern von 16 Millimeter der Ausführung Hoher Lichtstrom (HO = High Output). Sie sind ausgelegt auf höchsten Lichtstrom pro Lampenlänge. Durch ihre erheblich optimierte Leuchtdichte sind diese Lampen um 50 Prozent heller als herkömmliche 26-Milllimeter-Lampen.

Hallenreflektorleuchten mit Halogen-Metalldampf- oder Natriumdampf-Hochdrucklampen sind ab sechs Meter Hallenhöhe die Alternativen. Dabei erlaubt die hohe Lichtstromkonzentration dieser Lampen eine – angesichts der Höhe – relativ geringe Anzahl von Leuchten.
Wenn an einzelnen Arbeitsplätzen zusätzliches Licht benötigt wird, können dafür dann Arbeitsplatz- oder Maschinenleuchten eingesetzt werden. Für einzelne Bildschirmarbeitsplätze in der Produktionshalle müssen sogar zusätzlich bildschirmgerechte Beleuchtungen installiert werden. Die entsprechenden Arbeitsplatzleuchten sollten stets die Anforderungen der Norm DIN 5035-8 erfüllen.

Übrigens: Wer mit Lichttechnikern auf gleicher Augenhöhe fachsimpeln möchte, sollte sich nicht nur einige technische Grundbegriffe aneignen, sondern sich auch deren Wortwahl zu eigen machen. Im professionellen Sprachgebrauch nämlich kennzeichnet der Begriff Lampe nur die Lichtquelle. Der gesamte Beleuchtungskörper hingegen heißt Leuchte; sie schützt die Lampe, verteilt und lenkt deren Licht und verhindert, dass es blendet. ms

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