Interview mit Thorsten Meier

„Deutschland und USA auf Augenhöhe“

Anwender, die auf der Suche nach einem Druckluftsystem sind, das zu 100 Prozent öl- und silikonfreie Druckluft kostengünstig und energieeffizient erzeugt, kommen an Boge Kompressoren nicht vorbei. Kein Wunder, dass das Unternehmen trotz allgemeiner Stagnation im Druckluftbereich wächst. Warum das so ist und welche Rolle die USA dabei spielen, erfuhr SCOPE-Redakteurin Evelin Eitelmann von Thorsten Meier, Geschäftsführer Boge Kompressoren.

Thorsten Meier, Geschäftsführer von Boge Kompressoren

SCOPE: Herr Meier, für das Jahr 2015 meldete der VDMA eine Stagnation im Bereich der Drucklufttechnik, dennoch verbuchte Boge einen Rekordumsatz. Worauf führen Sie das zurück?

Thorsten Meier: In der Tat – 2015 ist nicht das erste Jahr, in dem Boge es geschafft hat, sich positiv gegen den Trend zu entwickeln. Wir können in den letzten vier Jahren einen Umsatzzuwachs von 30 Prozent für uns verbuchen. Unser großes Plus ist dabei, dass wir in den derzeit besonders gefragten Produktsegmenten sehr gut aufgestellt sind. Ölfreiheit, Energieeffizienz aber auch Themen wie Industrie 4.0 stehen bei Boge schon länger auf der Agenda. Entsprechend haben wir unsere Produkte sowie unsere Dienstleistungen bereits an diese Herausforderungen angepasst. Das hat sich 2015 ausgezahlt – wir können unseren Kunden zeitgemäße Lösungen bieten und die Nachfrage am Markt adäquat bedienen.

SCOPE: Boge hat auch eine Vertriebsgesellschaft im diesjährigen Gastland der Hannover Messe, den USA. Wie beurteilen Sie den US-amerikanischen Markt für die Lieferung von Kompressoren?

Anzeige

Meier: Die USA sind ein hochinteressanter Markt für uns und nach wie vor der größte Einzelmarkt für unsere Produkte mit einer Vielzahl von anspruchsvollen Kunden. Wir wollen unser Geschäft in den USA auch in den nächsten Jahren gezielt ausbauen. Die Hannover Messe ist für uns natürlich eine ideale Plattform, um ins Gespräch zu kommen.

SCOPE: Scheint der US-amerikanische Markt Deutschland in der Umsetzung von Industrie 4.0 voraus zu sein?

Meier: Ich sehe Deutschland und die USA auf Augenhöhe. Die großen Branchenthemen M2M, Internet of Things und anderes werden in den Vereinigten Staaten auch schon lange diskutiert, entsprechend fortgeschritten sind die Entwicklungen. Beide Standorte sind weltweit in der Produktion von qualitativ hochwertigen Maschinen absolut führend. Vereinzelte Initiativen aus den Staaten mögen sogar Vorbildcharakter für Entwicklungen in Deutschland haben. Eine generelle Vorherrschaft amerikanischer Produzenten sehe ich nicht. Deutsche Mittelständler sind in der Breite bei den Zukunftsthemen des Maschinenbaus sehr gut aufgestellt. Eine häufig unterstellte Skepsis gegenüber neuen Technologien – etwa der Cloud – sehe ich so nicht. Deutsche Produzenten sind sehr sachlich im Umgang mit neuen Herausforderungen. In unserem Unternehmen lässt sich zudem eine große Innovationsfreude beobachten.

SCOPE: Ihr Unternehmen ist seit Jahren eine feste Institution im Cluster it‘s OWL. Welche Vorteile ziehen Sie aus dieser Verbindung?

Meier: Das Netzwerk bietet uns eine hervorragende Plattform zum Austausch von Erfahrungen. Branchenthemen wie etwa die vierte industrielle Revolution bewegen viele produzierende Unternehmen aus dem Mittelstand. it‘s OWL bietet uns die Gelegenheit, Erfahrungen und Expertise mit anderen Mittelständlern auszutauschen. Zudem erarbeiten wir mit Verbundpartnern und Hochschulen auch gezielt Projekte. Nicht zuletzt spielt für uns auch das Thema Standardisierung eine wichtige Rolle. Wie lassen sich Daten bestmöglich übertragen? Welche Lösungsansätze bestehen? Ein Netzwerk vor der eigenen Haustür ist gerade in Zeiten der industriellen Umbrüche Gold wert.

SCOPE: Welche Neuheiten präsentiert Boge auf der Hannover Messe Industrie 2016 im Bereich Kompressoren?

Meier: Für uns steht natürlich die Com Vac im Fokus des Interesses, die 2017 wieder im Rahmen der Hannover Messe stattfindet. In diesem Jahr ist Boge auf dem Stand von it‘s OWL mit der Neuentwicklung „High Speed Turbo“ vertreten. Wir möchten unseren Kunden verstärkt unter dem Aspekt Integration – also dem Austausch mit anderen Komponenten, intelligenten Dienstleistungen und Co. – im Detail zeigen, wie unser Angebot aussieht und welche neuen Möglichkeiten sie für sich nutzen können. Wir merken deutlich, dass Kunden heute viel genauer hinhören, als noch vor drei Jahren.

SCOPE: Immer mehr Firmen entdecken für sich das Druckluft-Contracting. Was bietet Boge dazu an?

Meier: Wir bieten auch verschiedene Angebote in diesem Bereich – etwa sogenannte Flatrates, also feste Preise für fixe Mengen. Die Nachfrage danach steigt. Unsere Abnehmer haben natürlich großes Interesse an Kostengewissheit, die durch Contracting ermöglicht wird.

SCOPE: Wie sorgen Sie im Bereich Druckluft-Contracting für Kostentransparenz bei Ihren Anwendern?

Meier: Contracting beruht auf bestimmten Leistungsparametern, die vertraglich definiert werden. Vor dem Vertragsabschluss wird festgehalten, was im Detail benötigt wird. Welche Mengen? Welche Reinheit? Steuerungs- und Analysetools ermöglichen es, die Verbräuche in Echtzeit zu überwachen. Die Transparenz ist somit beiderseitig gegeben.

SCOPE: Die digitale Revolution macht vor den Kompressoren keinen Halt. Smart Factory ist in aller Munde und Sie begleiten ebenfalls Unternehmen auf dem Weg dahin. Können Sie uns einige Anwenderbeispiele nennen und über ihre Umsetzung berichten?

Meier: Als eines der großen Trendthemen begleitet uns die Smart Factory natürlich schon seit Jahren. An der Hochschule Lippe in Lemgo sind wir gerade mit dabei, im Rahmen eines Musterprojekts eine intelligente Produktionshalle umzusetzen. Hierfür haben wir verschiedene Komponenten beigesteuert. Viele Ideen, die heute unter dem Begriff Industrie 4.0 firmieren, sind uns aus der Druckluftbranche schon etwas länger geläufig. Lösungen zur intelligenten Steuerung, aber auch zu intelligenten Dienstleistungen sind nicht neu und auch vielerorts schon im Einsatz. Die Nachfrage ist aber in letzter Zeit noch einmal drastisch in die Höhe geschossen. In jeder Druckluftstation haben Sie Komponenten zur Aufbereitung von Druckluft. Zwischen diesen Komponenten findet eine Interaktion und Abstimmung statt. Über die übergeordnete Steuerung ist eine bedarfsabhängige Regelung der Drucklufterzeugung möglich. Auch Fernwartung ist heute ein Standard unserer Produkte.

SCOPE: Und wie setzen Sie das Thema im eigenen Unternehmen um?

Meier: Auch wir haben den Schritt hin zur smarten Fertigung bei unseren Produkten vollzogen. In Großenhain bei Dresden haben wir ein hochmodernes neues Werk gebaut, das in der Produktionsphase fast ohne menschlichen Eingriff auskommt. Zudem sind wir dort in der Lage, bis hin zur Losgröße 1 gänzlich individuell zu fertigen. Das System wird sich sicherlich noch weiter perfektionieren lassen, sobald auch unsere Dienstleister und Zulieferer auf digitale Verfahren setzen.

SCOPE: Mit Ihren Kompressoren und Serviceleistungen treffen Sie direkt den Bedarf – lässt Sie das zuversichtlich in die Zukunft blicken?

Meier: Absolut! Wir sind von der Produktseite her sehr gut aufgestellt. Auch die kommenden Neuprodukte werden den positiven Trend sicher weiter beflügeln. Rückgrat unseres Erfolgs sind unsere begeisterungsfähigen Mitarbeiter. Durch die Größe unseres Unternehmens sind wir in der Lage, Lösungen auch sehr flexibel und individuell umzusetzen. Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und Neues auszuprobieren, ist sehr groß.

HMI, Halle 16, Stand A04

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Kompressoren

Atlas Copco: optimierte Wärmerückgewinnung

In seine neue Kompressorstation hat der Metallbe- und -verarbeiter Prevent TWB in Hagen gleich eine Wärmerückgewinnung eingebaut. Fünf öleingespritzte Schraubenkompressoren von Atlas Copco liefern zuverlässig Druckluft, heizen Produktionshalle und...

mehr...

Condition Monitoring

Zustandsüberwachung im Klartext

Mit Komponenten, Systemen und digitalen Services zur Überwachung und Schmierung verschiedener Aggregate bietet Schaeffler erweiterbare Komplettlösungen für Predictive Maintenance 4.0, auf die auch der Trinkwasserversorger Perlenbach bei der...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite