Interview mit Manfred Bender

„Gezielte Datensammlung bringt Energieeffizienz“

In einem sich zunehmend verändernden Wettbewerbsumfeld steht Pfeiffer Vacuum als solides Unternehmen optimal da. Ein Grund dafür ist sicherlich die konsequente Ausrichtung an den derzeitigen Wachstumsfeldern. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz fragte Manfred Bender, den Vorstandsvorsitzenden des Komplettanbieters von Vakuumtechnologie, nach E-Autos, Halbleitern und Condition Monitoring.

Manfred Bender ist Vorstandsvorsitzender bei Pfeiffer Vacuum.

SCOPE: Mit Vakuum wird in der Industrie produziert, gesaugt, verpackt, positioniert, getrocknet, etc., von Autos bis Zahnmedizintechnik sind Vakuumpumpen im Einsatz. Wo sind Ihre wichtigsten Absatzbranchen?

Manfred Bender: Der größte Absatzmarkt für Vakuumprodukte ist der Halbleitermarkt, gefolgt vom heterogenen Industriemarkt und der Analytik.

SCOPE: Und wo sehen Sie die größten Wachstumsfelder?

Bender: Ohne Zweifel hat der Halbleitermarkt auch das größte Wachstumspotenzial. Wir alle nutzen rund um die Uhr Halbleiter, sei es in Form unseres Smartphones, eines Notebooks, verschiedener Fahrerassistenzsysteme im Auto oder der beliebten Wearables. Damit erzeugen wir eine große Menge von Daten, die verarbeitet, versendet und gespeichert werden. Die sogenannte Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Die Produktion von Prozessoren und Speichermedien wird steigen und damit auch der Bedarf an Vakuumtechnik. Aber auch unsere anderen Märkte wie Industrie, Analytik, Beschichtung sowie Forschung und Entwicklung sind erwähnenswert. Auch sie werden wachsen.   

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SCOPE: Mit dem Trend zum E-Auto werden Vakuumpumpen dort zukünftig noch häufiger benötigt. Ist das E-Auto ein Zukunftsmarkt für Sie?

Bender: Zum Antrieb von Elektrofahrzeugen werden Lithium-Ionen-Batterien verwendet. Für die Herstellung der Batteriezellen wird Vakuumtechnik unter anderem zum Beschichten, Trocknen der beschichteten Elektroden und Befüllen der Batterien mit Elektrolyt eingesetzt. Darüber hinaus müssen die Batteriegehäuse mit Helium-Lecksuchgeräten auf Dichtigkeit geprüft werden. Dies geschieht, um das Eindringen von Feuchtigkeit und damit vorschnelles Altern zu verhindern.

SCOPE: Bei einer Vakuumpumpe ist der Anschaffungspreis nicht unbedingt der höchste Kostenfaktor, sondern die Life-Cycle-Costs spielen eine große Rolle. Gibt es, ähnlich der Farbmarkierung bei Waschmaschinen, für den Anwender einfach zu erkennende Kriterien der Energieeffizienz von Vakuumpumpen?

Bender: In Abhängigkeit von der Leistungsaufnahme der Motoren gibt es verschiedene IE-Klassen. Hierbei handelt es sich um eine Vorgabe vom Gesetzgeber. Es gibt jedoch keine kennzeichnenden Aufkleber, die auf den Vakuumpumpen angebracht sind. Bei Pfeiffer Vacuum ist Energieeffizienz schon lange ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. So haben wir zum Beispiel kürzlich Pumpen auf den Markt gebracht, die durch andere Antriebstechnologien heute schon die Anforderungen von IE 4 erfüllen.

SCOPE: Bei der Betrachtung der Energieeffizienz spielt neben dem Wirkungsgrad die gesamte Kette zwischen Verbraucher und Erzeuger, also zwischen Nutzstelle und Vakuumpumpe, eine ausschlaggebende Rolle. Kann Industrie 4.0 dabei helfen, die Energieeffizienz des Gesamtsystems zu steigern?

Bender: Ein aktuelles Projekt in Bezug auf Industrie 4.0 in unserem Haus ist das Thema Condition Monitoring. Dies spielt insbesondere in unserem Kernmarkt Halbleitertechnik eine wichtige Rolle. Durch bessere und gezieltere Überwachung unserer Pumpendaten in Verbindung mit den Kundenprozessen, lassen sich hier die Pumpzyklen und die zugehörigen Parameter unserer Produkte nicht zuletzt in Hinblick auf die Energieeffizienz deutlich verbessern. Die gewonnen Daten werden dabei auch genutzt, um zukünftige Produkte insgesamt effizienter zu gestalten und so weitere Einsparungen in Bezug auf die Energiekosten realisieren zu können.

Darüber hinaus sind wir auch in unserer Produktion bestrebt, gezielt Daten zu sammeln, um unsere interne Energieeffizienz zu steigern.

SCOPE: Pfeiffer Vacuum betreibt einen Online-Shop, in dem Sie Produkte des Bereichs Kammern & Komponenten anbieten. Wollen Sie über diesen Kanal zukünftig auch Standardpumpen verkaufen?

Bender: Im Pfeiffer Vacuum Online Shop finden Sie derzeit über 2.000 Artikel. Das Angebot umfasst Vakuumkammern, Komponenten, Durchführungen,  Manipulatoren und Ventile. Wir sind dabei, diesen Shop Zug um Zug zu erweitern. Demnächst werden auch Vakuummessgeräte für die analoge und digitale Totaldruckmessung verfügbar sein. Weitere Produkte werden folgen.

SCOPE: Wie hoch ist der Anteil an kundenindividuellen Lösungen bei Ihnen? Und wie entwickelt sich das Verhältnis Standardpumpen / kundenspezifische Lösungen?

Bender: Für Pfeiffer Vacuum steht der Kunde im Mittelpunkt! Dadurch werden auch neben unseren Standardprodukten kundenspezifische Anwendungen immer wichtiger. Im Jahr 2015 wurde eine Änderung innerhalb unserer Organisationsstruktur vorgenommen: Unser Vertriebs- und Service-Know-how ist nun nach Märkten neu gebündelt in den beiden Business Units „Analytics & Industry“ sowie „Semiconductor & Coating“. „Analytics & Industry“ kümmert sich auch um unsere Kunden in Forschung und Entwicklung. Diese sind für uns besonders wichtig, da wir mit ihnen die Anwendungen und Anforderungen für morgen entwickeln. Indem wir uns mit dieser neuen Struktur noch besser auf die Anforderungen unserer Kundenanwendungen konzentrieren, können wir noch effizienter auf die Bedürfnisse unserer Märkte reagieren.

SCOPE: Pfeiffer Vacuum hat die Turbomolekularpumpe erfunden und ist in dem Bereich Marktführer. Daneben bieten Sie Drehschieber-, Membran-, Schrauben-, Wälzkolben- und Drehkolbenpumpen an. Welche Technologie erfährt das größte Nachfrage-Wachstum?

Bender: Alle unsere Produkte weisen Wachstum auf. Allen voran die Turbopumpe, die Pfeiffer Vacuum vor mehr als
55 Jahren erfunden hat.

SCOPE: Jedes Vakuumpumpenprinzip hat seine spezifischen Vor- und Nachteile. Forschen Sie an der einen Pumpe, die alles kann?

Bender: Physikalisch ist dies schwer möglich. Aber wer weiß, vielleicht machen wir irgendwann das Unmögliche möglich.

SCOPE: Pfeiffer Vacuum feierte letztes Jahr seinen
125. Geburtstag. Im selben Jahr übernahm Busch Vakuumpumpen einen Anteil von 27 %. Ist hier mittelfristig eine Fusion geplant?

Bender: Busch hat in die Pfeiffer-Vacuum-Aktie investiert, da man unser Unternehmen kennt und schätzt. Das ist zunächst einmal ein Kompliment für uns. Busch sieht sich als Ankeraktionär. Darüber hinausgehende Pläne sind mir nicht bekannt.

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