Ölfreie Kolbenkompressoren

Vier Mengen in zwei Stufen

Druckluft-Stationen mit Kolbenkompressoren sind normaler- weise weder für den Dauerlaufbetrieb noch für größere Mengen ausgelegt. Dass die eher traditionelle Technik für Betreiber trotzdem eine interessante Alternative zu Schraubenverdichtern ist, zeigt der Einsatz von zweistufigen, wassergekühlten Compair-Kolbenkompressoren bei Sartorius. Allein die Einsparung der reinen Energiekosten liegt bei rund 40.000 Euro pro Jahr!

Die Herstellung von Filtern für Biotechnologie und Dialyse bei Sartorius stellt hohe Anforderungen an Qualität und Verfügbarkeit der Druckluft. Zwei ölfreie Compair Kolbenkompressoren vom Typ R100 garantieren eine zuverlässige und energiesparende Versorgung.

Die Biotech-Sparte der Sartorius AG hat ihre Druckluftstation komplett modernisiert, um die Energieeffizienz zu verbessern. Dabei wurden die vorhandenen drei Schraubenverdichter durch zwei ölfreie, zweistufige Compair-Kolbenkompressoren ersetzt. Für die Aufbereitung sorgen zwei Adsorptionstrockner mit Vakuumregeneration. Dass Schraubenverdichter durch Kolbenkompressoren ersetzt werden, überrascht auf den ersten Blick. Angesichts der steigenden Energiekosten ist jedoch die traditionelle Technik der zweistufigen Kolben für alle Betreiber, die auf die Betriebskosten und die Effizienz achten, eine interessante Alternative zu Schraubenkompressoren.

Bei Sartorius waren optimale Voraussetzungen für die Planung der neuen Druckluftstation bereits durch eine breite Datenbasis gegeben. Thomas Münter, Leiter des Facility Managements, sagt: „Wir erfassen mit leistungsfähigen Tools den Energieverbrauch im gesamten Werk und suchen dabei stets nach Möglichkeiten den Energiebedarf zu senken.“ Bei der Ausschreibung wurden klare Vorgaben gemacht, denn das Facility Management zeichnet sowohl die Liefermenge als auch die Energieverbräuche der Druckluftstation auf und erfasst zugleich den erzeugten Volumenstrom über Druckluftmengenzähler. „Wir verbrauchen insgesamt rund fünf Millionen Kubikmeter Druckluft pro Jahr und konnten genaue Verbrauchsprofile angeben. Dabei galt es zu berücksichtigen, dass die Verdichter ein sehr breites Band effizient erzeugen müssen, da sie oft im Teillastbereich arbeiten“, berichtet Thomas Münter.

Anzeige

Sartorius hatte den angefragten Unternehmen zugesichert, selbst ungewöhnliche Konzepte unvoreingenommen zu prüfen. Die Firma Druckluft Krenge, ein Druckluft-Fachhandel in Osterwieck (Harz), suchte daraufhin den Kontakt mit Compair und erarbeitete ein Konzept, das eine Kombination von ölfreien Kolbenkompressoren und Adsorptionstrocknern mit Vakuumregeneration vorsah. Konkret lautete der Vorschlag von Krenge: Zwei wassergekühlte Compair-Kolbenkompressoren vom Typ R 100 werden mit zwei vakuumregenerierenden Adsorptionstrocknern gekoppelt. Die ölfreien Kompressoren arbeiten jeweils zweistufig, so dass vier verschiedene Druckluftmengen erzeugt werden. Charakteristisch – und einzigartig – ist die Tatsache, dass sie im einstufigen Betrieb ebenso effizient sind wie im zweistufigen. Sartorius entschied sich für das vorgestellte Konzept und installierte die Anlagen im Juli 2010.

Schrittweiser Umbau bei laufender Produktion

Geschäftsführer Marco Krenge erläutert: „Die Installation war anspruchsvoll, da der Umbau bei laufender Produktion stattfand. Wir mussten also schrittweise vorgehen und in jeder Bauphase Druckluft zur Verfügung stellen.“ Die Trockner wurden so dimensioniert, dass sie einen Drucktaupunkt von zuverlässig -40°C erreichen. Nur beim aktuellen Höchstbedarf an Druckluft sind beide Anlagen in Betrieb. Der weiterhin funktionsbereite frequenzgeregelte Schraubenverdichter steht als Redundanzanlage bereit. So ist die geforderte 100-prozentige Verfügbarkeit sichergestellt. Rainer Gronau, Technischer Mitarbeiter von Sartorius und zuständig für die Druckluftversorgung, betont: „Für uns ist die Verfügbarkeit ein zentrales Kriterium, denn ohne Druckluft können 800 Mitarbeiter nach Hause gehen.“

Ein Vorher-Nachher-Vergleich der Messergebnisse zeigt, dass nicht nur der Energiebedarf, sondern auch der Druckluftbedarf an sich gesunken ist. Dazu Rainer Gronau: „Wir hatten zuvor schon durch Messungen festgestellt, dass der Adsorptionstrockner rund 20 Prozent der erzeugten Luft als Regenerationsluft benötigt. Dies trifft auf die neuen Trockner, die wirtschaftlich im Vakuum regenerieren, nicht zu.“ Somit ergibt sich eine zweifache Einsparung: Es wird weniger Druckluft verbraucht, und jeder Kubikmeter wird mit weniger Energieeinsatz erzeugt. Das hat man sogar vertraglich festgelegt. FM-Leiter Thomas Münter ergänzt: „Druckluft Krenge hat uns zugesichert, dass der Energieverbrauch pro Kubikmeter Druckluft einen definierten Wert in Wattstunden nicht überschreitet.“ Insgesamt ergibt sich für Sartorius nicht nur eine jährliche Energiekosten-Einsparung von rund 40.000 Euro, auch die jährlich anfallenden Wartungskosten reduzieren sich mit der neue Anlagentechnik um 10.000 Euro. Und um die Qualität, an die sehr hohe Anforderungen gestellt werden, muss man sich ebenfalls keine Sorgen machen, denn die Druckluft wird ölfrei erzeugt. st

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

So einfach kann Automation sein

Die item item linear motion units® bieten Lineareinheit, Motor, Getriebe und Steuerung plus Software für Konfiguration & Inbetriebnahme. Jetzt im Factsheet informieren!

mehr...

Kolbenkompressoren

Mit einstufigem Riemenantrieb

Abac Luftdruck stellte kürzlich eine Palette hochtechnologischer Kolbenkompressoren vor, deren Design vollständig erneuert wurde. Aushängeschild sind die Kompressoren mit einstufigem Riemenantrieb Abac Line und Pro A29-A39 (2-3 HP, 27-270 Liter),...

mehr...
Anzeige

Kolbenkompressor

Niedriges Laufgeräusch

Der neue Thomas 2450 WOB-L-Kolbenkompressor verfügt über geringe Abmessungen (211 mm x 102 mm x 163 mm) und ein niedriges Laufgeräusch von nur 50dBA bei 1,4 bar. Durch den Einsatz einer speziellen Leichtbaukonstruktion mit Aluminium-Komponenten wird...

mehr...
Anzeige

Überwachung

Handelsübliche Vibrationstransmitter

können die meist kurzen Stoßimpulse an Kompressoren, wie sie z.B. durch lose Teile hervorgerufen werden, nicht eindeutig detektieren. Diese gehen meist im Gesamtvibrationspegel unter. Eine frühzeitige Entdeckung entstehender Schäden und die...

mehr...

Anwenderbericht

Für die Wüste und die Tundra

Der Pipelinebau-Ausrüster Vietz stattet seine Schweißraupen optional mit Kolbenkompressoren von Atlas Copco aus. Die passen mit ihrer kompakten Bauweise gerade noch auf das Trägerfahrzeug und sind robust genug, um im Dauereinsatz in der Wüste,...

mehr...

Kolbenkompressoren

Wenn Gleitpaarung

reibungs- und verlustarme Drucklufterzeugung bewirkt, stecken die K-Kompressoren von Boge dahinter. Diese Kolbenkompressoren verzichten auf eine aufwändige Kreuzkopfkonstruktion, da sie nach dem Schubstangenprinzip arbeiten.

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite