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Erneuerbare EnergienCEE Group kauft Juwi-Windpark Gollenberg

Windpark Gollenberg in Rheinland-Pfalz

Die Hamburger Beteiligungsgesellschaft CEE Group setzt den Ausbau ihres Windkraft-Portfolios fort und erwirbt den aktuell im Bau befindlichen Windpark Gollenberg in Rheinland-Pfalz. Verkäufer ist die Juwi Energieprojekte GmbH, die als Generalübernehmer auch die Bauphase verantwortet.

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Energieeffizienz-NetzwerkeEnergieeffizienz zum Nachmachen

Abspecken ist angesagt: Energieintensive Industriebetriebe wie der Folienhersteller Perga-Plastic oder die Feingießerei Blank setzen ihren Betrieb gewissenhaft auf Diät. Gespart wird an Gas, Strom und Druckluft. Auf der Suche nach den richtigen Maßnahmen nutzen die Unternehmen auch die Erfahrungen Anderer. Dabei ist das Abgucken in den Effizienz-Netzwerken des Versorgers EnBW nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

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Energieeffizienz-Netzwerke: Energieeffizienz  zum Nachmachen

Martin Wilhelms vergeudet nicht gerne Zeit: „Die Stunden, die ich mich mit anderen Firmen ausgetauscht habe, haben sich amortisiert.“ Der Geschäftsführer von Perga-Plastic engagiert sich seit über einem Jahr in einer Gruppe von Unternehmern, die ihre Energieeffizienz steigern wollen. Inzwischen agieren 13 Firmen im EnBW-Netzwerk Energieeffizienz Heilbronn-Franken, darunter Kunststoffteile-Hersteller Walter Söhner und Fluidtechnik-Spezialist Bürkert. Gemeinsam wollen sie in drei Jahren ihren Strom- und Gasverbrauch um sieben Prozent senken. Das Ziel haben sie sich nach einer Initialberatung gesetzt. Perga-Plastic hat diese Quote bereits nach einem Jahr fast erreicht. Das entspricht einer Einsparsumme von rund 120.000 Euro!

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Aus eigener Kraft, da ist sich Wilhelms sicher, ist sowas kaum zu schaffen. „In der fachlichen Diskussion mit anderen Firmen gewinnen wir wichtige Erkenntnisse“, sagt er. Hilfreich ist, dass die Netzwerker aus verschiedenen Branchen kommen und es keine direkte Konkurrenz gibt. „So kann man offen die eigenen Prozesse schildern, technische Probleme erörtern und freimütig berichten, wenn eine Umsetzung gut funktioniert – oder eben nicht.“ Moderiert werden die Treffen von der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Sie bringt die Teilnehmer mit externen Fachleuten zusammen. Unterschiedliche technische Maßnahmen werden im Plenum nach Effizienzgrad und Wirtschaftlichkeit bewertet und umgesetzt.

Perga-Plastic fertigt Industriefolien und Verpackungsprodukte für die Lebensmittelindustrie mit eigenen Extrudern. Sie sind das Herzstück der Produktion – und mit 70 Prozent des insgesamt eingesetzten Stroms die größten Verbraucher. Davon sind 30 Prozent reine Heizenergie, die genutzt wird, um das Kunststoff-Granulat auf etwa 200°C zu erhitzen. Seit kurzem tragen die Blasfolienanlagen Isoliermanschetten – eine einfache Lösung, um Wärmeenergie nicht verpuffen zu lassen. „Bei einem geringen Mitteleinsatz spart uns diese Maßnahme künftig 36.000 Euro jährlich“, bilanziert Geschäftsführer Wilhelms.

Nutzen statt verlieren

Anspruchsvoller gestaltete sich die Energieoptimierung bei der katalytischen Verbrennungsanlage. Sie verbrennt die lösemittelhaltige Abluft der Inhouse-Druckerei. Die Abluft benötigt beim Eintritt in die Anlage eine Temperatur von 270°C. Allein im Stammwerk Walldürn-Altheim wurden dafür monatlich 24.000 Liter Gas verwendet. Am Ende des Prozesses verpuffte allerdings das warme gereinigte Abgas ins Freie. Dessen Temperatur wird nun mit einem zusätzlichen Wärmetauscher abgesenkt und die gewonnene Wärme zum Vorwärmen der Druckereiabluft genutzt. Der optimierte Kreislauf hat den Brennstoffeinsatz halbiert! Die Investitionskosten dafür hatten sich bereits nach acht Monaten amortisiert. Bei Perga-Plastic sollen diese Maßnahmen nun auch in den Werken Worms und Bielefeld eingesetzt werden.

Warum aber braucht es die Gruppendynamik, um solche Maßnahmen anzustoßen? Dazu Martin Wilhelms: „Es geht um Glaubwürdigkeit und Ganzheitlichkeit. Zum einen gibt es auf dem Markt viele freie Energieberater mit guten Ideen. Die sind meist auf einen Komplex spezialisiert. Wir aber wollten einen Rundum-Blick auf unsere Produktion.“ Den sieht er durch den Vergleich mit anderen Betrieben und Prozessen gewährleistet. „Zudem fallen Entscheidungen schneller, wenn man sich ganz offen von Geschäftsführer zu Produktionsleiter unterhält.“

Bei EnBW sieht man den Charme der Netzwerk-Idee vor allem darin, dass sie allen nützt. „Wir möchten mit unseren Kunden eine möglichst lange Partnerschaft eingehen. Dazu gehört, dass wir einen Mehrwert über die reine Stromversorgung hinaus bieten“, sagt Thomas Wagner, Produktmanager bei der EnBW Vertriebs- und Servicegesellschaft. „Unsere Energieeffizienz-Netzwerke nützen beiden Seiten: Unsere Kunden profitieren von sinkenden Kosten und besseren Arbeitsabläufen; wir stellen Know-how und konsequente Kundenorientierung unter Beweis.“
Bei den Netzwerktreffen soll jeder Teilnehmer eigene Erfahrungen beisteuern und zugleich von den Anderen lernen. Das hat auch Josef Menz erlebt. Der Leiter Instandhaltung bei Feinguss Blank hat in seinen über zwei Jahren Arbeit im EnBW-Netzwerk Energieeffizienz Donau-Alb 25 Maßnahmen umgesetzt. „Manch gute Lösung, die in der Gruppe präsentiert wird, spukt in meinem Kopf weiter. Dann überlegt man, welches Problem man selbst damit beheben könnte – und findet Wochen später die Querverbindung zum eigenen Prozess“, sagt Menz.

In der schwäbischen Feingießerei wird Stahl geschmolzen, Wachs erhitzt und formgebende Keramikmasken im Wärmeofen auf über 1.100°C erhitzt. Im Jahr verbraucht Feinguss Blank rund 25 Millionen kWh Energie – je zur Hälfte Gas und Strom. „Zu Beginn haben wir uns die Standard-Themen vorgenommen, Isolierungen ausgebessert, Regelungen bei Klimageräten optimiert und unsere Leckrate bei der Druckluft gedrosselt“, berichtet Menz. Dann wurden die Projekte spezifischer. Die zentrale Kühlanlage für den Fertigungsbereich im Wachsraum etwa wurde so umgebaut, dass unterschiedliche Temperaturniveaus in separaten Systemen gefahren werden. So wird das mit viel Energie erzeugte Kaltwasser nur noch zur Prozesskühlung genutzt. Das Wasser zur Maschinenkühlung darf wärmer sein und wird über Luft-Wärmetauscher bereitgestellt. Allein damit werden 30 Prozent Kühlenergie eingespart – was rund 325.000 kWh im Jahr ausmacht. Durch die Optimierung der Klima- und Lüftungsanlagen-Steuerung konnte ebenfalls rund 30 Prozent Energie gespart werden. Die neue Regelung bewirkt zudem eine homogene Temperaturverteilung bei geringer Strömungsgeschwindigkeit – neben der Energieeffizienz konnte Feinguss Blank so die Arbeitsbedingungen verbessern.

Rasche Amortisation

Nach Menz´ Erfahrung führen Energieeffizienz-Maßnahmen oft zu mehr Komfort und Arbeitssicherheit. Aktuell modernisiert er die Beleuchtung in den Produktionshallen und tauscht alte Leuchtkörper gegen energiesparende Lampen aus. Die Lichtkosten sollen so um die Hälfte sinken. Tageslichtabhängige Steuerung und Präsenzmelder automatisieren den Lichtbedarf.

Das bei der Initialberatung ermittelte Sparpotenzial hat Feinguss Blank längst überholt. Die durchschnittliche Amortisationszeit der Effizienzprojekte betrug 13,5 Monate. Dafür verbucht das Unternehmen bislang eine Energieeinsparung von 26 Prozent! Auch Martin Wilhelms von Perga-Plastic ist mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. „Es wird nicht einfach werden, im nächsten Jahr wieder 120.000 Euro einzusparen.“ Durch den Erfolg habe Energieeffizienz mittlerweile im Unternehmen einen anderen Stellenwert: „Das geht bis hin zum Einkauf – heute fragen wir gezielt nach der Energieeffizienz, etwa von neuen Antrieben. Leider erhält man selten eine befriedigende Antwort“, sagt Wilhelms. Er möchte demnächst die Leerlaufzeiten der Druckluftkompressoren minimieren. Sein Netzwerkkollege Menz stellt sich in diesem Jahr dem hohen Gasverbrauch in der Gießerei. Er möchte die Abwärme der hohen Schmelztemperaturen (bis 1.700°C) besser nutzen. „Aber auch wenn uns hier eine Lösung einfällt, sind wir noch lange nicht am Ende. In so einem Netzwerk entwickelt man sportlichen Ehrgeiz und versucht, die Erfolge der Anderen immer noch ein bisschen zu toppen“, schmunzelt Menz.ms

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