Produktion des Proportional-Wegeschieberventils Typ PS

Hawe Hydraulik eröffnet neues Werk in Kaufbeuren

Mit rund 100 Millionen Euro ist es das größte Investitionsprojekt in der Geschichte des mittelständischen Familienunternehmens Hawe Hydraulik: der Bau eines neuen Werks in Kaufbeuren. Am 19. September fand die feierliche Eröffnung statt.

Platzmangel an bestehenden Standorten war ein ausschlaggebender Grund für den Neubau. Aber nicht nur das: Fertigung und Montage des umsatzstarken Produkts, des Proportional-Wegeschieberventils Typ PSL, erfolgten bisher an mehreren Standorten und sollten auf ein Werk konzentriert werden.

Eine nach der anderen entstanden von 2012 bis 2014 vier Hallen mit einer Bruttogeschossfläche von 50.000 qm und einer Produktionsfläche von über 30.000 qm. Nun steht in Kaufbeuren das größte Werk des Münchner Entwicklers und Herstellers für Hydraulikkomponenten und -systeme. Sobald die erste Halle bezugsfertig war, zogen die ersten Maschinen ein. Sie kamen von den Standorten München sowie von den Miethallen in Kirchheim und im Kaufbeurer Momm-Gelände. So konnte die Produktion bereits während der Bauphase bis zum vollständigen Hochlauf im Sommer 2014 schrittweise in Betrieb genommen werden. Aktuell sind 360 Mitarbeiter und 45 Auszubildende am neuen Standort beschäftigt. Bei steigender Auslastung ist eine Erhöhung der Kapazitäten denkbar, denn die Hallen sind auf maximal 750 Mitarbeiter im Schichtbetrieb ausgelegt.

Detaillierte Standortanalyse

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Die Entscheidung für den Standort fußt auf einer Analyse des Ist-Zustands im Unternehmen und des Soll-Zustands eines neuen Werks. Dementsprechend wurden die Regionen Asien (ohne Japan und Südkorea), Zentraleuropa, Deutschland und Bayern detailliert bewertet. Schnittstellen zu den HAWE-Werken und Zulieferern, Qualifikation des Personals, Zuschnitt des Grundstücks nach Kriterien für einen Produktionsbetrieb, Verkehrsanbindung, Wohnwert der Region - das sind nur ein paar Kriterien, die eine Rolle spielten.

Für einen Produktionsprozess mit vielen Wertschöpfungsstufen und eine hochautomatisierte Fertigung wie im Werk Kaufbeuren sind qualifizierte Facharbeiter und eine Verfügbarkeit der Maschinen von über 90% das A und O. Nur gut ausgebildete Mitarbeiter haben die komplexen Anlagen auch im Griff. Genauso muss auf die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, einen guten und schnellen Service bei Maschinenausfällen Verlass sein. Der Preis einer Komponente hängt daher maßgeblich von den Produktionskosten ab. Niedrigere Lohnkosten wie sie in manchen Ländern Asiens und Osteuropas anfallen würden, spielen eine geringere Rolle.

Das Ergebnis der Standortanalyse brachte schließlich Deutschland, und hier speziell den Großraum München, als Favorit hervor. In das Rennen gingen fünf Städte. Kaufbeuren hatte die meisten Vorteile zu bieten. Allen voran war es das Potential neuer Arbeitskräfte und die Berufsschule für angehende Industrie- und Zerspanungsmechaniker. HAWE Hydraulik gewinnt viele Facharbeiter aus der eigenen Ausbildung, immerhin beträgt die Ausbildungsquote 8%. Eine gute Berufsschule vor Ort ist besonders wichtig. Nicht zuletzt boten auch die Bodenbeschaffenheit und der Zuschnitt des Grundstücks beste Voraussetzungen für den Bau eines Produktionsbetriebs.

Fertigung von Anfang bis Versand

Das Werk zeichnet sich durch modernste Fertigungs- und Montagetechnik im Maschinenbau aus. Sämtliche Produktionsschritte finden hier statt: von der Rohmaterialverarbeitung über sämtliche Bearbeitungsstufen bis hin zur Oberflächenveredelung. Gut verpackt gehen die Produkte aus dem Versand auf die Reise zum Kunden. Schlanke Produktionsprozesse in Anlehnung an die Lean-Philosophie erlauben es, flexibel auf schwankende Auslastungen zu reagieren, den Ausstoß bei Bedarf zu erhöhen oder andere Produktgruppen als momentan vorgesehen zu fertigen. Die Prozesse sind so gestaltet, dass Produkte in großen Stückzahlen genauso wie in Losgröße 1 und eine Vielzahl an Produktvarianten gefertigt und montiert werden können.

Auch für Produkttests ist ausgiebig Platz vorhanden. So besteht die Möglichkeit, gleichzeitig zwei mobile Arbeitsmaschinen von Kunden in einem Hallenabschnitt unterzubringen und die Lösungen von Hawe Hydraulik in diesen Maschinen ausgiebig zu testen. In einem Akustikmessraum untersuchen die Entwickler von Hawe Hydraulik die Geräuschemissionen von Hydraulikpumpen, eine weitere wichtige Produktgruppe des Unternehmens. Kunden fordern zunehmend leisere Pumpen. Messungen nach nationalen und internationalen Normen (DIN und ISO) und Grundlagenuntersuchungen unterstützen die künftige Produktentwicklung.

Energieeffizienz rundum

Die Reduktion des Energiebedarfs in den Hallen und der Produktion spiegelt sich in den Produktionstechnologien und in der Gebäudetechnik wider. So weist beispielsweise das Druckluftnetz eine Leckagenrate von unter 10% auf, was im Vergleich zu anderen Produktionsstätten in Deutschland ein niedriger Anteil ist. Das Abwasser aus der Produktion wird über eine Verdampfungsanlage zu 100% wieder in den Prozess integriert. Außerdem wird die Abwärme der Maschinen über einen Wärmetauscher in das zentrale Kältenetz integriert und wieder für die Kühlung der Maschinen genutzt.

Ein Blockheizkraftwerk erwärmt die Hallen und damit die Wärme nicht entweicht, wurde die Gebäudehülle mit einer Luftdichtheitsmessung (Blower Door-Test) auf Dämmleckagen geprüft. Die Hallen sind zu 18% mit Tageslicht ausgeleuchtet. Das sorgt für eine angenehme Atmosphäre und reduziert den Strombedarf. Zusätzlich sind die Produktionsbereiche und Büros mit sparsamen LED-Leuchten ausgestattet. Alle Maßnahmen am Gebäude und die Gebäudetechnik zusammen übertreffen die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) um 39%.

Der Energiebedarf soll weiter sinken. Hawe Hydraulik ist deswegen mit dem Standort Kaufbeuren schon Ende Mai 2014 dem Energieeffizienz-Netzwerk Vorarlberg beigetreten. Das Netzwerk legt sich zwar erst 2015 auf Einsparziele fest. Dennoch ist schon jetzt davon auszugehen, dass die Energieeffizienz des Werks Kaufbeuren in wenigen Jahren noch besser sein wird als heute. Die Steuerung der Gebäudeanlagen wird zwei Jahre lang auf den Produktionsbetrieb ausgerichtet und ihr Energiebedarf entsprechend optimiert. kf

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