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Interview mit Thomas Kaeser

Schweissen & Schneiden 2017Eisele zeigt die Möglichkeiten der Liquidline-Steckanschlüsse

Schweissen & Schneiden 2017: Eisele zeigt die Möglichkeiten der Liquidline-Steckanschlüsse

Mit der Eisele Liquidline bietet das Unternehmen eines der umfassendsten Programme an Verschraubungen und Kühlwasseranschlüssen am Markt.

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Interview mit Thomas Kaeser„Contracting – eine ausgezeichnete Alternative“

Bei dem für die meisten Industriebetriebe höchst wichtigen Energieträger Druckluft geben etwa neun von zehn Entscheidungsträgern an, nicht genau zu wissen, wie viel Geld für einen Kubikmeter Druckluft aufzuwenden ist. Das verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass die betriebseigene Druckluftversorgung sehr unterschiedliche und teilweise schwer erfassbare Kosten verursacht. Im Interview mit SCOPE-Redakteurin Evelin Eitelmann erklärt Thomas Kaeser, der Vorstandsvorsitzende von Kaeser Kompressoren, die Möglichkeiten und Vorteile des Druckluft-Contractings.

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Thomas Kaeser

SCOPE: Herr Kaeser, die Hannover Messe steht vor der Tür und mit ihr die ComVac, die internationale Leitmesse der Druckluft- und Vakuumtechnik. Welche Trends werden Ihrer Meinung nach dort im Fokus stehen?

Thomas Kaeser: Der bedeutendste Trend ist das Thema Industrie 4.0. Mit den Technologien der Digitalisierung sind die Themen Energie-Effizienz, Contracting, Predictive Maintenance und Verfügbarkeit der Druckluft als wichtige Unterthemen auf der Messe präsent.

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SCOPE: Kaeser zeigt auf der HMI ein breites Portfolio an Industrie-4.0-nahen Dienstleistungen. Was können sich die Besucher darunter vorstellen?

Kaeser: Neben dem Verkauf von klassischen Druckluft-Komponenten, Kompressoren, Trockner, Filter, Steuerungen und/oder kompletten Druckluft-Anlagen ist mit den heutigen Technologien die Realisierung von industrienahen Dienstleistungen effizienter und nachhaltiger darstellbar als in der Vergangenheit. Den „Gesundheitszustand“ von Druckluft-Anlagen vorherzusehen und dann einzugreifen, bevor ein Problem eintritt, und Energieverbrauchs-Monitoring, mit dem man erkennen kann, ob eine Anlage energetisch optimal läuft, sind wichtige Themen, die eine Energie-Effizienz und Verfügbarkeit von Druckluft-Anlagen deutlich erhöhen.

SCOPE: „Druckluft kaufen“ – das klingt im ersten Moment einfach, ist allerdings so komplex wie das Thema „Strom kaufen“. Welche Möglichkeiten des Druckluft-Contractings gibt es?

Kaeser: Der Kunde kauft keine Kompressoren oder Druckluft-Anlagen, sondern lediglich Druckluft als Dienstleistung. Dadurch werden liquide Mittel geschont, Fixkosten gehen in variable Kosten über, der Kunde kauft lediglich die Druckluft, die er tatsächlich verbraucht. Betrieben wird die Anlage von Kaeser Kompressoren: Die Verantwortung für Effizienz und Verfügbarkeit geht vom Kunden auf den Betreiber über.

SCOPE: Inwiefern sind diese verschiedenen Modelle für einen potenziellen Anwender hinsichtlich der Kosten vergleichbar?

Kaeser: Überall dort, wo potentielle Druckluft-Nutzer unter hohem Kostendruck stehen und die Verfügbarkeit der Druckluft einen besonders hohen Stellenwert hat, ist Druckluft-Contracting die beste und sicherste Methode. Es liegt auf der Hand, dass der Hersteller, der sich tagtäglich mit dem Betreiben von Druckluft-Anlagen beschäftigt, dies effizienter und nachhaltiger tun kann als der Anwender, der in diesem Bereich nur über begrenzte Erfahrung verfügt.

SCOPE: Wenn ich mich als KMU für Druckluft-Contracting entscheide, wie geht Kaeser dann vor?

Kaeser: Bevor Kaeser Kompressoren ein Druckluft-Contracting-Modell anbietet, wird eine detaillierte Bedarfsanalyse durchgeführt, die den Druckluftbedarf, die Druckluftqualität und die notwendige Verfügbarkeit exakt ausarbeitet. Danach wird mit diesen Daten eine komplette Druckluft-Station errichtet, die dann an eine Finanzierungsgesellschaft verkauft wird und über Lease Back unserem Unternehmen zur Nutzung wieder zur Verfügung gestellt wird. Kaeser betreut die Anlage, der Kunde verbraucht und bezahlt exakt die Menge an Druckluft, die er tatsächlich benötigt.

SCOPE: Sie stellen Ihre Kompressoren also direkt dem Anwender zur Verfügung, welche Vorteile bietet das dem Anwender und mit welchen Einschränkungen muss er rechnen?

Kaeser: Ähnlich wie Gas, Wasser oder Strom wird die Druckluft mit einer extrem hohen Verfügbarkeit und mit besonders niedrigen Erzeugungskosten dem Kunden als Service zur Verfügung gestellt. Natürlich macht es keinen Sinn, eine komplette Druckluft-Station zu errichten und dann jedes Jahr das Modell zu ändern. Wichtig ist die Qualität der Dienstleistung, die wir unseren Kunden bieten. Bis jetzt hat kein Kunde den Vertrag gekündigt oder nicht verlängert.

SCOPE: Welche Industriezweige versprechen heute und zukünftig aus Ihrer Sicht die größten Absatzpotenziale für das Druckluft-Contracting?

Kaeser: Überall dort, wo sich Kunden in einer extremen Wettbewerbssituation befinden und der Kostendruck besonders hoch ist, ist Druckluft-Contracting eine ausgezeichnete Alternative. Gerade in dem Krisenjahr 2009 haben uns viele Contracting-Kunden bestätigt, dass sie hier genau auf das richtige Modell gesetzt haben: Bei niedriger Produktionsauslastung gehen auch die Kosten für Druckluft erheblich nach unten.

SCOPE: Die Umsätze von Kaeser steigen kontinuierlich. Wie hoch sind die Anteile der eigentlichen Produkte wie Kompressoren im Vergleich zu den von Ihrem Unternehmen angebotenen Dienstleistungen am Gesamtumsatz?

Kaeser: Die Anteile für Contracting variieren von Branche zu Branche und von Land zu Land. Eines ist klar, Contracting gehört zu den am stärksten wachsenden Einsatzbereichen unseres Unternehmens.

SCOPE: Mit dem Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes und einer neuen Produktionshalle haben Sie sich eindeutig für den Standort Coburg entschieden. Welche Vorteile sehen Sie in einer Produktion am Wirtschaftsstandort Deutschland?

Kaeser: Es handelt sich hier nicht um ein Verwaltungs-, sondern um ein Forschungs- und Entwicklungsgebäude, in dem neue Produkte und Verfahren konzipiert, entwickelt und umgesetzt werden. Der hohe Vorteil des Standorts Deutschland / Coburg ist, dass wir über hochqualifizierte Facharbeiter, Ingenieure und IT-Mitarbeiter verfügen und dass in einem Umkreis von 900 km extrem leistungsfähige Zulieferanten zur Verfügung stehen.

SCOPE: Die „Smart Factory“ ist ein weitreichender Begriff. In welchen Bereichen der neuen Produktionshalle haben Sie diesen Begriff in die Tat umgesetzt? Und mit welchen Maßnahmen?

Kaeser: Natürlich werden wir in den neuen Produktionshallen alle Methoden und Techniken von Industrie 4.0 einsetzen immer mit dem Ziel, die Effizienz des Produktionsprozesses zu verbessern, Durchlaufzeiten zu verkürzen, optimalere Kapazitätsauslastung zu realisieren.

SCOPE: Gestatten Sie mir eine persönliche Frage: Sie feiern dieses Jahr Ihren 64. Geburtstag. Denken Sie bereits über den Ruhestand nach?

Kaeser: Nein, bisher noch nicht.

HMI, Halle 27 Stand E18

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